Rehberg: Aufklärerin Teresa Enke

Teresa Enke. Foto: dpa

In seiner aktuellen Kolumne widmet sich Reinhard Rehberg dem Thema Depression im Profifußball. Aus den Fällen Enke und Deisler hat der Fußball gelernt, meint er und eine...

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. Vor zehn Jahren hat sich Robert Enke das Leben genommen. Der Torhüter litt unter einer schweren Depression. Einige Zeit lief die öffentliche Diskussion darum in eine falsche Richtung. Gefragt wurde: Hat der Profifußball den Leistungssportler krank gemacht? Und: Versagt der Profifußball an dieser Stelle? Ehefrau Teresa Enke hat aufgeklärt. Sie sagt: Ihr Mann war krank. Nicht, weil er Fußballprofi war. Aber: Weil er ein prominenter Profi war und sich darüber hinaus seinem Klub und der Nationalmannschaft verpflichtet gefühlt hat, hat er sich zu spät in Behandlung begeben, einen Klinik-Aufenthalt und eine Pause vom Stressberuf abgelehnt.

Sebastian Deisler, zu seiner Zeit als Profifußballer beim FC Bayern ebenfalls an einer schweren Depression erkrankt, hat auch gelitten im Fußballtrikot. Der Mittelfeldspieler hat sich dann sehr früh behandeln lassen. Und er ist rechtzeitig aus diesem Stressberuf ausgestiegen. Deisler ist therapiert worden, er hat sich von der Öffentlichkeit zurückgezogen, er arbeitet inzwischen dosiert als Geschäftsmann.

Teresa Enke hat die Öffentlichkeit sensibilisiert

Heute fragen wir: Hat der Profifußball aus diesen öffentlich gewordenen Krankheitsfällen etwas gelernt? Wir dürfen davon ausgehen: Ja. Teresa Enke hat daran einen großen Anteil. Weil sie persönlich und in der Arbeit mit ihrer Stiftung sehr differenziert mit diesem Thema umgeht. Sie erkennt an, dass Leistungssport grundsätzlich anstrengend ist. Vor allem auch psychisch. Teresa Enke hat die Öffentlichkeit dafür sensibilisiert, dass in den wenigsten Fällen von Depression das Sportlerleben den Sportler krank gemacht hat. Aber wer erkrankt ist, der leidet ganz besonders in diesem öffentlichkeitswirksamen Stressjob – insbesondere in einer Männerwelt, die vermeintlich keine Schwächen zulässt.

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Heute gibt es, davon dürfen wir ausgehen, keinen Profiklub mehr, der einem erkrankten Sportler nicht umgehend eine Liste von möglichen Hilfsmaßnahmen zur Verfügung stellen würde. Wir dürfen hoffen, dass Sportler viel früher Anzeichen einer seelischen Erkrankung wahrnehmen. Wir dürfen hoffen, dass das Vertrauen der Sportler gestiegen ist in das Einfühlungsvermögen und die Handlungsfähigkeit der Klubärzte, Trainer und Funktionäre.

Mentaltrainer längst Alltag

Die Grundvoraussetzung bleibt: Der Sportler muss sich in einer kritischen, sehr belastenden Situation einer Vertrauensperson öffnen. Diese Bereitschaft wird gefördert durch die differenzierter gewordene öffentliche Diskussion zum Thema Depression. Teresa Enke hat sich nach dem Tod ihres Mannes nicht in ihr Privatleben zurückgezogen. Sie ist aktiv geworden. Auch mit ihrer Stiftung, die Hilfsangebote macht. Sie hat mit ihren öffentlichen Auftritten ein Bewusstsein geschaffen für diese Krankheit. Das hilft. Allen Betroffenen.

Stressreaktionen im harten Profi-Alltag sind keine Krankheit. Aber sie können auf Dauer krank machen. Auf diesem Gebiet hat der Profibetrieb noch Nachholbedarf. Unerlässlich, auch mit Hilfe fortschreitender wissenschaftlicher Erkenntnisse, wird an der Trainings- und Ernährungsoptimierung geschraubt. Mental und emotional werden die Profifußballer oft alleine gelassen. Gerade in den Situationen, in denen es nicht einen Psychiater oder Psychologen braucht, sondern eine unabhängige, lebenserfahrene und fachkundige Vertrauensperson - die nicht immer der Trainer sein kann -, existiert in vielen Klubs noch eine Leerstelle. Für viele Leistungssportler in Einzelsportarten gehört der Mentaltrainer längst zum Alltag.