Rehberg: Aufstehen - der Wille ist spürbar

05-Trainer Martin Schmidt gibt die Richtung für die nächste Etappe vor. Foto: dpa

Man sollte annehmen: Mainz 05 spürt negativen Druck im Abstiegskampf, der SC Freiburg ausschließlich positiven an der Pforte zum Europapokal. Die Erfahrung lehrt: Dem ist oft...

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. Die Gedanken kreisen und werden umeinander geworfen und durchgespült wie die Schmutzklamotten in der Waschmaschine. Und wenn man im Keller sitzt, dann hat man gerne das Gefühl: So schlecht wie mir geht es keinem anderen. Das ist eines der Phänomene im Abstiegskampf. Tatsache ist: Wenn die 05er in ihrer angespannten Situation an diesem Samstag beim SC Freiburg auflaufen, dann hat auch der gegnerische Trainer Christian Streich alle Hände voll zu tun, seine Spieler auf die richtige Fährte zu locken.

Freiburg nur zwei Punkte von Europa entfernt

Die Freiburger haben in dieser englischen Woche überraschend beim VfL Wolfsburg gewonnen. Damit hat sich der Breisgau-Klub bis auf zwei Zähler an den ersten Europapokalrang herangeschoben. Man sollte annehmen: Die Mainzer spüren negativen Druck, die Freiburger ausschließlich positiven. Die Erfahrung lehrt: Dem ist oft nicht so. Die 05er befinden sich auf einer Nichtabstiegsmission, alle Antennen sind ausgerichtet auf dieses eine große Ziel. Auf diesem Weg zieht man sogar aus Niederlagen Stärke. Der Gegner muss herumeiern: Nein, Europapokal ist nicht unser Ziel, aber ja, wenn es sich einrichten lässt, wäre schon schön...

Die Mainzer kennen das aus der vergangenen Saison. Als nach dem sensationellen 2:1-Sieg beim FC Bayern nach oben die Türen aufgingen, da kamen in der Folgezeit auch Ergebnisse wie das 0:0 zu Hause gegen Darmstadt 98, das 2:3 zu Hause gegen den 1. FC Köln, das 0:0 zu Hause gegen die Abstiegskämpfer aus Hamburg, das mühsame 0:0 am letzten Spieltag zu Hause gegen Hertha BSC. Da tut man sich in den Auswärtsspielen mit geringerer Erwartungshaltung manchmal sogar leichter. Der SC hat das gemerkt im vergangenen Spiel vor eigenem Publikum: 2:5 gegen die Nichtabstiegsfighter von Werder Bremen. Auch dieses Desaster sitzt den Freiburger Profis in den Köpfen.

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Den Kampfknopf gefunden und gedrückt

Die 05er haben beim 2:3 gegen RB Leipzig den Kampfknopf gefunden und gedrückt. Die Unterstützung in der Opel Arena hat eine emotional tragende Atmosphäre erzeugt. Die Elf von Martin Schmidt hat Leistung produziert. Der innere Zusammenhalt wächst. Rouven Schröder zeigt Präsenz, der Sportdirektor hat entschlossen die Führungsrolle übernommen – und er trifft den richtigen Ton. Der Wille, jetzt nicht liegen zu bleiben, sondern als enge Gemeinschaft aufzustehen, sich aufzulehnen und die großen Waffen rauszuholen, ist spürbar. Nächste Station: Freiburg.

Die 05er müssen auf den für zwei Spiele gesperrten Mittelfeldarbeiter Jean-Philippe Gbamin verzichten. Die Freiburger auf ihren länger verletzten Torjäger Max Philipp. Bei den 05ern kehrt Danny Latza zurück. Bei den Freiburgern wird der gewiefte Abschlussspezialist Nils Petersen neben 05-Leihspieler Florian Niederlechner auflaufen. Streich lässt einen giftigen und schnellen Pressing- und Kombinationsfußball spielen. Schmidt kann in diesem Fall auf die aggressive Blockverteidigung und auf den bewährten Umschaltfußball setzen. Die Aufgabe lautet: Die 05er sollten nicht zum wiederholten Male durch ein läppisches Gegentor, etwa nach einem Eckball, ihren Matchplan in die Tonne treten.

Fehler und Aussetzer des Gegners provozieren

Im Motorraum werden Danny Latza und Fabian Frei wohl auf die Routiniers Mike Frantz und Julian Schuster treffen. In diesen Zonen müssen die 05er mit Laufbereitschaft und Zweikampfschärfe Straßensperren aufstellen. Im Gegenzug sind die Antreiber Frantz und Schuster verwundbar. Auch die SC-Innenverteidiger Çağlar Söyüncü und Marc-Oliver Kempf kommen eher selten stabil über die Runden. Bekannt ist: Freiwillig machen diese Spieler keine Fehler, man muss diese Aussetzer provozieren. Dafür braucht es Mut und Überzeugung, Schärfe, Geradlinigkeit und den absoluten Durchsetzungswillen im Konterspiel der Mainzer. Da trifft es sich gut, dass Yoshinori Muto gerade wieder in Form kommt. Die Torgefährlichkeit des flinken Japaners kann der Mannschaft jetzt einen zusätzlichen Impuls verleihen.

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Was die 05er in Freiburg ausstrahlen müssen? Wir leben, wir sind wehrhaft, wir überfluten den Gegner mit unserer Energie und Intensität in sämtlichen Handlungen auf dem Feld. 1.700 Anhänger aus Mainz werden das Team nach vorne treiben. Der Abstiegskampf hat Fahrt aufgenommen. Das kann sogar Spaß machen.