Rehberg: Bei Mainz 05 fehlen die spielerischen Muster

Spieler von Mainz 05 nach der Niederlage gegen Schalke 04. Foto: Sascha Kopp

Die Mainzer verlieren 0:1 gegen Schalke - der Grund für die Heimpleite: Viel Bemühen, viel guter Wille, nach der Pause auch viel Dominanz – aber keine Lösungen für den...

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. Die beste Torchance der 05er nach der Pause ereignete sich in der letzten von vier Nachspielminuten. Da köpfte Jonas Lössl einen von Giulio Donati weit und hoch nach vorn gedroschenen Freistoßball relativ knapp am Winkelkreuz vorbei. Der lange Däne Lössl steht in Mainz bekanntlich zwischen den Pfosten. Wenn der eigene Torhüter zuständig ist für die aufregendste Szene im gegnerischen Strafraum, dann gibt das Aufschluss darüber, warum die Mannschaft von Martin Schmidt das Heimspiel gegen den FC Schalke 04 mit 0:1 verloren hat: Der Europaliga-Viertelfinalist hat in der Opel Arena aus relativ wenig sehr viel gemacht, zum Beispiel ein Tor und schöne drei Punkte – und die 05er hatten trotz eines leidenschaftlich-kämpferischen Auftritts kaum eine vernünftige Torannäherung.

In der nun anstehenden Länderspielpause ist der Cheftrainer nun zunächst mal als Psychologe gefragt. Gegen den VfL Wolfsburg haben die 05er ein 1:1 verwaltet. Dann kam die üble Niederlage beim Tabellenletzten Darmstadt 98. Und nun kommt hinzu, dass das Team auch noch das folgende Heimspiel verloren hat. Und das nach einer Leistung, die in fast sämtlichen relevanten Messrubriken ein Datenmaterial produziert hat, das normalerweise nicht auf ein Verlustspiel hindeutet. Im Fußball gibt es aber keine B-Note. Viel rennen, schnell rennen, oft schnell rennen, Zweikämpfe gewinnen usw., das ist die Basis. Das Endresultat kennt nur eine Maßeinheit: Tore. Und davon waren die 05er an diesem Sonntag weit entfernt.

Torgefährlichkeit wieder erhöhen

Niederlagen nach ordentlichen Auftritten hinterlassen Spuren. Wer seine schlechten Spiele verliert, der weiß, warum. Wer seine besseren Spiele verliert, der grübelt. Da wabert die Frage durch die Köpfe der Spieler: Wie sollen wir im sich zuspitzenden Abstiegskampf ohne Tore Spiele gewinnen? Schmidt stellt sich nun die Aufgabe, seinen Profis bis zu der kitzligen Partie in 14 Tagen beim FC Ingolstadt Lösungen aufzuzeigen, wie sich die Torgefährlichkeit wieder erhöhen lässt. Diesmal hatten die 05er nur zwischen der 25. und 40. Minute eine Phase, in der die Schalker in Nöte gerieten. Da hätten Danny Latza, Jhon Cordoba oder Bojan Krkic mit etwas mehr Glück treffen können. Ansonsten: Viel Bemühen, viel guter Wille, nach der Pause auch viel Dominanz – aber keine Lösungen für den Zutritt in den Raum vor dem gegnerischen Heiligtum.

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Die Schwächen der Schmidt-Elf, und das ist keine neue Erkenntnis, liegen in der Verlagerung des Spiels in die torgefährlichen Räume. S04 hat es geschafft, den 05ern kaum eine erfolgversprechende offensive Umschaltchance zu gestatten. Nach der Führung verteidigte der Gast massiert und weit nach hinten verschoben, das nahm den Mainzer Konterspezialisten die Tiefe. Die diagonalen Schläge auf die Flügel sind für jeden Gegner relativ einfach zu verteidigen.

Flachpassspiel im Zehnerraum und in den Halbräumen findet nicht statt. Da fehlen die spielerischen Muster, da mangelt es auch an den Laufwegen in der Spitze und aus der zweiten Reihe heraus in die Lücken zwischen Innenverteidiger und Außenverteidiger. Daran muss die Mannschaft arbeiten.

Martin Schmidt hatte auch kein Glück mit seinen Wechseln. Nach den ersten 20 Minuten, als sich die Schalker im Aufbau sehr geordnet und ballsicher erwiesen, bekamen die 05er Zugriff auf diese Partie. Da tauchte auch der überraschend in die Startelf gerutschte Bojan auf. Gute Bewegungen im Mittelfeld, der Techniker war anspielbar, er hielt die Kugel, drehte sich flink auf und brachte Bälle an den Mann. Als man nach der Pause gerade das Gefühl hatte, Bojan könnte mit seinen speziellen Fähigkeiten nun auch im engen Zehnerraum aktiver werden - der prominente Winterzugang hatte nach einer Stunde binnen weniger Sekunden zwei nette Abschlussszenen -, da nahm der Trainer seinen ballsichersten Spieler vom Feld. Im Paket mit dem an diesem Tag planlosen Jairo.

Es fehlte ein Dribbler und kreativer Passlieferant

Pablo de Blasis brachte durchaus etwas Schwung in die Offensivaktionen. Robin Quaison, der zweite Joker, fand dagegen kaum Bindung zu seinen Nebenleuten. Die 05er rannten an, sie suchten nach Lösungen, aber es fehlte ein Dribbler und kreativer Passlieferant. Ob das Bojan hätte werden können in den letzten 30 Minuten, das weiß niemand. Der wendige de Blasis und der robuste Quaison schlüpften jedenfalls nicht in diese Rolle. Und die 05er hatten bis zu Lössls finalem Kopfballversuch keine echte Torchance mehr.

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Defensiv arbeiteten die 05er hervorragend. Bis auf diese eine Szene, die den spielerisch besseren, aber müder werdenden Schalkern den Sieg bescherte. Zwei Doppelpässe, ausgehend von der Mittellinie, und der Weg für den zielsicheren Torschützen Sead Kolasinac war frei. Im Ringersport hätten sich die 05er in diesem Moment eine Passivitätsverwarnung eingehandelt. Ohne diesen Fehler wäre die Partie wahrscheinlich 0:0 geendet. Und diesen Punkt, der verdient gewesen wäre, hätte die Schmidt-Elf in dieser Situation als Erfolgserlebnis mit in die Länderspielpause genommen. Nun muss der Trainer (auch) mentale Aufbauarbeit leisten.