Rehberg: Bereitschaft und Einsatz als Plus der 05er

05-Spieler Levin Öztunali köpft den Treffer zum 1:0 gegen Augsburgs Marwin Hitz. Foto: dpa

Überragend viel braucht es gar nicht, damit Stimmung in diese Bude kommt. Ein wenig Nervenkitzel ob der Tabellensituation. Ein Heimteam, das mit hoher Bereitschaft über...

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. 23.371 Zuschauer, da hat in früheren Zeiten Klaus Hafner ins Mikrofon gebrüllt: „Ausverkauftes Bruchwegstadion!“ Und die Leute haben gejubelt. In der Opel Arena dokumentiert diese Zahl die Abwesenheit von rund 10.000 Leuten. Um die muss der Klub kämpfen. Der Anfang ist gemacht. Was zieht die Menschen in die Arena? Eine bis an die Zähne bewaffnete, zu allem entschlossene, leidenschaftlich malochende Mannschaft -und eine begeisternde Atmosphäre. Das haben die 05-Profis und ihr - bei weitem nicht vollzählig erschienener - Anhang am Freitagabend geschafft. Was dazu geführt hat, dass die Mainzer als wilde Gemeinschaft in einem Schwellenspiel dem zuletzt sehr erfolgreichen FC Augsburg nicht die Spur einer Chance eingeräumt haben.

Manko? Ja, aber egal an diesem Abend

Hätten die 05er auch noch fußballerisch einen Toptag erwischt, dann hätten die bayrischen Schwaben wahrscheinlich eine Klatsche kassiert. Die Mannschaft von Martin Schmidt schaffte es in den letzten 20 Minuten nicht, unzählige Konteransätze in sperrangelweit offene Räume zu Torchancen werden zu lassen. Das war das Manko. Aber das störte nicht in der Arena. An diesem Abend ging es um die Vertreibung des Themas „Abstiegskampf“, es ging um die drei Punkte. Und um die erste „Humba“ im Jahr 2017. Der überragende Streetfighter Jhon Cordoba und der 2:0-Torschütze Jairo erlebten die Gesangs- und Tanzparty auf dem Stehtribünenzaun.

Der Höhepunkt der Partie war der Treffer zum 1:0. Ein brillanter Umschaltüberfall. Der entschlossene Lauf von Jean-Philippe Gbamin am rechten Flügel, dessen kluger weiter Diagonalball, die präzise Kopfballvorlage von Cordoba. In den Laufweg von Levin Öztunali. Der die Aktion mit der Stirn abschloss, nach einem gewaltigen Spurt über gut 60, 70 Meter. Dafür erntet das Talent sicher ein Lob vom Opa. Das Denkmal Uwe Seeler war zu seiner Zeit der beste Kopfballspieler der Bundesliga. Enkel Öztunali, ein laufstarker Außenbahnsprinter, wird in seiner Karriere noch nicht viele Treffer mit dem Schädel erzielt haben.

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1:0 schon die Entscheidung

Das Führungstor bedeutete im Grunde schon die Entscheidung. Der von Jairo seelenruhig verwandelte Strafstoß zum 2:0, wuchtig erarbeitet vom Büffel Cordoba, sicherte den Erfolg ab. Den uninspirierten, überhaupt nicht zielstrebigen Augsburgern blieb nicht mehr als ein harmloser Kopfball von Raul Bobadilla. Der ereignete sich in der 81. Minute.

Die 05er, zusätzlich angetrieben von den lärmenden Walliser Kuhglocken aus Martin Schmidts Heimat, lebten von ihrer Bereitschaft. 122 Laufkilometer. Viele gewonnene Zweikämpfe in den relevanten Zonen. Die eng am Mann arbeitenden Innenverteidiger Stefan Bell und André Ramalho kontrollierten ihre Gegenspieler. Gbamin eroberte in den tiefen Mittelfeldräumen unzählige Bälle - und dann trieb der aggressive Franzose das Spiel nach vorne. Cordoba war der Zielspieler, der als unermüdlich schuftender Mittelstürmer die FCA-Abwehr aufrieb. Auch Jairo und Öztunali kämpften um jeden Ball, wenn auch zuweilen etwas hektisch und glücklos.

Bojan fehlt die Wettkampfhärte

Und dann war da noch Bojan Krkic. Der Stareinkauf. Startelfdebüt. Der Spanier kann kicken. Weiche Ballbehandlung, geschmeidige Bewegungen. Die Kugel klebt an seinem Fuß, sein Direktspiel hat ein gutes Timing, die flinken Drehungen in engen Räumen erzielen Wirkung. Wühlte Cordoba in der Sturmmitte, dann kam Bojan dem Mittelfeld entgegen. Brach Cordoba seitlich aus, dann schlich sich der spielintelligente Edeltechniker aus der Premier League in die Box. Stürzte sich Cordoba Richtung Mittellinie ins Getümmel, dann suchte Bojan die tiefen Laufwege. Das Konzept war erkennbar. Aber: Von der Physis her, von der Wettkampfhärte her, in der Durchsetzungsfähigkeit in harten offensiven Zweikämpfen ist dieser hoch dekorierte 26-Jährige (noch) kein Bundesligaspieler.

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Man bekam am Freitagabend eine Ahnung von dem Potenzial des Dribblers. Mehr war da (noch) nicht. Die eher zurückhaltende Art des sympathischen Teamplayers Bojan zeigte sich auch vor der Strafstoßausführung. Ein Star mit einem anderen Selbstverständnis hätte sich die Kugel geschnappt. Bojan, bei Stoke City ein sicherer Elfmeterschütze, trat zurück. Und Jairo trat an. Dem tat sein erstes Saisontor allerdings auch gut.