Rehberg-Blog: Eintracht Frankfurt steht vor einem Scherbenhaufen

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Eintracht Heribert Bruchhagen macht sich um den weiteren Saisonverlauf der Hessen keine Sorgen. dpa

Ein neuer Trainer muss her, Vorstandschef Bruchhagen erlebt seine letzten Wochen im Klub und ist nicht mehr der starke Entscheider, der er mal war und auch Manager Bruno Hübner...

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. Die Verhältnisse im Rhein-Main-Gebiet sind in dieser Saison eindeutig geklärt. Die 05er stehen in der Bundesliga auf dem fünften Platz. Die einstmals übermächtige Frankfurter Eintracht und der freche Aufsteiger SV Darmstadt 98 kämpfen gegen den Abstieg. Womöglich bis zum letzten Spieltag in einem direkten hessischen Duell. Und in der Dritten Liga muss sich der SV Wehen Wiesbaden mit allen Kräften gegen den Absturz in die Regionalliga wehren.

Die Frankfurter müssen sich in dieser Woche auch noch einen neuen Trainer besorgen. Nach dem 1:1 im Waldstadion gegen den FC Ingolstadt haben die Eintracht-Gremien entschieden, Armin Veh zu beurlauben. Der Nachfolger steht vor einer ausgesprochen komplizierten und komplexen Aufgabe. Denn das Fußball-Unternehmen mit dem Adler im Wappen präsentiert sich in keiner guten Verfassung. Die Mannschaft lässt einen klaren fußballerischen Ansatz vermissen, da fehlen die grundlegenden Prinzipien in der Defensivarbeit, da fehlen technisch und strategisch begabte Könner auf den beiden Sechserpositionen, da fehlt das Tempo auf beiden Flügeln. Gegen die unangenehmen Ingolstädter probierte es Veh im 4-4-2 mit der Mittelfeldraute, ohne eine überzeugende Lösung auf der Zehnerposition anbieten zu können. Das erinnert stark an den verbauten Kader von Hannover 96, wo sich der in der Vorsaison frustriert aus Frankfurt geflüchtete Thomas Schaaf erfolglos an der Rauten-Variante abarbeitet.

Hoch riskante Rückholaktion

Die gesamte Kaderzusammenstellung bei der Eintracht, die für ihr Profipersonal immer noch rund zehn Millionen Euro mehr aufwendet als die 05er, ist unausgegoren. Auf zu vielen Positionen mangelt es an Spezialisten und an entwicklungsfähigen Spielern. Deshalb gerät nun auch Manager Bruno Hübner intern und in der Öffentlichkeit stark in die Kritik. Vorstandschef Heribert Bruchhagen erlebt seine letzten Wochen im Klub, der Mann, der die von jeher vielstimmige Eintracht in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten eisern zusammengehalten hat, ist nicht mehr der starke Entscheider, dessen Wort Gesetz ist. Zudem hatte auch der unendlich erfahrene Vordenker, der am 30. Juni in Rente geht, nicht den Instinkt, die Rückholaktion mit seinem Männerfreund Armin Veh als hoch riskant bis untauglich einzustufen.

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Der Fußballlehrer Veh hatte sich im Sommer 2014 am Main verabschiedet mit der Begründung, er wolle nicht länger gegnerischen Trainern zum Sieg gratulieren. Dann heuerte der 54-Jährige beim VfB Stuttgart an. Dort warf er nach elf Spielen mit mehr Niederlagen als Siegen umgehend wieder hin mit der Begründung, er bringe dieser Mannschaft kein Glück – und dann kehrte er nach ein paar Monaten zurück in die hessische Bankenmetropole. Diese Karriereplanung war und ist schwer vermittelbar. Zumal Veh immer wieder den Eindruck vermittelt, mit verlorenen Spielen habe er als Gruppenführer eher weniger zu tun.

Auch Bruchhagen-Nachfolge wird zum Theater

Die Eintracht steht vor einem Scherbenhaufen. Auch die Nachfolge für Bruchhagen gerät zum Theater. Die Kandidaten werden öffentlich. Nun haben Christian Nerlinger und Christoph Metzelder abgesagt. Und der Adler-Klub muss sich gefallen lassen, dass sich der in Schalke vom Mainzer Christian Heidel verdrängte Horst Heldt mal so eben über die Medien ins Spiel bringt. Nicht ausgeschlossen, dass am Ende Horst Heldt eher den konzeptlosen und in der Öffentlichkeitsarbeit überfordert wirkenden Kasteler Bruno Hübner beerbt. Der Stuhl in Bruchhagens Büro wäre dann immer noch unbesetzt. Die Trainersuche läuft intern auf mehreren, miteinander konkurrierenden Gleisen. In Frankfurt herrscht ein Macht- und Entscheidervakuum. Bruchhagen mag in seiner Zeit als sportlicher Planer nicht immer eine glückliche Hand gehabt haben, als rhetorisch brillante, entscheidungsstarke und topseriöse Integrationsfigur wird der Intellektuelle unter den Fußballfunktionären diesem Klub in hohem Maße fehlen.

Was die 05er daraus lernen können, auch im Hinblick auf die Nach-Heidel-Ära? Gremien sind am Bruchweg überfällig, aber sie müssen mit ebenso kompetenten wie extrem teamfähigen Persönlichkeiten besetzt sein – und die Führungsstrukturen müssen klar erkennbar und sehr gut aufeinander abgestimmt sein. Hohe Qualität und Konstanz auf der Cheftrainerposition wird immer ein Erfolgsmodell bleiben. Auch eine ebenso mutige wie intelligente Transferpolitik. Und ein paar Millionen mehr oder weniger im Etat sind nicht entscheidend, es kommt immer mehr darauf an, was man mit der Kohle macht. Die Rhein-Main-Beispiele Mainz 05 und Darmstadt 98 versus Eintracht Frankfurt und SV Wehen Wiesbaden bieten dafür aussagekräftige Belege.