Rehberg: Bundesligastart mit Erfolgsdruck

Hoffenheim-Trainer Julian Nagelsmann setzt auf muntere Offensive. Foto: dpa

Die Fußball-Bundesligasaison 2018/2019 steht in den Startlöchern. Und vor Beginn scheint bereits festzustehen, wer wieder Deutscher Meister wird: Der FC Bayern - natürlich....

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. Das Prognose-Karussell hat längst Fahrt aufgenommen. Diverse Medienvertreter und Experten haben ihre Endtabelle für die am Freitag beginnende Bundesliga-Saison 2018/19 veröffentlicht. Eine Spielwiese. Wer sich da mit einem Augenzwinkern austobt, der trägt bei zur Unterhaltung. Wer im Brustton der Überzeugung Urteile über sämtliche Mannschaften in die Welt setzt, obwohl er von den meisten Klubs nicht ein einziges Testspiel gesehen hat, der macht sich durchaus ein wenig lächerlich. Zum Beispiel Stefan Effenberg.

Natürlich wird wieder viel darüber geklagt, dass der Deutscher Meister 2019 angeblich schon jetzt wieder feststeht. Die Bayern. Das Fachmagazin „kicker“ hat sich in seiner jüngsten Ausgabe intensiv damit beschäftigt, wie man den FC Bayern schlagen kann und/oder im Titelkampf unter Druck setzen kann. Die Eliteauswahl von Niko Kovac ist selbstverständlich an bestimmten Tagen bezwingbar. Auf Strecke kann sich der FCB aber auch in dieser Saison nur selbst in Bedrängnis bringen. Unruhe im Klub, Dissonanzen innerhalb des Kaders, Disharmonie in der Arbeit zwischen Trainer und Spielern, dramatisches Verletzungspech. Oder ein über Monate unlustiger Robert Lewandowski. Oder alles zusammen.

Nagelsmann traut sich

Wenn Effenberg erklärt, die deutschen Klubs müssten ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit erhöhen, dann muss man nicht darüber jammern, dass der FC Bayern einen Edel-Kader an den Start schickt. Wer als Deutschland-Vertreter die Champions League gewinnen will oder soll, der wird in der Bundesliga zwangsläufig einen Sonderstatus haben müssen. In der Vorsaison haben die Bayern den Titel geholt mit 84 Punkten. Selbst wenn der Branchengigant jetzt mal zehn Zähler weniger einfahren sollte, dann stellt sich die Frage: Welcher der ambitionierten Konkurrenten wäre in diesem Fall in der Lage, 75 Punkte einzusammeln? Der letztjährige Zweite, Schalke 04, hatte mit vielen ausgesprochen knappen Ergebnissen 63 Punkte aufs Konto geschafft. Ein weiter Weg.

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Im Fernsehen läuft das gerade rauf und runter: Danke, Julian Nagelsmann – endlich traut sich mal einer, den Bayern die Stirn zu bieten! Wenn er in einem Wettbewerb antrete, so der Hoffenheimer Chefcoach vor ein paar Tagen, dann wolle er auch gewinnen. Das Bild, das er wählte, ist etwas schräg: Niemand trete in einem 100-Meter-Lauf an, um Fünfter zu werden. Unfug. Wer mit einer Bestzeit von 10,07 sec im Startblock kauert und neben sich zwei US-Amerikaner und zwei Jamaikaner mit Rekordzeiten von jeweils unter 9,90 sec sitzen hat, der wird sich nicht künstlich pushen mit Siegambitionen. Egal. Nagelsmann hat mal einen rausgehauen. Das finden alle toll. Und wenn der forsche junge Mann zum Auftakt bei den Bayern auch nur einen Zähler schnappt, dann werden viele das zurückführen auf diesen „mutigen“ Spruch – und der Dorfklub wird nach einem einzigen Spieltag als Titelkandidat geführt…

Druck auf Trainer ist immens

Lassen wir das. Wenn der Titelkampf ein wenig spannender werden sollte, dann wäre das schön. Wenn sich weniger Mannschaften in den direkten Duellen mit der FCB-Elf nicht nur hinten einmauern würden, um irgendwie nur knapp zu verlieren, dann wäre das auch nett. Aber die Bundesliga bezieht ihre Faszination ja nicht nur aus dem Kampf gegen den haushohen Salatteller-Favoriten. Übergeordnet besteht die Hoffnung, dass in der Liga wieder besser Fußball gespielt wird. Flexibler, mutiger, kreativer, tempo-geladener, ballsicherer, passsicherer, nach vorne wuchtiger. Das können nicht alle Mannschaften leisten. Aber ein paar mehr durchaus.

Der Ergebnisdruck, der auf allen Trainer lastet, ist immens. Da liegt es auch an den Medien und an den Experten, offensiver oder kreativer angelegte Spielmodelle, die nicht sofort erfolgreich sind, mit mehr Gelassenheit zu begleiten. Jeder spricht in der Vorbereitung von einer nötigen Entwicklungszeit. Dennoch werden alsbald nach wenigen Negativerlebnissen die Messer gewetzt. Man muss Trainer nicht nach drei, vier, fünf Spieltagen schon an die Wand nageln. Da sollte der Journalismus wieder mehr eine analytische, auch fachlich erklärende Rolle einnehmen, nicht umgehend die hämische, vernichtend aburteilende. Und das gilt dann auch für Nagelsmann – sollte der Eroberer nach fünf Spieltagen einen Fehlstart konstatieren müssen.