Rehberg: BVB ohne klare Haltung beim FC Bayern

Javi Martinez trifft für den FC Bayern. Foto: dpa

5:0 für den FC Bayern München gegen Borussia Dortmund. Vorentscheidung im Titelkampf? Nein, meint Reinhard Rehberg. Und analysiert, warum das Top-Spiel eine solch klare...

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. Duell der Giganten? Nein. Das war es nicht. Ein Spitzenspiel? Auch das nicht. Denn dafür braucht es zwei starke Mannschaften. Das hat sich an diesem Abend in der Allianz Arena nicht ergeben. Der Tabellenführer aus Dortmund war dem Verfolger aus München dramatisch unterlegen. Deshalb muss man die 5:0-Leistung des FC Bayern auch nicht überhöhen.

Deshalb muss man auch nicht so tun, als sei der Titelkampf jetzt entschieden. Der neue Spitzenreiter hat in dieser Saison noch keine dauerhafte Stabilität nachgewiesen. Der neue Verfolger ist nicht so schlecht, nicht so labil, wie es in München ausgesehen hat.

Viele Experten dachten, nach dem 1:1 der Bayern in Freiburg, nach dem 2:0 des BVB gegen den VfL Wolfsburg und durch den Zwei-Punkte-Vorsprung für die Dortmunder habe sich ein psychologischer Vorteil zementiert für das Team von Lucien Favre. Der Eindruck erhärtete sich durch das Zirkus-5:4 der aufreizend lässigen Bayern unter der Woche im DFB-Pokal gegen den frechen Zweitligisten aus Heidenheim.

Und dann hat sich gezeigt, dass die überwiegend jung besetzte Dortmunder Mannschaft nicht mal im Ansatz bereit war für einen selbstbewusst-kämpferischen Auftritt in der Allianz Arena. Den Bayern genügte eine Halbzeit mit Konzentration, Entschlossenheit und hoher Effizienz im Abschluss sowie eine Kontroll-Halbzeit im vierten Gang.

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Da war deutlich erkennbar: Die Dortmunder hatten keinen psychologischen Vorteil – sie hatten etwas zu verlieren. Weder der Trainer noch seine Spieler hatten sich vor der Partie klar entscheiden können, ob sie in einer taktisch geschickten Verteidigungshaltung einen Punkt anpeilen oder ob sie aggressiv-mutig den möglichen Fünf-Punkte-Vorsprung ansteuern sollen.

Herausgekommen ist ein Auftritt, der keine klare Haltung hatte. Passivität gegen den Ball verbunden mit dem Gedanken: Mal schauen, was im Konterspiel so vom Baum fällt. . . Und dann hing der mental unentschiedene, emotional wenig aufgeladene und in der Abwehr unkonzentrierte BVB gegen die gar nicht mal so tempogeladenen Angriffe des FCB mit dem Hintern so tief in der eigenen Hälfte, dass der gegnerische Druck immer größer und der Weg nach vorne immer weiter wurde.

Mit Favres Aufstellung hatte das eher wenig zu tun. Marco Reus auf der von ihm ungeliebten Mittelstürmerposition? Der Nationalspieler hätte sich problemlos im Zentrum fallen lassen und aus hinteren Räumen als Relaisstation Wirkung erzeugen können. Der lange verletzte, nicht spritzig wirkende Lukasz Piszczek als Rechtsverteidiger? Sein Gegenspieler Kingsley Coman war nicht der entscheidende Faktor im Bayern-Spiel.

Der BVB war in dieser Zusammensetzung noch nicht reif genug für dieses Gipeltreffen. Was aber nicht ausschließt, dass der Tabellenzweite gegen weniger starke Gegner die letzten sechs Saisonspiele gewinnt. Die Bayern haben im Titelkampf endgültig Witterung aufgenommen. Was aber nicht ausschließt, dass sie in ihrer oft gezeigten Genügsamkeitshaltung noch Punkte liegen lassen. Psychologischer Vorteil? Mag sein, dass sich die Dortmunder als Jäger wohler fühlen. Weil sie in dieser Rolle nichts mehr zu verlieren haben