Rehberg: BVB und Mainz 05 - eine spezielle Beziehung

Mit Mainzer Vergangenheit: Jürgen Klopp und sein Co-Trainer Zeljko Buvac. Archivfoto: dpa

Die Duelle zwischen dem FSV Mainz 05 und Borussia Dortmund waren bis auf wenige Ausnahmen immer enge Spiele. Und da ist von jeher diese besondere Atmosphäre, die diese...

Anzeige

. Die Duelle zwischen dem FSV Mainz 05 und Borussia Dortmund waren bis auf wenige Ausnahmen immer enge Spiele. Und da ist von jeher diese besondere Atmosphäre, die diese Auseinandersetzung umweht. Zur nächsten Auflage kommt es am Ostersamstag im Signal-Iduna-Park.

Spätestens seit Trainer Jürgen Klopp 2008 nach 18 Jahren am Bruchweg in den Ruhrpott gewechselt ist, sind die Beziehungen zwischen beiden Klubs vielfältig und intensiv. 05-Manager Christian Heidel ist nicht nur befreundet mit Klopp, sondern auch mit Borussia-Boss Hans-Joachim Watzke. Als Klopp damals nach Dortmund ging, da nahm er bekanntlich auch Kotrainer Zeljko Buvac und den Gonsenheimer Scouting-Experten Peter Krawietz mit. Und auch noch den damals erst 19 Jahre alten, aber schon fünf Millionen Euro Ablöse kostenden Innenverteidiger Neven Subotic.

Und da ist noch Mats Hummels, der überragende Abwehrchef der Dortmunder. Der 25-Jährige ist in Bergisch-Gladbach geboren. Als er noch ein Kleinkind war, zog die Familie nach Mainz um. Mutter Ulla Holthoff arbeitete als Sportjournalistin beim ZDF, Vater Hermann Hummels war zunächst Trainer beim SV Wehen, später beim Zweitligisten FSV Mainz 05, von Oktober 94 bis April 95 sogar als Nachfolger von Josip Kuze auf dem Chefsessel.

Anzeige

BVB-Quartett mit Mainzer Bezug

Der kleine Mats Hummels drosch damals seine ersten Bälle an das Garagentor am Wohnhaus in Finthen. Wenn die Eltern beschäftigt waren, dann mussten schon mal die damaligen Spieler Jürgen Klopp und Stephan Kuhnert auf den Knirps aufpassen. Da existiert die Geschichte vom Papa, dass der Bub eines Tages mal nach Hause kam und tränenreich erzählte, Kuhnert habe ihn im Schwimmbad am Taubertsberg beinahe ertränkt beim Spielen im großen Becken. Ganz so schlimm war es denn doch nicht, wie sich herausstellte.

Die Familie zog dann nach München um, Hermann Hummels wurde Jugendtrainer beim FC Bayern, Mats Hummels begann dort im Alter von sieben Jahren als Jugendkicker. Am 19. Mai 2007 feierte das Talent sein Profidebüt, am letzten Bundesliga-Spieltag, beim 5:2-Sieg der Bayern - gegen den FSV Mainz 05 unter Trainer Jürgen Klopp. Hummels wurde in der 52. Minute eingewechselt für Martin Demichelis. Bei den Mainzern feierte in jener Partie der 18 Jahre alte Neven Subotic sein Profidebüt, in der Innenverteidigung neben Manuel Friedrich. Kurios: Heute stehen Klopp, Hummels, Subotic und auch Routinier Friedrich bei Borussia Dortmund unter Vertrag.

Klopp hatte im vergangenen Herbst seinen Freund Manuel Friedrich, der bei Bayer Leverkusen seine Bundesligakarriere eigentlich schon beendet hatte, von der Straße geholt als Ersatz für die verletzten Hummels und Subotic. Letzterer kuriert bis heute einen Kreuzbandriss aus. Nationalspieler Hummels verletzte sich Mitte November im Testländerspiel gegen England, nach einer weiteren Blessur fiel der Innenverteidiger bis in den Februar hinein aus. Die zwischenzeitliche Schwächephase der Dortmunder lässt sich auch festmachen am Ausfall des zentralen Abwehrspielers. "Ob Mats auf dem Feld steht oder nicht, das verändert unseren gesamten Spielaufbau", erzählte Jürgen Klopp im AZ-Interview (zu lesen in der AZ-Osterausgabe und am Samstag auch online).

Hummels als überragender Aufbauspieler

Anzeige

Mats Hummels besticht in der Defensivarbeit nicht nur mit seinem überragenden Stellungsspiel, seinem Zweikampfgeschick, seinem Antizipationsvermögen und seiner Kopfballstärke, sondern eben auch im Eröffnungsspiel; der Techniker könnte mit seinen Passfähigkeiten, mit seinen klugen Spielverlagerungen, mit seinem Gefühl für den Spielrhythmus, mit seiner Torgefährlichkeit auch leicht als Mittelfeldsechser auflaufen. Dazu kommt seine Persönlichkeit als sozial integrative und permanent die Kollegen motivierende Führungsfigur. Ein kompletter Profi, der lediglich Schwächen hat in der Grundschnelligkeit. Der das mit seinem perfekten Auge aber ebenso glänzend kompensiert wie etwa 05-Mittelfeldspieler Johannes Geis.

Dortmund, das zwischenzeitlich sogar mal bangen musste um die Qualifikation für die Champions League, ist zum Ende dieser Saison noch einmal in eine prächtige Form gekommen. Ein 2:0-Heimsieg im Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid, 3:0 beim Deutschen Meister FC Bayern München, 2:0-Heimsieg im Halbfinale des DFB-Pokals gegen einen spielerisch starken VfL Wolfsburg. Überzeugende Leistungen, überzeugende Ergebnisse. Mitten in einer Stressphase. Balljagd in Überzahl, Pressing, Gegenpressing, Umschaltüberfälle mit Sprintwegen auf mehreren Bahnen mit Zielstrebigkeit zum gegnerischen Tor, da war plötzlich wieder das alte Borussen-Spiel erkennbar. Was den 05ern Hoffnung machen kann: In diesen drei Topspielen war den Dortmundern jeweils in der zweiten Halbzeit anzumerken, dass die Kräfte allmählich nachlassen binnen der 90 Minuten.

Auch BVB-Shootingstar mit Mainzer Vergangenheit

Bliebe noch der Blick auf Erik Durm. Der Dortmunder Shootingstar wurde 2011 mit der A-Jugend des FSV Mainz 05 Verbandspokalsieger. Als Mittelstürmer. Bei seinem Debüt in der deutschen U19-Nationlamnnschaft im Mai jenes Jahres gegen Ungarn schoss er zwei Tore. Inzwischen ist der in Pirmasens geborene und nahe Zweibrücken aufgewachsene Sprint- und Ausdauerathlet ein offensiv denkender Außenverteidiger, links wie rechts einsetzbar, den Experten Bundestrainer Jogi Löw schon empfehlen für den WM-Kader 2014. Was für den 21-Jährigen aber wohl zu früh kommen würde nach gerade mal 18 Bundesliga- und sieben Europapokaleinsätzen. Aktuell ersetzt Durm in Dortmund als Linksverteidiger den verletzten Nationalspieler Marcel Schmelzer.