Rehberg: Der AfD-Fehler von Eintracht-Chef Peter Fischer

Peter Fischer. Foto: dpa

Wer die AfD wählt, hat Peter Fischer, Vorsitzender der Frankfurter Eintracht, erklärt, könne nicht Mitglied sein im Adler-Klub. Gut gemeint. Aber der Mann hat nicht genug...

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. 1990 wechselte der ghanaische Torjäger Anthony Yeboah vom 1. FC Saarbrücken zur Frankfurter Eintracht. Das war eine Zeit, in der dunkelhäutige Spieler in deutschen Stadien noch von gegnerischen Fangruppen mit Affenlauten beleidigt wurden. Das hessische Comedy-Duo Badesalz hat den Dumpfbacken auf den Rängen damals mit dem zur Legende gewordenen bitterbösen Antirassismus-Sketch „Anthony Sabini“ („Wer schon mal ein Zebra mit der Hand gefangen hat...“) auf die Füße getreten.

Nicht nachgedacht

Knapp 30 Jahre später haben wir im deutschen Bundestag mit der AfD eine 13-Prozent-Partei, die Führungsköpfe und Mitglieder/Anhänger in ihren Reihen hat, die ihre ausländerfeindliche, rassistische und teilweise auch antisemitische Gesinnung nach außen tragen. Wer diese Partei wählt, hat Peter Fischer, Vorsitzender der Frankfurter Eintracht, nun vermeldet, könne nicht Mitglied sein im Adler-Klub (mit Bundesligaspielern aus 18 Nationen). Gut gemeint. Aber der Mann, der sein Geld mit einer Werbeagentur, mit Modeboutiquen und Kneipen verdient hat, der 2004 den Tsunami im Indischen Ozean überlebt hat und sich seitdem für Hinterbliebene der Opfer engagiert, hat nicht genug nachgedacht.

Fischer hätte sagen sollen: Wir dulden in diesem Klub keine ausländerfeindlichen, rassistischen und/oder antisemitischen Tendenzen. Und er hätte auch noch sagen können, dass AfD-Köpfe, die mit diesem menschenfeindlichen Gedankengut schwanger gehen, in der Frankfurter Arena nicht willkommen sind. Aber AfD-Wähler gleichzusetzen mit „brauner Brut“ und „Nazis“, damit hat der feierfreudige Lebemann überzogen. „Ich schäme mich für 13 Prozent der Bevölkerung, die AfD wählen“, mit dieser Aussage hat sich Fischer in seiner Bedeutung als Vorsitzender der Frankfurter Eintracht (e. V.) überhöht. „Peter Fischer denkt manchmal laut“, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Steubing. „Er hat das Herz am richtigen Fleck. Man sollte das nicht so ernst nehmen.“

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Wiederwahl Fischers behindern?

Sehr ernst genommen haben das die beiden Sprecher der hessischen Landes-AfD. Klaus Herrmann und Robert Lambrou haben Strafanzeige gestellt gegen Fischer wegen „Beleidigung, übler Nachrede und Verunglimpfung“. Und die beiden Scharfmacher haben zudem AfD-Wählern empfohlen, in den Verein einzutreten. Soll heißen: Dann könne man die am 28. Januar anstehende Wiederwahl Fischers ja durchaus behindern. Was gar nicht möglich ist, weil Neumitglieder erst nach einem halben Jahr Mitgliedschaft stimmberechtigt sind. Man erkennt: Da hat Peter Fischer mit seinen gut gemeinten, aber wenig durchdachten und eben auch populistischen Äußerungen dieser Partei eine medienwirksame Fußballbühne bereitet, die diese rechte Populisten bereitwillig betreten und wohlfeil nutzen.

Der Profifußball hat ein Problem mit rechtem Gedankengut. Da gibt es längst Klubs, die in ihrer Medienabteilung Leute beschäftigen, die ihr Fanforum täglich durchforsten nach ausländerfeindlichen Meinungsäußerungen - und diese werden dann auch gelöscht. Diese Konsequenz ist notwendig. Die Spielwiese mit der Aufschrift „Populismus“ sollten Klubvertreter meiden. Auf diesem Feld sind die Dumpfbacken nicht zu schlagen. Dann lieber Satire. Siehe Anthony Sabini.