Rehberg: Deutschland gegen USA - kein Raum für Absprachen

Blick ins Archiv: Der damalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann (rechts) und der damalige Co-Trainer Joachim Löw sitzen während er WM 2006 zusammen. Archivfoto: dpa

Der Nichtangriffspakt zwischen Deutschland und Österreich bei der WM 1982 in Spanien ist durchdiskutiert. Die "Schande von Gijon" wird sich nicht wiederholen. Zumindest nicht...

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. Von Reinhard Rehberg

Da sind die beiden Cheftrainer, die sich als Freunde bezeichnen. Gerade unter Kumpeln grassiert der Ehrgeiz, da gönnt keiner dem anderen den Sieg in einem direkten Duell. Wenn es bei der WM 2006 in Deutschland so war, dass Jürgen Klinsmann im deutschen Führungsstab der Projektmanager mit dem Schwerpunkt Motivation war und Joachim Löw gemeinsam mit Urs Siegenthaler der Taktiktüftler, dann ist diese Konstellation als direkte Gegner eine hoch interessante Konstellation.

Klinsmann hat sich in den USA kurzfristig Berti Vogts als Taktikexperten zur Seite geholt. Zwei ehemalige deutsche Bundestrainer, die sich beide nie gut behandelt gefühlt haben in der Heimat, gegen den aktuellen Bundestrainer - da gibt es keinen Raum für Absprachen. Klinsmann und Vogts werden ihre Ami-Armee mit den Deutschamerikanern Jermaine Jones, Fabian Johnson, John Anthony Brooks, Timothy Chandler und Julian Green heiß machen.

Klinsmann mit grimmiger Entschlossenheit

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Es wirkt fast schon lustig, wie sich Klinsmann gerade als Ur-Amerikaner darstellt. Das Spiel gegen den Kumpel sei Business, hat der ehrgeizige Schwabe mit grimmiger Entschlossenheit erzählt, und Amerikaner würden immer marschieren und gewinnen wollen. Der Deutsche, der seit vielen Jahren in den USA lebt, meint das ernst. Und Joachim Löw wird das auch ernst nehmen. Und er sollte keine Probleme haben, das auf seine Spieler zu übertragen. Alle wissen: Die Möglichkeit, dass nach Spanien, Italien und England auch Deutschland diese WM nach der Gruppenphase verlässt, besteht.

Diese WM atmet Überraschungen. Dieses Turnier bietet einen hoch interessanten Anschauungsunterricht, mit welcher Art von Fußball sich Außenseiter unter sehr speziellen klimatischen Voraussetzungen gegen Favoriten durchsetzen können: Gute Organisation, Laufbereitschaft, Aggressivität, Tempo, Herzblut, Mut, Willen. Das ist die Prüfung, die auf das DFB-Team wartet. Der hohe Favorit, der nicht nur den Gruppensieg, sondern auch den Pokal haben will, muss sich gegen einen topmotivierten Underdog, der mit der Leichtigkeit des Seins antritt, der auf einer Erfolgswelle reitet und der perfekt eingestellt sein wird auf die deutschen Stärken und Schwächen, in einer Drucksituation beweisen. Das ist Sport.

Deutschland individuell, spielerisch und taktisch überlegen

Die von der C-Klasse bis zur Champions League malträtierte Floskel "Wir müssen erst mal gut stehen" haben die Deutschen beim 2:2 gegen Ghana in der ersten Halbzeit zu wörtlich genommen. Mit vermeintlich cleverem, Kraft sparendem Standgeschiebe gibt es bei dieser WM nichts zu gewinnen. Die Löw-Elf muss das Hitze-Thema zur Seite schieben und rennen, viel rennen, schnell rennen, oft schnell rennen und im Zweikampf zupacken - die USA wird das tun. Auf dieser Basis können dann die Deutschen ihre individuelle, spielerische und taktische Überlegenheit durchdrücken. Das ist die Aufgabe. Die Amis haben gegen Portugal gezeigt, dass sie durchaus auch gefällig kicken können. Die besseren Fußballer in allen Mannschaftsteilen hat dennoch Löw am Start. Diese Vorteile entfalten aber nur dann ihre Wirkung, wenn sich das DFB-Team in Physis und Mentalität zumindest auf Augenhöhe bewegt.

Ob dann gegen die USA Philipp Lahm im Mittelfeld aufläuft oder als Rechtsverteidiger, ob Bastian Scheinsteigers Zeit gekommen ist, ob der Mittelstürmer Miroslav Klose gebraucht wird, ob der schnelle und laufstarke André Schürrle vielleicht die bessere Lösung ist am Flügel als der genügsame Techniker Mario Götze, darüber lässt sich diskutieren. Entscheidend wird das nicht sein an diesem Abend. Entscheidend wird sein, ob die Deutschen Opferbereitschaft, Präsenz, Defensivdisziplin und Tempobereitschaft ausstrahlen.

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