Rehberg: Die Antworten hält niemand mehr aus

Torwart Manuel Neuer von Bayern reckt den Pokal in die Höhe während seine Mitspieler den Pokalsieg bejubeln. Foto: dpa

Bayern München ist zum achten Mal hintereinander Deutscher Meister geworden. Warum hat da wohl keiner mehr Lust, ernsthaft zu analysieren und zu diskutieren?

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. Alle Witze sind gemacht, und es wurde viel gelacht. Bayern München zum achten Mal hintereinander Deutscher Meister, da hat keiner mehr Lust, ernsthaft zu analysieren und zu diskutieren. Warum und Wieso? Uninteressant. Oder anders ausgedrückt: Die Antworten hält niemand mehr aus. Da hilft nur die Flucht ins Komische. Etwa, dass Kinder bis zur vierten Klasse glauben, das Spiel gehe exakt so: 34 Spieltage und am Ende ist Bayern Erster. Doch selbst auf dem Humorfeld hat Karl-Heinz Rummenigge noch einen guten Konter gefahren. „Was heißt langweilig?“, sagte der Herr Vorsitzende. „Hinter uns ist es doch spannend.“

Da wird der eine trocken feststellen: Stimmt! Der andere wird missmutig festhalten: Das ist an Arroganz nicht zu überbieten! Wie könnte man Abhilfe schaffen? Nach der aktuellen Fragetechnik im Fernsehen müsste man das wahrscheinlich so formulieren: Wie wichtig ist es für die Bundesliga, dass mal wieder ein anderer Klub Meister wird?

Dem Wettbewerb würde das guttun. Doch absehbar ist das nicht. Auch in Corona-Zeiten werden sich die Bayern weiter verstärken. Und die schärfsten Konkurrenten werden eher wieder wichtige Spieler an die internationale Konkurrenz abgeben müssen. Eine gerechtere Verteilung der TV-Gelder könnte helfen, die Verfolger näher an den Branchenriesen heranzuführen, meinen manche Experten. Motto: Die Bayern sollten aus diesem Topf nicht mehr bekommen, als alle anderen. Wäre wünschenswert. Doch das würde an den Kräfteverhältnissen gar nichts verändern. Bayern bekommt zehn Millionen weniger, Borussia Dortmund, RB Leipzig, Gladbach usw. bekommen jeweils drei bis fünf Millionen mehr… Null Effekt.

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Gehaltsregulierungen? Wäre wünschenswert. Aber: Die Obergrenze für das Gehaltsbudget würde sich prozentual ausrichten am Gesamtumsatz der Klubs. Die Bayern setzen jährlich 750 Millionen um, damit liegen sie knapp 200 Mios. vor dem BVB und mehr als 400 Mios. vor Gladbach. Veränderungspotenzial im Sinne von mehr Wettbewerbs-Gleichheit: Tendiert gegen null.

Den Bundesliga-Ablauf umorganisieren? Einer Hauptrunde eine Endrunde mit K.o.-Spielen folgen lassen bis zu einem klassischen Meiserschafts-Endspiel? Klar, das würde der Konkurrenz zumindest die Chance lassen, dass der FC Bayern am Ende mal einen schlechten Tag erwischt. Wünschenswert? Geht so. Wer wollte zum Beispiel eine Hauptrunde mit 34 Spieltagen sehen, deren Spannung sich nur daraus nährt, welche acht Klubs in welcher Reihenfolge die Endrunde erreichen? Eher langweilig. Eine Endspielserie „Best of Three“ oder „Best of Five?“ Unabhängig davon, dass das gar nicht im Terminkalender unterzubringen wäre: Je öfter man gegen einen Topfavoriten antritt, desto häufiger verliert man. Und davon abgesehen: Wer wollte einen Deutschen Meister sehen, der in der Hauptrunde eventuell Dritter, Vierter oder Fünfter war?