Rehberg: Die Macht der Spieler

Niko Kovac. Foto: dpa

Der FC Bayern München trennt sich von Niko Kovac. Die Profis haben ihre Macht spielen lassen, meint unser Kolumnist Reinhard Rehberg. Doch auch die Klubführung muss sich...

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. Wenn Trainer entlassen werden, dann ist das in vielen Fälle auch eine Niederlage für die jeweilige Mannschaft. In den Diskussionen und Bewertungen geht diese Betrachtungsweise meistens unter. Konkretes Beispiel: Die Profis des FC Bayern haben Niko Kovac über die Klinge springen lassen.

Mag sein, dass der Deutschkroate (noch) keine überragend charismatische Persönlichkeit ist, mag sein, dass er kein brillanter Rhetoriker ist, mag sein, dass er fußballstrategisch für diese Mannschaft im Umbruch nicht den großen, alle mitreißenden Plan hatte, mag sein, dass es ihm in der Führung der Fünf-Sterne-Stars an natürlicher Autorität und Durchsetzungskraft gemangelt hat. Doch das alleine erklärt nicht die jüngsten blutleeren Auftritte dieser hochkarätig besetzten Mannschaft.

FCB-Spieler senken den Daumen

Erfolgreiche Mannschaften leben davon, dass die Spieler Vertrauen in ihren Chefdenker haben. Und umgekehrt. Bei den Bayern hat das in beide Richtungen nicht gestimmt. Ab einem bestimmten Zeitpunkt haben einige Spieler den Daumen gesenkt, einige haben sich mitziehen lassen – und in der Gesamtheit ging im Kollektiv die Energie flöten. Das erklärt eine Vorstellung wie jene im DFB-Pokal in Bochum. Als sich dieses FCB-Team über 70 Minuten präsentierte wie eine Freizeitgruppe bei der Schwimmbadkickerei in Badelatschen.

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Das war das Signal: Die Profis haben ihre Macht spielen lassen. Sicher nicht bewusst. Das war keine Demonstration gegen den Kovac. Aber es war eine Mischung aus Missmut, Unzufriedenheit, Uneinigkeit, Sorglosigkeit - und mangelndem Verantwortungsgefühl für das eigene Denken und Handeln. Und jeder Spieler wusste: Festgemacht wird eine solche Schlamperei-Leistung nicht an mir, sondern - intern und in der veröffentlichten Meinung – einzig und alleine am Trainer. Niko Kovac hatte in dieser Atmosphäre keine Chance mehr.

Die Klubführung hat diesen schleichenden Entfremdungsprozess zugelassen. Hasan Salihamidzic war und ist ein schwacher und von den Launen seiner Bosse abhängiger Sportdirektor. Sein Vorgänger Matthias Sammer, eine streitbare und komplett eigenständige Persönlichkeit, hat in schwierigen Phasen immer auch die Spieler mit auf die Mängelliste gehoben. Auch öffentlich. Das hat zuweilen genervt, und das hat auch nie allen Stars gepasst. Aber jede Gruppe braucht Ansagen und Führung. Salihamidzic versteckte sich zuletzt hinter Ironie. Das ist kein taugliches Führungsmittel.

Dauer-Alibi für die Profis

Die Rolle von Karl-Heinz „am Ende des Tages“ Rummenigge ist ein eigenes Thema. Wenn Spieler in der Kabine sitzen, über den Chefcoach sprechen und als Unterton mitschwingt, dass nicht mal der Vorstandschef den Trainer unvoreingenommen stützt, dann entsteht Beliebigkeit. Dann haben die Profis ein Dauer-Alibi: Was können wir dafür, dass unser Vordenker (vermeintlich) keine feurige Ansprache hat, keinen griffigen Matchplan, zu wenig Gefühl für meine persönliche Befindlichkeit und so weiter…?

Genau in diesen Momenten muss ein Klubchef in der Öffentlichkeit eine unmissverständliche Haltung an den Tag legen und Spieler mit in die Verantwortung nehmen. In München ist der Trainer intern auf Distanz gehalten und alleine gelassen worden. Dann haben die Spieler Macht. Diesem Vorwurf wird sich Rummenigge nicht entziehen können.

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Der Nachfolger von Kovac wird es nicht leicht haben, diese Gruppe mit ihren unterschiedlichen Egoismen, die dem Trainer keine Entwicklungszeit gelassen haben, wieder zu einer Gemeinschaft zusammenzufügen. Manuel Neuer, Niklas Süle und Robert Lewandowski haben sich gezeigt in dieser Saison. Alle anderen haben seelenruhig darauf gewartet, wie lange dieser Trainer, der ein Double geschafft hat, noch geduldet wird.