Rehberg: Drei glänzend integrierte Büffel

Die Frankfurter Filip Kostic (von links nach rechts), Ante Rebic, Sebastien Haller und Luka Jovic freuen sich nach dem 2:0-Sieg gegen Apollon Limassol. Foto: dpa

Luka Jovic, Ante Rebic, Sebastian Haller – die Frankfurter Eintracht lebt von ihrem Offensiv-Trio und das Offensiv-Trio lebt von der Eintracht. Nicht nur in Frankfurt glänzen...

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. Sind Bundesligisten erfolgreich, weil sie einen oder mehrere Torjäger in ihren Reihen haben? Oder sind diese Torjäger gerade stark, weil es in der Mannschaft stimmt, weil es gute Vorlagenlieferanten gibt, weil top Ergebnisse auch individuell Selbstvertrauen, Überzeugung und die Leichtigkeit des Seins produzieren? Die Wahrheit besteht wahrscheinlich aus einer Mischung beider Ansätze.

Schauen wir auf die Frankfurter Eintracht. Dem DFB-Pokalsieger von 2018 war nach den Abgängen von Leistungsträgern wie Torhüter Hradecky, Mittelfeldspieler Mascarell, dem Offensivspieler Wolf sowie der Führungspersönlichkeit Prince Boateng plus des Wechsels von Trainer Niko Kovac zu den Bayern eine ganz schwere Saison vorausgesagt worden. Tatsächlich steht die Eintracht unter dem neuen Chefcoach Adi Hütter nach elf Spieltagen mit netten 20 Punkten auf dem vierten Tabellenplatz. Auffällig ist: Die Stürmer treffen.

Torjäger leben auch von der guten Stimmung

Der 20 Jahre alte Serbe Luka Jovic thront mit neun Treffern an der Spitze der Bundesliga-Torjägerliste. Der 24 Jahre alte Franzose Sebastian Haller folgt in einem Pulk gleichauf mit Marco Reus, Paco Alcacer und Alessane Plea mit acht Treffern. Und der Frankfurter Ante Rebic, der wegen einer Verletzung erst sieben Saisoneinsätze hatte, steht auch schon wieder bei vier Treffern. Reus und Alcacer spielen für den Spitzenreiter Borussia Dortmund, Plea für den Tabellenzweiten Borussia Mönchengladbach. Wir erkennen: Die Spitzenmannschaften leben von ihren Torjägern – und die Torjäger leben vom Erfolg der Mannschaft, von den passenden Abläufen und von der hervorragenden Stimmung in der Mannschaft. Und wir erinnern uns: Als der formidable Torschütze Anthony Modeste den 1. FC Köln verlassen hatte, da stiegen die Geißböcke sang- und klanglos aus der Bundesliga ab.

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Es sind nicht nur, aber vor allem die starken Sturmreihen, die aktuell aus gut guten Teams sehr gute machen. Reus, Alcacer und der junge Jadon Sancho in Dortmund. Plea, Torgen Hazard, Lars Stindl und Jonas Hofmann in Gladbach. Und natürlich Jovic, Haller und Rebic in Frankfurt: Das ist aktuell die wuchtigste Angriffsformation in der Liga.

Einer mit Näschen, ein Wühler und ein Hüne

Natürlich ist die Eintracht laufstark, die Elf praktiziert unter dem im RB-Konzern geschulten Trainer Hütter ein hoch aggressives Pressing und Gegenpressing. Aber im Mittelfeld haben die Frankfurter keinen überdurchschnittlich spielstarken Individualisten. Das Kollektiv drückt gegen den Ball und mit Ball 90 Minuten aufs Gaspedal – und vorne rackern und sprinten drei Stürmer, die aus gar nicht mal so vielen Chancen sehr viele Tore machen.

Jovic hat die berühmte Nase für Szenen im Strafraum – eine kurze Drehung auf engstem Raum, ein trockener Abschluss mit perfekter Schusstechnik. Rebic ist der Tempodribbler, der sich mit flottem Antritt extrem geradlinig und zielstrebig mit Ball am Fuß durch die Abwehrreihen wühlt. Und Haller ist der 1,90 große Mittelstürmerhüne, der mit seiner überschaubaren Technik und Beweglichkeit oft genug davon profitiert, dass die gegnerischen Abwehrreihen schon genug damit zu tun haben, Jovic und Rebic unter Kontrolle zu bekommen. Das sind keine frischen Neuzugänge, die erst noch Monate an Taktikschulung nötig hätten. Auch das merkt man. Die drei Büffel sind glänzend integriert. Das macht den Erfolg der Eintracht in hohem Maße aus.

Und im Sommer geht's nach Bayern oder England

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Nun wird auch, und das sehr bald, auf die Frankfurter das Problem zukommen: Deutsche und europäische Spitzenklubs werden sich für das Trio interessieren – und die Eintracht wird kaum eine Chance haben, den Paradesturm in dieser Zusammensetzung zu halten. Jovic und Rebic werden wahrscheinlich schon im kommenden Sommer weiterziehen. Zu den Bayern. Oder nach England. Haller wird ohne seine beiden Mitstreiter an Wirkung verlieren. Die Eintracht wird eine Stange Geld einstreichen, sicher 60, 70 oder 80 Millionen Euro. Ersatz zu finden in dieser sportlichen Qualität? Schwierig. Die Topstürmer in Europa verdienen heute acht Millionen aufwärts im Jahr. Das kann die Eintracht nicht zahlen. Also bleibt es bei Talenten. Und die brauchen dann wieder Entwicklungszeit.