Rehberg: Ein unvergessliches DFB-Halbfinalspiel

Münchens Spieler (l-r) Thomas Müller und James Rodriguez diskutieren mit Bremens Max Kruse (M, 10) während Bremens Maximilian Eggestein mit Schiedsrichter Daniel Siebert (r) diskutiert.  Foto: dpa

Viel Aktion auf dem Rasen, aufpeitschende Fans in den Rängen. Das DFB-Pokalspiel zwischen Werder Bremen und Bayer München war ein sehenswertes Spektakel - nicht nur wegen der...

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. Der DFB-Pokal produziert diese Spiele noch. Die Halbfinal-Veranstaltung in Bremen war wild. Auf allen Ebenen. Auf dem Rasen ging es rauf und runter, mal war Werder etwas dominanter, mal die Bayern. In den Zweikämpfen hat es gestaubt. Keine der beiden Mannschaften hatte eine Taktik am Start, die nicht nur den Gegner erstickt, sondern manchmal auch die eigene Spielidee. Das wirkte über 90 Minuten, als hätten beide Trainer ihren Spielern kurz vor dem Anpfiff das zugerufen, was oft im Training zu hören ist nach vier, fünf Spielformen mit einengenden Regeln und Prinzipien: „Und jetzt freies Spiel!“ Eine Erlösung. In Bremen entwickelte sich ein Fußball-Spektakel.

Berauschend auch die Atmosphäre im Weserstadion. Selbst am Fernsehschirm war das erlebbar. Spielbegleitende Unterstützung. Gibt es heute nicht mehr oft in den vielen modernen Arenen mit Fangruppen-Anführern, die mehr mit Selbstdarstellung beschäftigt sind denn mit dem Spielverlauf und der Befindlichkeit der eigenen Mannschaft.

In Bremen wurde jede Balleroberung der eigenen Mannschaft gefeiert, jede gelungene Abwehraktion, jeder offensive Umschaltansatz, jeder erzwungene Eckball, jeder halbwegs gefährliche Torabschluss. Jede Schiedsrichterentscheidung gegen die eigene Mannschaft wurde mit Protestgetöse unterlegt. Das ergab eine szenisch dichte Stimmung, die eine Heimmannschaft trägt und nach vorne treibt. Nicht unerwähnt bleiben soll, dass die Atmosphäre in einigen Momenten an Fanatismus grenzte. Woran auch Werder-Coach Florian Kohfeldt seinen Anteil hatte. Ein netter, besonnener, intelligenter und sympathischer Kerl vor der Kamera, am Spielfeldrand ein manipulativ wirkungsvoller Vulkan mit irrem Blick und grenzwertig aufpeitschenden Gesten. Davon abgesehen: Das Weserstadion lieferte an diesem Abend Anschauungsunterricht, welchen Einfluss wilde Anhänger, die am Spielgeschehen interessiert sind und nicht nur nette Liedchen in der Endlosschleife trällern, auf die Emotionalität und die Widerstandsfähigkeit einer Mannschaft haben können. Ein schöner, lebendiger und erlebnisreicher Fußballabend.

Strittige Elfmeter-Entscheidung wird ewig in Erinnerung bleiben

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Der trotz Videobeweis auch genug Spielraum ließ für Legenden rund um das Schiedsrichter-Gespann. Die strittige Elfmeter-Entscheidung, die das Spiel für den FC Bayern entschieden hat, wird ewig in Erinnerung bleiben. Video-Oberwart Jochen Drees, der einstige Allgemeinmediziner aus Bingen, hat inzwischen erklärt, der Schiri habe ein Fehlurteil gefällt. Lassen wir das so stehen. Die Intensität eines Körperkontaktes gegen einen Stürmer im Vollsprint wird das menschliche Auge niemals mit absoluter Sicherheit erfassen und bewerten können. Die mangelhafte Kommunikation des Schiris mit den Überwachern im Kölner Keller ist noch mal eine andere Diskussion.

Unterm Strich hat sich das individuell unterlegene Werder-Team an der oberen Grenze seiner emotionalen und sportlichen Möglichkeiten bewegt – und trotzdem verloren. Und die Bayern haben nicht, wie Kohfeldt ausführte, unverdient das Pokalfinale erreicht. Denn der Branchenführer hatte die deutliche Mehrzahl an klaren, sauber herausgespielten Torchancen. Werder hatte nach dem Doppelschlag binnen weniger Sekunden zum 2:2 kurz das Momentum auf seiner Seite. Das war eine große Comeback-Leistung. Und dann kam der Elfmeterpfiff.

RB Leipzig gegen Bayern München in Berlin. Da treffen die beiden aktuell formstärksten deutschen Mannschaften aufeinander. Die Spielweise der beiden Kontrahenten deutet auf ein weiteres Fußball-Spektakel hin. In einer immer wieder wunderbaren Fußball-Atmosphäre im Olympiastadion.