Rehberg: Es dürfte hitzig werden im Derby zwischen 05 und...

05-Spieler Yunus Malli (rechts) im Duell mit Aleksandar Ignjovski. Foto: dpa

Die Ausgangspositionen vor dem Derby: Die Frankfurter Eintracht stemmt sich gegen eine ganz miese, extrem belastende Stimmung – die 05er sehen die Chance, sich mit einem...

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. Warum eine Mannschaft an manchen Tagen emotional glüht wie eine 2.000-Lux-Flutlichtanlage, das ist nicht immer erklärbar. Selbst in Derbys kommt es vor, dass sich ein eher lahmer, uninspirierter Kick entwickelt. An anderen Tagen sprühen bei beiden Teams die Funken. Beim Rhein-Main-Duell in der vergangenen Saison in der Coface Arena musste sich die Frankfurter Eintracht vorwerfen lassen, die Elf habe bei jener 1:3-Niederlage die feurige Derby-Einstellung komplett vermissen lassen. Der gefeierte Held war 05-Debütant Martin Schmidt, der nach der Ablösung von Kasper Hjulmand sein erstes Spiel als Bundesligatrainer als prächtigen Erfolg erlebte. Unter anderem auch gegen den Kollegen Thomas Schaaf, der zu diesem Zeitpunkt schon mehr als 500 Erstligaeinsätze auf der Uhr hatte.

Kaum Unterschiede in der individuellen Qualität

An diesem Samstag steht zu erwarten, dass es hitzig wird in der Mainzer Arena. Von der individuellen Qualität her nehmen sich die beiden Kombatanten nicht viel. Worin besteht aktuell der größte Unterschied? Da gilt es zwei Faktoren herauszuarbeiten. Erstens: Die Eintracht steht mental und emotional unter dem Druck, dass sie mit einer weiteren Niederlage womöglich noch näher an die Abstiegskampfzone heranrutscht. Zweitens: Während die 05er zurückgefunden haben zu ihrem glasklar erkennbaren Spielansatz – eine stabile, kompakt stehende Defensive verbunden mit offensiven Umschaltattacken –, werkelt der Frankfurter Armin Veh gerade an einem veränderten – seinen Vorstellungen von einem nach vorn ausgerichteten, tempogeladenen Kurzpassfestival nur noch bedingt entsprechenden – Ansatz.

Psychologisch betrachtet stellt sich die Frage: Welches der beiden Teams hat das beflügendere Motiv? Die Eintracht stemmt sich gegen eine ganz miese, extrem belastende Stimmung – die Mainzer sehen die Chance, sich mit einem Heimsieg ins gesicherte Tabellenmittelfeld abzusetzen und auf ruhige Weihnachtsfeiertage zuzusteuern. Sollte sich das Derbythema durchsetzen, sollte sich ein emotional aufgeladener Schlagabtausch entwickeln, ein typisches ausgeglichenes Kampfspiel, dann spielen diese jeweiligen Motive vielleicht gar keine große Rolle. Dann geht es einfach nur darum, wer den größeren Behauptungswillen und vielleicht auch den Tick mehr Matchglück hat.

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05er fühlen sich wieder sicher

Wird es eher ein taktisches Spiel, in dem beide Mannschaften mit Risikoabwägung arbeiten, dann könnten die 05er in ihrer Situation leichte Vorteile haben. Weil sie nicht nur vor eigenem Publikum antreten, das an wilden Tagen ein Faktor ist, sondern weil sie sich auch in ihren spielerischen und taktischen Prinzipien wieder sehr zu Hause fühlen. Während die Eintracht, die zu Saisonbeginn Offensivfeuerwerke gezündet hat, mit ihrem ungewohnten Stahlbetonwerk ein 0:0 im Waldstadion gegen den FC Bayern abgefeiert hat, dann aber zuletzt mit einem auf defensive Sicherheit und Konterüberfälle angelegten Heimkonzept gegen Bayer Leverkusen (1:3) so richtig auf die Nase gefallen ist. Da hatte Veh mit Aleksandar Ignjovski einen Defensivmalocher in die offensive Dreierreihe gestellt.

Enge Spiele werden immer wieder entschieden über individuelle Qualität im Abschluss. Die 05er stellen mit Yunus Malli und Yoshinori Muto aktuell das dritterfolgreichste Offensivduo der Liga. Beim Derbygegner hat Mittelstürmer Haris Seferovic, der Schweizer Landsmann von Martin Schmidt, seit dem vierten Spieltag nicht mehr getroffen (ein Tor beim 6:2 gegen den 1. FC Köln). Und Alex Meier, der torgefährliche Innenspannkönig, hat seinen bis heute letzten Treffer erzielt am 9. Spieltag, das war ein verwandelter Foulelfmeter beim derben 1:5 gegen Borussia Mönchengladbach. Da gibt es Vorzeichen, die für die 05er sprechen. Ob die Eintracht aber Umschaltüberfälle zulässt, das sehen wir erst, wenn der Schiedsrichter das spannungsgeladene Derby angepfiffen hat.