Rehberg: Formkurven zeigen nicht unbedingt nach oben

Niko Kovac. Foto: dpa

Borussia Dortmund muss gegen Tottenham Hotspur ran. Auf Bayern München wartet der FC Liverpool. Und Schalke 04 reist zu Manchester City. Grund genug also für AZ-Kolumnist...

Anzeige

. In der kommenden Woche geht es mit der Champions League weiter. Achtelfinale. Die Hinspiele. Drei deutsche Klubs sind noch dabei. Schauen wir auf die aktuellen Formkurven.

Borussia Dortmund schlägt bei Tottenham Hotspur auf. Lucien Favre ist krank. Am turbulenten 3:3 zu Hause gegen die TSG Hoffenheim war der BVB-Coach lediglich per Telefon beteiligt. Die Dortmunder wackeln ein wenig. Die 3:0-Führung war grandios herausgespielt. In den letzten 15 Minuten brachen die Gastgeber ein. Die Hoffenheimer hätten in dieser sich aufschaukelnden Phase sogar noch gewinnen können. Erkennbar ist: Der BVB, der jetzt drei Spiele hintereinander nicht gewonnen hat, hat an defensiver Stabilität eingebüßt. 1:1 in Frankfurt, 3:3 nach 120 Minuten im DFB-Pokal gegen Werder Bremen nach zweimaliger Führung, jetzt drei Gegentreffer binnen einer Viertelstunde nach drei groben individuellen Abwehrfehlern. Das kratzt am Selbstvertrauen des Tabellenführers. Die Spurs haben am Wochenende Leicester City mit 3:1 abgefertigt. Gegen die Dortmunder soll der lange verletzte Toptorjäger Harry Kane wieder fit sein, zumindest für einen Platz auf der Bank. Wie auch immer: Ein harter Gang für die Borussia, der nicht mehr alles wie selbstverständlich von der Hand geht.

Der FC Bayern muss beim FC Liverpool antreten. Der FC Schalke 04 erwartet Manchester City. Die beiden englischen Topklubs liefern sich gerade ein heißes Rennen um den Titel in der Premier League. Die „Reds“ haben Vorsprung eingebüßt, ManCity hat am Wochenende den FC Chelsea mit 6:0 überfallen. Die Bayern? 3:1 im Heimspiel gegen: die Schalker.

Wie die Bayern in Liverpool aussehen?

Anzeige

S04 ist gegen die Ballbesitzmaschine von Pep Guardiola der krasse Außenseiter. In München hatte der ein oder andere Schalker das Gefühl, dort wäre dem Spielverlauf nach mehr möglich gewesen. Tatsächlich hatten die Gäste Chancen für drei Tore. Aber hat Schalke die Stürmer, die aus jeder Chance, und mehr als drei waren es nicht, ein Tor machen? Nein. Bis die Bayern nach einer Stunde zwei Gänge runtergeschaltet haben in der physischen Intensität, war das extrem defensiv eingestellte, wenig aktive S04-Team hemmungslos unterlegen.

Warum der FCB nach dem Treffer zum 3:1 (57.) nicht weiter voll durchgezogen hat, um noch mehr Sicherheit und Selbstverständnis aufzubauen vor der Fahrt an die stimmungsvolle Anfield Road, das erschließt sich nicht. 45 Minuten spielerisch sehr gut, ein einziger defensiver Aussetzer vor dem 1:1, drückende Überlegenheit. Und dann zieht diese Mannschaft ab den 3:1 den Stecker raus. Schonhaltung? Kräfte sparen? In Wahrheit ist diese Form der Energiereduzierung anstrengender als in einem intensiven Tempo die Sache kontrolliert durchzuziehen und ein 4:1 oder 5:1 anzustreben. Nach leichtfertigen Ballverlusten müssen die Abwehrspieler und Mittelfeldspieler eher weitere Wege gehen, um den eigentlich harmlosen Gegner in Schach zu halten. Clever ist das nicht.

Da wäre es sinnvoller gewesen, gegen einen mittelprächtigen Bundesligagegner einen Beleg zu liefern, die Konteranfälligkeit mit Konzentration und Kompromisslosigkeit überwunden zu haben. Und wenn die Power-Elf von Jürgen Klopp in acht Tagen eine große Stärke auspacken wird, dann ist das die unerbittliche Physis gegen den Ball mit dem nahtlosen Übergang in die extrem geradlinigen Geschwindigkeits-Überfälle. Wie die Bayern in Liverpool aussehen werden gegen diesen wilden und zielstrebigen Umschaltfußball? Lassen wir uns überraschen.