Rehberg: Gemeinsame Vergangenheiten

Filip Djuricic. Foto: dpa

Das erste Heimspiel der Saison von Mainz 05 steht an. Hannover 96 wird der Gegner sein - und Reinhard Rehberg hat einmal geschaut, welche Spieler der beiden Teams eine...

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. Alles ist gesagt und geschrieben über die aktuelle Situation des FSV Mainz 05 und gerade auch vor dem ersten Saisonheimspiel. Wir Sportjournalisten sind professionelle Bedenkenträger: Wehe, es könnte etwas eintreten, wovor wir nicht zuvor eindringlich gewarnt hätten! Eine Berufskrankheit. Das geht dann gerne nach dem Motto des Komikers Bodo Bach: Ich hätte da gerne mal ein Problem … Lassen wir Kasper Hjulmand und seine dezimierte Mannschaft nun einfach mal spielen gegen die dezimierte Elf von Hannover 96. Warum strömen die Zuschauer ins Stadion? Weil niemand weiß, wie es ausgeht.

Wir kennen das auch aus unserem privaten Leben. Man kann Probleme hegen und pflegen, man kann auf Schwierigkeiten reiten bis der Hintern glüht. Und irgendwann besteht das eigentliche Problem darin, dass sich die Schwierigkeiten, an die man sich gewöhnt hat, verflüchtigen. Huch, Problem weg - was mach ich denn jetzt? Im Fußball lehrt die Erfahrung: Vermeintlich keine Probleme zu haben, heißt nicht, dass man die Spiele gewinnt - und Probleme zu haben, das heißt nicht, verlieren zu müssen. Entscheidend ist, wie man mit der aktuellen Situation umgeht. Wer sich in schwierigen Phasen zusätzlich gedanklich und emotional Grenzen setzt, nur der wird scheitern. Es geht darum, am Spieltag auf hohem Niveau das rauszuhauen, was die momentanen Möglichkeiten hergeben. Ende des Vortrags.

Ein Blick zurück

Erzählen wir vor dieser Partie eine andere Geschichte. Die handelt von zwei Offensivtalenten. Die sich bei der U19-EM 2009 in der Ukraine gegenüberstanden. In einem der Gruppenspiele traf Serbien auf Spanien. Die Spanier gingen früh in Führung. Torschütze: Jose Luis Sanmartin Mato, genannt Joselu, damals ein 19 Jahre alter Zweitligaspieler bei Celta Vigo, heute der Mittelstürmer von Hannover 96. Im offensiven Mittelfeld der Serben, die das Spiel noch mit 2:1 gewannen und die dann erst im Halbfinale am Turniersieger Ukraine scheiterten, sorgte ein erst 17 Jahre alter Edeltechniker vom Drittligisten Radnicki Obrenovac für Aufsehen: Filip Djuricic, heute der Zehner beim FSV Mainz 05.

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Weit gebracht aus den damaligen Kadern haben es ansonsten nur noch wenige. Der spanische Keeper David de Gea steht heute im Kasten von Manchester United, Mittelfeldregisseur Thiago spielt heute beim FC Bayern München. Von den Serben hat es Slobodan Medojevic zu einem Vertrag beim VfL Wolfsburg gebracht.

Filip Djuricic, der schon Ausbildungsjahre bei Roter Stern Belgrad und Olympiakos Piräus hinter sich hatte, hatte bei jenem EM-Turnier bereits einen Kontrakt beim holländischen Erstligisten SC Heerenveen in der Tasche. Der in Stuttgart geborene Joselu, der im Kindesalter mit seiner Familie nach Galicien zurückgekehrt war, stürmte noch eine Saison für Celta Vigo. Danach wechselte er zum FC Real Madrid Castillo; die zweite Mannschaft der Königlichen schoss der junge Torjäger mit 19 Treffern in die Zweite Liga. Übrigens als Nachfolger eines gewissen: Adam Szalai. Der Ungar war Anfang 2010 von Real II an Mainz 05 ausgeliehen worden.

Auf und Ab bei Joselu

Joselu machte sich Hoffnungen auf eine Karriere bei den Real-Profis. Zwei Einsätze hatte er im Starensemble. Am letzten Spieltag 2010/11, beim Kantersieg gegen Almeria. Joselu wurde in der 85. Minute für Karim Benzema eingewechselt, in der 88. Minute traf das Talent an der Seite von Sami Khedira, Mesut Özil und Cristiano Ronaldo zum 8:1. Im Pokal wurde Joselu beim Heimsieg gegen SD Ponferradina in der 78. Minute für Benzema eingewechselt, mit seinem ersten Ballkontakt traf er an der Seite von Nuri Sahin zum Endstand von 5:1. Mehr kam dann nicht mehr.

Für eine Ablöse von 6 Millionen Euro wechselte Joselu 2012/13 zur TSG Hoffenheim. Am neunten Spieltag ging es nach Mainz. Joselu versiebte in der Coface Arena zwei Riesenchancen, die 05er gewannen mit 3:0. Dreifacher Torschütze: Adam Szalai. Am Ende wurde der glücklose Joselu vom neuen Trainer Martin Gisdol in die berühmte Trainingsgruppe II versetzt. Dem folgte eine Leihsaison bei der Frankfurter Eintracht mit stattlichen neun Toren, eines davon beim 2:0-Heimsieg gegen die 05er. In diesem Sommer ist der schnelle Angreifer für 5 Millionen zu Hannover 96 gewechselt. Am ersten Spieltag schoss der 24-Jährige das Siegtor gegen Schalke 04. In Hoffenheim traf parallel dazu ein von S04 gekommener neuer Mittelstürmer: Adam Szalai.

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Und Djuricic? Der spielte vier Jahre für den SC Herrenveen, zuletzt unter Trainer Marco van Basten. 98 Erstligaeinsätze, 20 Tore. Nach einem Ausleihjahr bei Benfica Lissabon unter Trainer Jorge Jesus (11/0) ließ sich der 22-Jährige an den Bruchweg ausleihen. Nette Erlebnisse hatte der "Cruyff des Balkans" dennoch in Lissabon. Drei Einsätze in der Champions League (ein Tor gegen den RSC Anderlecht, ein Spiel gegen seinen einstigen Ausbildungsklub Olympiakos Piräus mit Trainer Huub Stevens), vier Einsätze in der Europaliga (unter anderem gegen die Tottenham Hotspurs).

Joselu oder Filip Djuricic? Wer drückt der Partie an diesem Sonntag in der Coface Arena seinen Stempel auf?

Albornoz gegen Jara

Zum Abschluss: Da gibt es noch zwei Spieler, die sich von der internationalen Bühne her kennen. Der neue Hannoveraner Linksverteidiger Miiko Albornoz und der neue 05-Abwehrspieler Gonzalao Jara standen in Brasilien gemeinsam im WM-Kader von Chile.

Albornoz, Sohn eines Chilenen und einer Finnin, ist in Stockholm geboren; Ligaspiele bestritt er für Malmö FF. Nach Einsätzen für die schwedische U19 und U21 entschied sich der 23-Jährige für eine Karriere in der chilenischen Nationalmannschaft. Ein Tor hat Albornoz bei seinen bislang zwei Einsätzen auch schon geschossen. Beim 4:0 im Januar gegen Costa Rica - das damals aber ohne 05-Linksverteidiger Junior Diaz antrat. Dieses Duell wird an diesem Sonntag in Mainz nachgeholt.