Rehberg: Heynckes-Nachfolger gesucht - Ist Niko Kovac der...

Frankfurts Trainer Niko Kovac bejubelt das Tor zum 1:3 gegen VfL Wolfsburg. Foto: dpa

Als Niko Kovac Anfang März 2016 bei der Eintracht einzog und ein paar Wochen später auf den letzten Drücker den Klassenverbleib geschafft hatte, da war er der gefeierte...

Anzeige

. Als Niko Kovac Anfang März 2016 bei der Eintracht einzog und ein paar Wochen später auf den letzten Drücker den Klassenverbleib geschafft hatte, da war er der gefeierte Retter. Als er in der Saison darauf eine Hinrunde mit starken 29 Punkten organisierte, da war in Frankfurt ein neuer Trainer-Guru geboren. Als sich die Rückrunde dann extrem holprig gestaltete, sich der Adlerklub noch mal den Rändern der Abstiegszone näherte und am Ende jenes Halbjahres magere 13 Zähler zu Buche standen, da kamen in den Medien Zweifel auf, ob der Berliner Kroate tatsächlich der führungsstarke Taktik-Experte ist.

Hätte die Eintracht nicht im Frühjahr 2017 mit einem Sieg im Elfmeterschießen in Mönchengladbach das DFB-Pokal-Finale erreicht, die Kritik am immer etwas grimmig dreinschauenden, wenig Emotionen zeigenden Kovac wäre ob des trostlosen letzten Platzes in der Rückrunden-Tabelle sicher noch viel schärfer ausgefallen.

Für eine Nacht Tabellenzweiter

In der aktuellen Saison war die Eintracht kurz nach der Winterpause mal für eine Nacht Tabellenzweiter. Und schon dichtete man Niko Kovac an, er sei der Favorit für die Nachfolge von Jupp Heynckes beim FC Bayern.

Anzeige

Alles geht so schnell im Fußball. Kovac, ein schonungsloser Realist, hat sich zu den Ausschlägen in der Beurteilung seines Könnens in der Öffentlichkeit nie geäußert. Auch die jüngsten Erfolge seines Teams hat der 46-Jährige meist nur als schöne Momentaufnahme eingestuft. Champions League? Der Eintracht-Trainer warnte vor Träumereien.

Am Sonntagnachmittag sind die Frankfurter beim 0:3 in Augsburg arg gerupft worden. Der Gegner, neben der SGE die zweite Überraschungself in dieser Spielzeit, nahm der Kovac-Elf mit giftigem Angriffspressing sowie einer Mischung aus langen Bällen in die Spitze und zügigen Umschaltüberfällen den Wind aus den Segeln. Die Eintracht, gefürchtet wegen ihrer ausgesprochen intensiven physischen Gangart – in der Zweikampfschärfe nicht selten bis an die Grenzen des Regelwerks -, traf diesmal auf einen noch laufstärkeren und noch aggressiveren Gegner. Man sei mit „einfachen Mitteln“ geschlagen worden, resümierte der ehemalige kroatische Nationaltrainer. Die Augsburger hatten exakt die Mittel der Eintracht gewählt.

Willensstarke Einheit gebaut

Was wissen wir nun von Niko Kovac? Der 46-Jährige hat in Frankfurt eine sperrige, willensstarke Einheit gebaut, die sehr gut organisiert und extrem hart verteidigt, die eine geordnete Spieleröffnung hat und die ihre Torchancen in erster Linie über tempogeladene Flügelangriffe vorbereitet. Dafür hat sich Kovac in vier Transferperioden die geeigneten Spieler zusammengesucht: kompromisslose Innenverteidiger, flotte Außenverteidiger, laufstarke und bissige Mittelfeldarbeiter, spurtstarke Flügelstürmer, einen torgefährlichen Mittelstürmerhünen – und mit dem alten Berliner Kumpel Kevin-Prince Boateng eine wild tätowierte zentrale Leitfigur, die sich vor nichts und niemandem fürchtet.

Aber ist diese Herangehensweise nun gleich übertragbar auf den FC Bayern? Sollte Kovac nicht erst mal vier, fünf, sechs Jahre in der Bundesliga nachhaltig Erfolg produzieren, bevor sich einschätzen lässt, ob er eine mit schillernden Persönlichkeiten gespickte Weltklasseauswahl zu nationalen und internationalen Titeln führen kann? Die Diskussionen werden nicht enden. So lange in München keine ultimative Trainerentscheidung gefallen ist. Am Mittwochabend empfängt die Eintracht im DFB-Pokal-Viertelfinale den regionalen Konkurrenten aus Mainz. Spannend zu beobachten, welches Standing Kovac hat, sollte er mal zwei Spiele hintereinander verlieren.