Rehberg: Ingolstädter Volldampffußball zum Rückrundenstart

Ingolstadts Trainer Ralph Hasenhüttl. Archivfoto: dpa

Die Winter-Vorbereitung ist zu Ende, der Start in die Rückrunde steht bevor: Der FSV Mainz 05 muss sich am kommenden Samstag beim FC Ingolstadt beweisen. Reinhard Rehberg hat...

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. Die 05er waren zur Gemeinschafts- und Mentalitätsauffrischung zwei Tage in den Walliser Bergen, haben auf 1.600 Metern Höhe bei Eiseskälte in Zelten übernachtet, am nächsten Morgen ist der Kader mit dem Postbus zum Züricher Flughafen gefahren und ab ging die Reise zu einem sechstätigen Aufenthalt in der 18 bis 22 Grad warmen Sonne Andalusiens. Kein Spieler wurde krank, kein Spieler hat sich ernsthaft verletzt. Der Rückrundenstart ereignet sich am kommenden Samstag beim FC Ingolstadt.

Der Gegner hat seine Winter-Vorbereitung zu Hause abgeleistet. Bei Schmuddelwetter, zuletzt bei Minustemperaturen. Auch Trainer Ralph Hasenhüttl baute eine Teambildungsmaßnahme ein: Eishockey. Die Folge: Der am ersten Spieltag beim überraschenden 1:0-Sieg in Mainz überragende TOBIAS LEVELS (29) zog sich auf dem Eis eine Sprunggelenksverletzung zu, der routinierte Rechtsverteidiger fällt am Samstag aus. Der Ersatzmann ist der 22 Jahre alte Danny da Costa, ausgebildet in der Nachwuchsabteilung von Bayer Leverkusen.

Eine unbequeme Mannschaft

Zur Testspielserie der Ingolstädter: 1:1 gegen den Drittligisten VfR Aalen, 6:1 gegen den Drittligisten SG Sonnenhof Großaspach, 1:0 gegen den Zweitligisten Karlsruher SC, 0:0 bei der Generalprobe gegen den Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern. An der Spielweise hat Hasenhüttl nicht viel geändert: 4-3-3, aggressives Angriffs- und Mittelfeldpressing, schnelle Konterzüge. Gegen den FCK hatten die Ingolstädter bei böigem Wind auch eine gute Spielkontrolle über eigenen Ballbesitz. Ableiten sollte man davon nur: Der Aufsteiger bleibt mit seinem laufintensiven, kämpferischen und unrhythmischen Stil eine unbequeme Mannschaft.

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Einen neuen Angreifer hat sich Hasenhüttl besorgt in der Winterpause. Dario Lezcano, 25 Jahre alt, geboren und aufgewachsen in Ascuncion (Paraguay), mit 17 schon ausgezogen in die Schweiz. FC Will, dann der FC Thun (wo Martin Schmidt ja Nachwuchstrainer war, als er von Thomas Tuchel entdeckt wurde). Dann ging es weiter zum FC Luzern, dort hat der bewegliche Stürmer in 100 Erstligaspielen 31 Tore erzielt. Übrigens mit Vorlagen gefüttert vom Ex-05er Yahmir Hyka. Und angeleitet wurde der Paraguayner von Markus Babbel sowie dessen Co-Trainer Roland Vrabec, einst Nachwuchstrainer am Bruchweg, Scout für Thomas Tuchel und U23-Assistent von Martin Schmidt.

Lange Zeit galt Lezcano als nicht sonderlich diszipliniert, er spülte etwa literweise Cola die Kehle runter. Im September, nach neun Toren in den ersten acht Saisonspielen der Luzerner, schubste er wütend einen Schiedsrichter zu Boden im Heimspiel gegen die Grashoppers. Das ergab eine saftige 8-Spiele-Sperre. Dennoch feierte er im Oktober sein Nationalmannschaftsdebüt in der WM-Quali gegen Argentinien. Mitte November schoss er für Paraguay in der WM-Quali sein erstes Tor beim 2:1 gegen Bolivien. Dass Dario Leczano schon gegen die 05er in der Startelf steht, das ist eher unwahrscheinlich. Der 2,5 Millionen Euro teure Südamerikaner hat im neuen Trikot bislang nur 30 Minuten Spielzeit gegen den FCK auf der Festplatte. Das ist zu wenig, um schon alle Abläufe im Programm zu haben.

Neue Spieler - oder doch die bewährte Startelf?

In den Vordergrund gespielt hat sich der 19 Jahre alte Maurice Multhaup. Der Mittelfeldspieler, der mit dem FC Schalke 04 mal Deutscher Meister war mit der A-Jugend, hat sich am linken Flügel gezeigt. Und auch der im Sommer vom FC Paderborn gekommene Mittelstürmer Elias Kachunga soll sich verbessert haben. Aber diese Nachrichten gibt es immer nach einer Vorbereitung. Im Ernstfall besinnen sich die Trainer in einer Neustartphase meistens doch wieder auf die in der Hinrunde bewährte Startelf.

Der FC Ingolstadt hat 20 Punkte, das ergibt die Chance, mit einem Heimsieg nahe an die Mainzer heranzurücken. An der Motivation wird es nicht mangeln. Hasenhüttl hat eher das Problem, dass seine Mannschaft zu Hause oft die Hütte nicht getroffen hat. Nur sechs Tore in acht Auftritten vor heimischen Publikum, das ist extrem dünn. Ob das am aufwendigen Spielstil liegt, das gibt auch dem Trainer Rätsel auf. Hasenhüttl will zumindest ökonomischere Phasen einbauen in seine Ganzfeldpressinghatz. Aber diese Details dürften gegen die 05er noch keine große Rolle spielen, das muss wachsen. Auch über Erfolge. Martin Schmidt wird sich auf einen Ingolstädter Volldampffußball einstellen.