Rehberg: Mainzer Rückrunde, Frankfurter Abgang

Die Sommertransferperiode ist rum. Christian Heidel hat finanziell einen überragenden Job gemacht. Sportlich sieht es auch nicht schlecht aus für die 05er. Archivfoto: Sascha Kopp

Mainz 05 schnuppert an den Europa League-Plätzen, strahlt Selbstvertrauen aus, steht hinter den Bayern gleichauf mit Dortmund und Schalke an der Spitze der Rückrundentabelle....

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. Die Europapokalchancen wollen wir hier nicht diskutieren. Auch nicht rund um Fastnacht. Weil niemand weiß, ob der FSV Mainz 05 in einem nach wie vor sehr engen Kampf um die internationalen Plätze in der Bundesliga den aktuellen Ergebnislauf aufrechterhalten kann. Auch in der Erfolgssaison 2010/11, als die Mannschaft von Thomas Tuchel mit gigantischen 58 Punkten auf Rang fünf einkam und sich die Europapokalberechtigung erspielte, gab es Dellen in der Rückrunde. Auch damals hatten die 05er nach 23 Spieltagen 37 Zähler auf dem Konto. Doch zwischen dem 26. und 31. Spieltag wollte sich nur noch ein Sieg einstellen; das war ein 1:0-Heimsieg gegen Borussia Mönchengladbach mit dem Siegtor durch André Schürrle in der 87. Minute. Also, diese Phasen gibt es immer wieder.

Gleichauf mit Dortmund in der Rückrundentabelle

Dass die Mainzer in diesem Moment Selbstvertrauen ausstrahlen, Glaube an das Projekt, Leistungsstabilität, kollektive Energie, das steht außer Frage. Seit dem zwölften Spieltag haben die 05-Profis lediglich zwei Spiele verloren (1:3 gegen Borussia Dortmund, 0:3 in Wolfsburg). In der Rückrundentabelle steht das Team mit 13 Punkten hinter dem übermächtigen FC Bayern (18) auf einer Höhe mit dem Zweiten. Das ist der bevorstehende Champions-League-Viertelfinalist Borussia Dortmund. Nur noch ein paar Vergleichszahlen: Binnen der bislang sechs Rückrundenspieltage haben die 05er vier Punkte mehr eingefahren als der VfL Wolfsburg, sechs mehr als Hannover 96, sieben mehr als Bayer Leverkusen, zehn mehr als Borussia Mönchengladbach, 13 mehr als der VfB Stuttgart. Erdrutschartige Verschiebungen.

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Für die Marketingabteilung mag das ärgerlich sein, für die sportliche Führung ist das ein Vorteil: Heiß diskutiert wird der Mainzer Vormarsch bundesweit (noch) nicht. Schaut man auf die Berichterstattung über den 1:0-Erfolg in Leverkusen, dann lag da der Fokus eindeutig auf der "Bayer-Krise", Sami Hyypiäs Elf war angeblich nur schlecht. Die Mainzer Qualität wurde kaum gewürdigt. Lediglich der frühere Manager Dieter Hoeneß wies in der Sonntagabendiskussionsrunde bei Sky mal darauf hin, dass es schon verwunderlich sei, dass Mainz gerade eine der wenigen Bundesligateams mit konstanten Leistungen sei und dass in Stuttgart gejammert werde, dass der Profietat auf 40 Millionen Euro habe heruntergeschraubt werden müssen. "Ja, was soll denn da ein Christian Heidel sagen?", lautete die rhetorische Frage von Hoeneß. Dem 05-Manager stehen 13, 14 Millionen weniger zur Verfügung, aber diese Mannschaft steckt nicht im Abstiegskampf, sondern schnuppert an der Europaliga. Der Sky-Moderator nahm den Hinweis überhaupt nicht auf.

Armin Vehs Mär von der "kleinen Eintracht"

Armin Veh verstieg sich dieser Tage zu der Behauptung, sogar Mainz 05 habe mehr Geld für das kickende Personal im Topf als "die kleine Eintracht". Eine mutige Behauptung. Damit wollte der Frankfurter Trainer wohl schon mal andeuten, was er nun am Rosenmontag verkündet hat: Abgang aus der Main-Metropole zum Saisonende wegen fehlender sportlicher Perspektive. "Mehr geht hier nicht, und das sind dann nicht meine Ziele."

Hart, direkt, sehr ehrlich, kompromisslos. Die Eintracht gibt offiziell einen Personaletat von 31 Millionen an. Die Mainzer sprachen vor dieser Saison von 25 bis 26 Millionen. Selbst wenn der teure Winterzugang Ja-Cheol Koo das Ausgabenbudget noch etwas angehoben haben sollte, dann fehlen im Vergleich zu den Frankfurtern immer noch drei, vier Millionen. Also, mit diesem Argument ist die Platzierung der Eintracht (12. mit 25 Zählern) nicht zu begründen. Mit der nationalen / internationalen Doppelbelastung ja, aber nicht mit dem Budget.

Veh hat am Main viel geleistet

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Vehs Zukunftsplanung ist zu akzeptieren. Der 53-Jährige hat am Main viel geleistet, viel angeschoben. Bundesligaaufstieg, Europapokaleinzug, überzeugende internationale Auftritte, wahrscheinlicher Klassenverbleib. Dennoch wirkt seine Ausstiegsbegründung etwas aufgesetzt. Oder sagen wir es so: ausgesprochen selbstbewusst. Denn da steht kein Mann mit einer mit Titeln garnierten Bilderbuchkarriere. Deutscher Meister und DFB-Pokalfinalist 2007 mit dem VfB Stuttgart, das war ein überragender Erfolg. Und sonst? Abgedankt bei Hansa Rostock, entlassen beim FC Augsburg (Regionalliga), gescheitert beim VfL Wolfsburg, gescheitert beim Hamburger SV. Die beiden Letzteren waren Klubs mit riesigen Budgets. Da dürfte es für die Marketingstrategen der Eintracht und auch für den auf Konstanz bedachten Vorstandsboss Heribert Bruchhagen nicht schön sein, zu hören, dass ihr Klub einem Armin Veh keine ausreichende Perspektive bieten kann.

Vier, fünf Spitzengehälter jenseit der zwei Millionen Euro

Die Eintracht kann vier, fünf Spitzenjahresgehälter jenseits der zwei Millionen Euro bezahlen. Das Problem besteht darin, dass diese Spieler nicht wesentlich besser sind als die geringer bezahlten Topleute in Mainz. Ein Alexander Madlung ist sicher nicht stärker als Nikolce Noveski oder Stefan Bell, ein Sebastian Jung ist nicht stärker als Zdenek Pospech, ein Pirmin Schwegler ist nicht stärker als Johannes Geis, ein Johannes Flum ist nicht stärker als Christoph Moritz, der nicht eben preiswerte Wintereinkauf Vaclav Kadlec oder Stürmer Joselu sind nicht stärker als Ja-Cheol Koo oder Shinji Okazaki. Nur am Geld liegt es in dieser mittleren Kategorie nicht. Dass die 05er ihre Wirtschaftskraft durch den Bau der Coface-Arena und durch eine konstant kluge Transferpolitik erheblich gesteigert haben, steht außer Frage. Der sportliche Erfolg hat aber auch viel zu tun mit Trainerqualität.