Rehberg: Messi macht den Unterschied

Der Star des Abends und sein Bewunderer: Barca-Stürmer Lionel Messi (vorne) und Liverpool-Trainer Jürgen Klopp. Foto: dpa

Im Champions League-Halbfinale trafen mit Barcelona und Liverpool zwei der weltbesten Mannschaften aufeinander - beide in Weltklasse-Form. Den Unterschied machte Lionel Messi....

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. Jürgen Klopp hat nach der faszinierenden Champions-League-Gala zwischen dem FC Barcelona und dem FC Liverpool fast nur von Lionel Messi geschwärmt. Der Coach der „Reds“ outete sich als Fan des kleinen Argentiniers, der beim 3:0 von Barca zwei Tore geschossen hatte. Wir reden vom CL-Halbfinale. Zwei der besten Mannschaften auf diesem Erdball liefern sich ein begeisterndes Duell auf höchstem Niveau. Und nach dem Abpfiff gibt es nur ein Thema: Messi – der beste Fußballer auf diesem Erdball.

Man muss sich das vorstellen: Messi spielt gerade seine 15. CL-Saison, im Juni wird er 32 Jahre alt – und man hat das Gefühl, der Kerl hat noch lange nicht genug von seiner Leidenschaft. Als Barca dem auf Eigeninitiative aus dem argentinischen Rosario angereisten Vater von Lionel den ersten Vertrag vorgelegt hat, da war der Filius 13 Jahre alt. Nach einer einzigen Trainingseinheit folgte die Einigung, hastig unterschrieben auf einer Serviette: 600 Euro im Monat plus Übernahme der teuren Therapiekosten – der damals nur 1,40 Meter große Junge litt an einer Wachstumsstörung. Gegen die Liverpooler schoss der heute 1,69 Meter kleine Knirps, der pro Jahr 70 Millionen Euro verdienen soll, sein 600. Pflichtspieltor im Barca-Trikot.

Messi hat am Mittwochabend nicht das beste Spiel seiner Karriere gemacht. Der Stürmerstar hat sich Pausen gestattet, wenn der Gegner den Ball hatte. Aber er ist immer wachsam geblieben. Spielfreudig, kämpferisch, ehrgeizig, hungrig, wenn die eigene Mannschaft die Kugel nach vorne trieb. Er stürzte sich in Dribblings gegen drei, vier, fünf Gegenspieler. Der Lohn waren am Ende ein Abstaubertor zum 2:0 und ein hymnischer Freistoßtreffer zum 3:0, künstlerisch gestaltet mit dem Innenspann aus 30 Metern Entfernung.

Das war der Unterschied zwischen zwei Mannschaften in Weltklasseform: Die Katalanen hatten Messi. Die Liverpooler Topstürmer Sadio Mané und Mohammed Salah waren präsent, schnell, technisch überragend, dribbelstark – aber an diesem Abend brachten die beiden Torjäger die Kugel nicht über die Linie. Mané ließ in einigen Szenen Barca-Abwehrchef Pique aussehen wie einen überspielten Routinier im Spätherbst seiner Karriere. Salah ließ in einer Szene einen 40-Meter-Diagonalball im Lauf tot auf den Fuß tropfen, Dribbling nach innen, gezielter Flachschuss aufs lange Eck – gescheitert an einer glänzenden Parade von Barca-Keeper Marc-André Ter Stegen. Lionel Messi markierte zwei Tore.

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Der FC Liverpool hat nun ein Problem. Der Klopp-Elf ist zuzutrauen, dass sie mit ihrer Pressing- und Umschaltwucht im Rückspiel drei Tore schießt. Aber Barca und Messi auf null zu halten, das braucht einen ganz besonderen Tag. Barca hat auch im Hinspiel Liverpooler Druckphasen aushalten müssen, das hat dem Team nicht viel ausgemacht. Barca ist immer ruhig geblieben, in dem Wissen, unser nächster Ballbesitz kann uns schon wieder gefährlich werden lassen. Aus dem Stand urplötzlich beschleunigen, mit drei, vier gestochen scharfen Direktpässen einen Stürmer im gegnerischen Strafraum frei vor den Torhüter schicken, das ist über 90 Minuten extrem schwer zu verteidigen. Und wenn Lionel Messi am Ende des Pass-Feuerwerks steht, dann erst recht.

Die Tür zum Finale steht für Barca weit offen. Auch für Ajax Amsterdam nach dem 1:0 bei Tottenham. Ajax ist die Überraschungsmannschaft. Physische Intensität gepaart mit taktischer Disziplin, Willen, Überzeugung und der puren Spiellust. Die Holländer haben mit überschaubaren finanziellen Mitteln einen überragenden Weg beschritten. Großartig. Die Erfahrung lehrt aber: Entschieden ist in beiden Begegnungen noch nichts.