Rehberg: Mit Ergebnis kann Mainz 05 leben, mit Leistung nicht

05-Trainer Kasper Hjulmand (rechts) jubelt nach dem Abpfiff zusammen mit Stefan Bell. Foto: dpa

1:0 gegen Asteras Tripolis. Glück gehabt. Das Rückspiel auf der Peleponnes kann eine ungemütliche Angelegenheit werden. In dieser Phase der Saisonvorbereitung fehlt...

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. Ja, was war das denn nun für ein Spiel? Die Journalisten in den Katakomben der Coface Arena diskutierten kontrovers. Einigkeit bestand darüber, dass der Vortrag des FSV Mainz 05 geprägt war von einer beeindruckenden Unfertigkeit. Uneinigkeit herrschte ob der möglichen Gründe für die physische und spielerische Schlichtheit in den Aktionen der Mannschaft von Kasper Hjulmand, der sein Wettkampfdebüt als neuer 05-Trainer auf europäischer Bühne feiern durfte, oder sollte man besser sagen: feiern musste? 1:0 gegen Asteras Tripolis. Glück gehabt. Das Rückspiel auf der Peleponnes kann eine ungemütliche Angelegenheit werden.

Das ist zweifellos eine schwierige, vielleicht sogar ausgesprochen undankbare Aufgabe. Der Vorgängertrainer hat dem Klub zum Höhepunkt seiner fünfjährigen Schaffenszeit die Europaliga beschert. Der Nachfolger muss mit all seinen neuen Ideen im Kopf nach nur viereinhalb Wochen gemeinsamen Tuns, ziemlich genau in der Mitte der schlauchenden Vorbereitung auf die Bundesligasaison 2014/15, die ersten beiden Qualifikationsspiele bestreiten.

Team steckt in der Aufbauphase

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Mag sein, dass dann 90 Minuten Europapokal zwangsläufig so aussehen wie am Donnerstagabend gegen diese nicht fürchterlich bedrohlich wirkenden Griechen - die dennoch dicht vor einem deutlich besseren Ergebnis standen. Der sehr programmatisch arbeitende Hjulmand steckt mit seinem Team in einer Aufbauphase, auf welche Zielqualität dieses Projekt hinsteuert, darüber könnte in diesem Moment selbst eine Rasterfahndung keine belastbaren Erkenntnisse liefern.

Legt man als Bewertungsgrundlage die 05-typischen Basiselemente an, dann muss man festhalten: Da fehlt noch viel von dem, was sich dieser Klub vor einigen Jahren als Erkennungsmerkmal, als DNA, auf die Fahnen geschrieben hat. Sicherheit in den taktischen Abläufen, Physis, Tempo, Dynamik, aggressive Nachvorneverteidigung, Balleroberungsjagd über Pressing und Gegenpressing, schnelle Umschaltüberfälle. Innerhalb dieses Grundrasters hat ein jeder Mainzer Trainer spielerisch und taktisch eine große Gestaltungsfreiheit. Hjulmand liebt das ebenso komplexe wie flexible Spiel mit einem Akzent auf der Kontrolle über Ballbesitz. Das braucht Zeit. Mit dem ersten Ergebnis kann die Mannschaft leben, mit der Leistung nicht. Trocken formuliert: Der Hjulmand-Ansatz war erkennbar, das 05-Grundgesetzbuch (noch) nicht.

Aufbauspiel hatte kein Tempo

Das Mainzer Aufbauspiel hatte Struktur, aber überhaupt kein Tempo. Zu oft liefen Nikolce Noveski und Stefan Bell mit dem Ball am Fuß über zehn, fünfzehn Meter auf den Defensivblock der Griechen auf, statt mit schneller Passzirkulation bespielbare Räume zu schaffen. Wählten die Aufbauspieler den langen Ball Richtung Strafraumlinie, dann waren die Abstände zwischen Angriff und Mittelfeld viel zu groß, als dass eine Jagd um die zweiten Bälle hätte beginnen können. An den Seitenlinien fehlten die intensiven Läufe, die Sprints in die Tiefe, die Tempodribblings. Gegen den Ball mangelte es an Druck, an Zweikampfschärfe, zuweilen auch an rückwärtiger Absicherung, zu oft öffneten sich die Griechen mit einem einzigen langen Pass eine Konterbahn. All das wurde nach einer Stunde etwas besser, als Hjulmand umstellte auf eine Dreierabwehrreihe, das Mittelfeld wurde etwas kompakter, mit dem eingewechselten Daniel Brosinski kam etwas mehr Geschwindigkeit auf den rechten Flügel. Ansätze, mehr (noch) nicht.

Christoph Moritz rückte zuvor als rechter Flügelmann meist nach innen, Ja-Cheol Koo fühlte sich an der linken Seitenplanke nicht wohl. Hjulmand wird zügig Ersatz benötigen für den Tempobolzer Nicolai Müller, er wird zügig Neuzugang Filip Djuricic die 05-Abläufe beibringen müssen. Offensivqualität hat von jeher viel zu tun mit individueller Qualität. Die spielerischen und taktischen Defizite lassen sich über Trainingsarbeit regeln.