Rehberg: Nicht auch für Mallis VfL den Aufbaugegner geben

05-Trainer Martin Schmidt mit Bojan Krkic. Foto: dpa

Der VfL Wolfsburg gastiert bei Mainz 05. Mit neuem Trainer. Und mit dem Ex-05er Yunus Malli. An welchen Schrauben 05-Trainer Martin Schmidt drehen sollte, fasst unser Experte...

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. Motivation braucht ein Motiv. Welches Motiv im Fußball die stärkste Wirkung erzielt, darüber streiten sich die Gelehrten. Geld, Tabellenplatz, Punkteziele, Rekordmarken auf dem Messdatenblatt, ein neuer taktischer Ansatz, der Außenseiterstatus, ein ehemaliger Teamkamerad in den Reihen des Gegners, ein Heimspiel, eine spezielle sportliche Situation, Vertrauen in das grundsätzliche Potenzial der eigenen Mannschaft...? Wenn die Motivationsmeister das immer so genau wüssten, was an diesem Wettkampftag gerade so zieht bei den Profis auf der Suche nach den letzten drei bis fünf Prozent an innerer Wallung...

Der VfL hat zwei Top-Motive

Menschen sind unterschiedlich, das kommt erschwerend hinzu. Nicht alle Spieler reagieren gleich auf ein bestimmtes Thema, nicht alle Spieler reagieren gleich auf einen extrem feurig oder extrem sachlich gehaltenen Trainervortrag. Und es ist auch schon vorgekommen, dass eine Mannschaft kollektiv ein ungutes Gefühl hat, der Trainer daran nichts ändern kann – und dann kommt es zur Leistungsexplosion, weil die ersten paar Spielminuten überragend gut funktionieren und direkt verstärkende Emotionen produzieren. Spieler haben das aber auch schon umgekehrt erlebt.

Die 05er bekommen es an diesem Samstag in der Opel Arena mit dem VfL Wolfsburg zu tun. Der Gegner hat zwei Topmotive: Abstiegskampf - und auf der Bank sitzt ein neuer Trainer. Und an welchen Schrauben wird Martin Schmidt drehen?

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Beim Gegner spielt Yunus Malli. Der Techniker ist im Winter von Mainz nach Wolfsburg gewechselt. In den Mainzer Büchern steht der Zehner als der erfolgreichste Bundesliga-Torschütze in der Geschichte des Klubs - und er ist nach wie vor auch der 05-Topscorer in dieser Saison. Malli ist gegangen als ein hervorragender Fußballer, als ein einwandfreier Charakter, als ein kluger Kopf, als ein beliebter Teamspieler, als ein unaufgeregter und uneitler Profi. Wenn es etwas zu bemängeln gab, dann war es sein Phlegma. Aber Menschen sind wie sie sind. Das gilt auch für Fußballer. Malli bei seinem ersten Auftritt gegen die ehemaligen Kollegen nicht zur Geltung kommen zu lassen, das kann ein Motiv sein.

30-Punkte-Marke knacken

Wichtiger für den weiteren Verlauf der Rückrunde ist die Tabellenkonstellation. Den 05ern bietet sich die Chance, mit einem Heimsieg gegen die VW-Elf die 30-Punkte-Marke zu knacken. Danach stehen immer noch elf Spiele auf dem Programm. 33 Zähler. Das ist viel Holz. Und mit dem guten Gefühl, dem Abstiegskampf mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit entronnen zu sein mit 31 Punkten auf dem Konto, ließe sich künftig befreit aufspielen. Das stärkste Motiv für die 05-Profis sollte aber sein: Es dreht sich um ein Heimspiel – und diese 25.000 bis 30.000 Anhänger in der Arena haben ein Recht darauf, unterhalten zu werden. Da muss nicht Kunst und Wunder geboten werden. Aber Kampf, Wucht, Dynamik und Tempo. Das ist grundsätzlich der Auftrag.

Beim Gegner wird der Debütant Andries Jonker dafür sorgen, dass seine qualitativ gut besetzte, aber von Abstiegssorgen geplagte Mannschaft emotional angefixt auftritt. Läuferisch und in der Zweikampfaggressivität sollten die 05er demnach nichts liegen lassen. Werder Bremen durfte sich zuletzt in Mainz aufbauen. Da hatten es die 05er schleifen lassen in der Intensität ihres Spiels. Das war ein Weckruf. Beim 2:0 in Leverkusen sah das wieder wilder aus. Das ist der Weg.

Einen adäquaten Ersatz für Malli hat Martin Schmidt noch nicht gefunden. Winterzugang Bojan Krkic und Yoshinori Muto kämpfen um den Startelfplatz im Zehnerraum. Beide sind vom Profil her eher eine hängende Spitze. Bojan ist der glänzende Techniker, ein Freigeist, der auf engen Räumen mit kurzen Drehungen und direktem Spiel Wirkung erzielen kann. Muto ist der - auch gegen den Ball - taktisch diszipliniertere, laufstärkere, physisch präsentere Rumtreiber, der den direkten Weg zum Tor sucht. Zum Mainzer Umschaltspiel passt der Japaner besser. Dass der Holländer Jonker, der als Co-Trainer beim FC Barcelona und beim FC Bayern dem Ballbesitzfanatiker Louis van Gaal gedient hat, den Mainzern komplett die Spielmacherrolle überlässt, das ist nicht zu erwarten. Die 05er werden ihre Kontermöglichkeiten bekommen. Das spricht für Muto. Wenn ab der 70. Minute die Räume aufgehen, dann könnte Bojan als ballsicherer Anspielpunkt eine gute Einwechseloption sein. Und das gilt auch für den schnellen Winterzugang Robin Quaison.