Rehberg: Rentenverweigerer übertrumpft Jokerkönig

Dortmunds Pablo Alcacer nach dem verschossenen Elfmeter gegen Werder Bremen. Foto: dpa

Das Pokalduell Borussia Dortmund gegen Werder Bremen war auch das Duell von Altstar Pizarro und Topjoker Alcacer. Und der 40-Jährige zeigte dem 15 Jahre jüngeren, wie es geht....

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. Die schönsten Geschichten liefert immer wieder der DFB-Pokal. Borussia Dortmund, der unangefochtene Bundesliga-Spitzenreiter, ist im eigenen Stadion gescheitert an Werder Bremen. Natürlich kann das passieren. Der Ablauf war hoch dramatisch. Und das war die Story von zwei Torjägern, die aus unterschiedlichen Generationen kommen. Auf der einen Seite Paco Alcacer, der Ende August 26 Jahre alt wird. Auf der anderen Seite Claudio Pizarro, der im Oktober seinen 41. Geburtstag feiert.

Alcacer hat in seiner kurzen Zeit, in der er nach seinem Wechsel von der Bank des FC Barcelona auf die Bank des BVB, Rekorde aufgestellt. Acht Tore hintereinander als Einwechselspieler, damit ist er in dieser Kategorie der Jokerkönig der Bundesliga. Neun Tore hintereinander mit nur 237 Minuten Spielzeit, damit hat der Spanier den uralten Rekord des Hamburgers Charly Dörfel ausgelöscht (neun Tore hintereinander mit 565 Minuten Einsatzzeit). Doch an diesem Pokal-Abend in Dortmund stand Alcacer in der Startelf. Da wollte dem Mann, den der BVB für eine Gebühr von zwei Millionen Euro für eine Saison ausgeliehen hat und den der BVB im Sommer für 23 Millionen Euro Ablöse fest übernehmen wird, wieder mal nahezu nichts gelingen. Der Unterschied zwischen seinen Leistungen als Joker und als Startelfspieler ist ein Phänomen.

Fußballpoesie vom Altmeister

In der Verlängerung wechselte Werder-Coach Florian Kohfeldt seinen Altmeister ein. Pizarro stand gerade ein paar Minuten auf dem Feld, da hatte Alcacer seine einzige nennenswerte gute Aktion: Doppelpass-Vorlage zum Dortmunder 2:1 durch Christian Pulisic. Und dann schlug Pizarro zu. Was für ein wunderbares Ausgleichstor. Fußballpoesie. Der Peruaner legte sich am Fünfereck im Sprung vor dem herausstürzenden Torhüter mit brillanter Technik den Flugball selbst vor, den er dann butterweich aus spitzem Winkel am jungen Philipp Oelschlägel vorbei ins Netz mogelte. Der Tricktreffer eines 40-Jährigen, der in Lima schon Erstligatore geschossen hat, als Alcacer in seinem spanischen Heimatstädtchen Torrent im Kindergarten mit den Füßen noch Kakaotüten hinterhergejagt ist.

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Und dann wollte es das Drehbuch, dass die beiden Mittelstürmer im Elfmeterschießen jeweils der Starter waren für ihre Mannschaft. Pablo Alcacer versagten die Nerven, er scheiterte an Werder-Keeper Jiri Pavlenka. Claudio Pizarro, der in seinem Alter an Fußballabenden eigentlich längst zu Hause gemütlich auf der Couch liegen sollte mit einem Bier in der einen und mit einer Chipstüte in der anderen Hand, brachte Werder seelenruhig mit 1:0 in Führung. Am Ende bejubelten die Bremer den Einzug ins Viertelfinale. Viele Experten haben Werder dafür belächelt, den Altstar zum vierten Mal unter Vertrag genommen zu haben. Allein für diesen Abend hat sich das Millionengehalt für den Rentenverweigerer schon gelohnt.

Sechsmal hat Pizarro den DFB-Pokal gewonnen (fünfmal mit dem FC Bayern, einmal mit Werder), zwei weitere mal stand er im Pokalfinale. In seinen insgesamt 56 Pokaleinsätzen hat er 32 Tore geschossen. Er ist der ausländische Profi mit den meisten Bundesligaeinsätzen. Er ist der ausländische Profi mit den meisten Bundesligatoren (vor Giovane Elber). Er ist der einzige aktive Bundesligaprofi mit über 400 Bundesligaeinsätzen. Und wenn der Peruaner demnächst noch mal ein Bundesligator erzielt, dann hat er auch den früheren Bremer Kollegen Mirko Votava abgelöst als bis dahin ältester Bundesliga-Torschütze.

Karriereende...? Denkste!

Als der ewig gut gelaunte, ausgesprochen professionell denkende und lebende Pizarro in der Vorsaison mit dem 1. FC Köln sang- und klanglos aus der Bundesliga abgestiegen ist, da dachte man: Das ist endgültig das Karriereende. Das dachte man aber auch schon, als der Stürmer 2015 im Alter von 37 zwei Monate lang arbeitslos war, sich mit Läufen durch bayrische Wälder fit hielt – und dann, damals zum dritten Mal, von Werder Bremen aufgegriffen wurde und einen Senioren-Arbeitsplatz zugeteilt bekam. Jetzt ist es nicht ausgeschlossen, dass der Altmeister in seinem vierten Engagement an der Weser sein neuntes DFB-Pokalfinale erreicht.

Da muss man doch ein wenig lächeln, wenn man immer wieder hört, Pizarros ehemalige Bayern-Kollegen, mit denen er 2013 die Champions-League gewonnen hat, seien zu alt. Nur zwei Beispiele: Jerome Boateng feiert im Oktober seinen 31. Geburtstag, Thomas Müller in selbigem Monat seinen 30. Geburtstag. Geht es nach Pizarro, dann haben die beiden Bayernprofis noch zehn Berufsjahre vor sich.