Rehberg: Schwache Offensive im Kampfspiel gegen Ingolstadt

Pascal Groß von Ingolstadt (l) und Julian Baumgartlinger von Mainz kämpfen um den Ball. Foto:dpa

Mainz 05 startet mit einer Niederlage in die Rückrunde: 0:1 gegen den FC Ingolstadt. Wie konnte das passieren? Reinhard Rehberg hat die Partie in seinem Blog analysiert und ...

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. Englische Klubs sind bereit, für Yoshinori Muto 20, 25 Millionen Euro auf den Tisch zu legen bis zum 1. Februar. Da sind die 12 bis 14 Millionen, die Borussia Dortmund überweisen müsste für einen Winterzugang Yunus Malli, fast schon Taschengeld. Die Branche spinnt. Und das ist erst der Anfang. Wenn uns Normalmenschen Angebote aufs Handy gejagt werden, wonach wir mit einer netten Nebentätigkeit von der Wohnzimmercouch aus lässig 2.500 Euro im Monat dazuverdienen könnten, dann löschen wir das gelangweilt. Christian Heidel könnte in der kommenden Woche mal so eben 30 bis 35 Millionen generieren für seinen Klub. Ein Wahnsinn.

Aber der 05-Manager wird sich damit schwer tun nach der 0:1-Niederlage seiner Mannschaft beim FC Ingolstadt. Die Offensivleistung der Elf von Martin Schmidt geriet zum Rückrundenstart derart schwach, dass ein personeller Aderlass, immerhin handelt es sich bei den angesprochenen Profis um die beiden Torjäger, ein kaum zu kalkulierendes Risiko darstellt.

Teilen wir die Analyse des ernüchternden Verlaufs der 90 Minuten beim spielerisch dürftigen, aber wie entfesselt rennenden und grätschenden Aufsteigers in drei Teile auf:

1. Die 05er haben dieses klassische 0:0-Spiel verloren, weil Schiedsrichter Florian Meyer aus Burgdorf einen Handelfmeter gepfiffen hat, der sich mit dem Regelwerk nicht begründen lässt. Der pfälzische Sky-Fachmann Markus Merk stellte am Bildschirm trocken fest: „Kein Elfmeter. Diese Entscheidung möchte ich in dieser Situation nicht sehen.“ Stefan Bell wurde im eigenen Strafraum aus einer Entfernung von drei Metern vom Ingolstädter Pascal Groß abgeschossen. Die Kugel wurde vom 05-Kollegen Danny Latza noch leicht abgefälscht, Bell drehte sich im Sprung weg, er zog die Arme instinktiv schützend vor seinen Körper, der 05-Innenverteidiger wurde getroffen. Keine Vergrößerung der Körperfläche, keine Absicht. Das Endergebnis ist herbeigeführt worden durch eine Fehlentscheidung. Der Gegner argumentiert, das sei ausgleichende Gerechtigkeit gewesen für ein vorheriges strafwürdiges Handspiel von Gaetan Bussmann. Stimmt auch nicht, denn der zweite 05-Innenverteidiger war bei seinem offensichtlichen Vergehen vom Gegenspieler Benjamin Hübner mit Armen und Händen von der Seite bedrängt und geschubst worden – da handelte es sich um ein Offensivfoul.

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2. Die 05er haben nie so richtig in die Partie gefunden, weil der Gegner an einem Fußballspiel gar nicht interessiert war. Die Ingolstädter hatten an Abschlussszenen einen Lattenschuss und einen verwandelten Handelfmeter. Ende. Der Rest war rennen, grätschen, zustellen, pressen, verteidigen, Spiel zerstören. Auf eine Art und Weise, die mehr an rabiate Sportarten wie Australien Football oder Ringen erinnerte. Foulspiel auf jedem Flecken des Rasens, offensichtlich eingesetzt als taktisches Mittel gegen einen spielerisch überlegenen Gegner, das hat man in dieser Häufigkeit - und cleveren Intensität permanent an der Grenze der Regelauslegung - eher selten erlebt in der Bundesliga. Auf dieser Basis drei Punkte zu schnappen, das funktionierte bislang nur in Italien.

3. Die 05er haben den Rückstand nach dem Elfmetergegentor nicht mehr aufgeholt, weil sie insgesamt eine im Angriffsdrittel unterirdisch schwache Leistung abgeliefert haben. Die Tendenz ist nicht gut: Das war nach dem 0:0 gegen den VfB Stuttgart und dem 0:2 in Berlin zum Hinrundenausklang das dritte Spiel hintereinander ohne Torerfolg. In Ingolstadt hat der Gegner leidenschaftlich, gut organisiert, eng, extrem giftig und oft genug unsportlich verteidigt. Und dennoch taten sich bespielbare Räume auf. Aber weder im Kombinationsspiel, noch in der offensiven Umschaltung schaffte es das Schmidt-Team, Zielstrebigkeit, Entschlossenheit und Durchschlagskraft zu entwickeln.

Mehr als drei Torchancen - und davon war lediglich der von Latza im Fünfmeterraum unglücklich geblockte Schuss von Yunus Malli ein Hochkaräter -, stellten sich nicht ein binnen der 90 Minuten. Dazu kam ein Spurt in Abseitsstellung von Jhon Cordoba, als der Kolumbianer die Kugel besser dem nicht im Abseits und ähnlich frei stehenden Muto überlassen hätte. Nahezu keine Wirkung auf den letzten 30 Metern des Spielfeldes. Trotz spielerisch guter Phasen in der ersten Halbzeit, trotz haushoher Überlegenheit nach der Pause, trotz deutlich erkennbarer individueller Vorteile in Technik und Geschwindigkeit.

Dürftige Vorstellung

Ob die personellen Umstellungen von Martin Schmidt Einfluss hatten auf diese dürftige Vorstellung, darüber lässt sich lange diskutieren. Belegbar ist das nicht. Gaetan Bussmann als Linksverteidiger für den nicht mal in den Spielkader gerutschten Pierre Bengtsson: In der Defensive schlug sich der Athlet aus Frankreich gut. Als es darum ging, über eigenen Ballbesitz einen Rückstand aufzuholen, da wurden die fußballerischen Defizite von Bussmann augenfällig; der laufstarke Kämpfer beherrscht im Aufbau nur den einfachen, sehr geradlinigen Pass.

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Leon Balogun als Innenverteidiger für den nicht mal in den Spielkader gerutschten Vize-Kapitän Niko Bungert und für den auf der Bank sitzenden Alexander Hack, das war begründbar. Wobei Balogun wieder den ein oder anderen technischen Fehler einstreute. Der junge Hack hätte mit seinem beeindruckenden Flachpassspiel ins Mittelfeld eventuell mehr Wirkung erzielen können im eigenen Ballbesitz. Jhon Cordoba als Mittelstürmer für den auf die Bank gesetzten Muto, das sah auch nicht schlecht aus. Der wuchtige Kolumbianer schuftete, er machte viele Bälle fest, er drehte sich oft gut weg vom Gegenspieler. Aber Torgefahr strahlt Cordoba überhaupt nicht aus.

Ballverluste im Stile eines überforderten U19-Spielers

Jairo hatte am linken Flügel zwei gute Szenen als Vorlagengeber, ansonsten lieferte der Spanier serienweise leichte Ballverluste ab im Stil eines überforderten U19-Spielers. Christian Clemens wirkte am rechten Flügel bis auf eine Abschlussszene schwerfällig. Der leichtfüßige und torgefährliche Muto auf der Bank, später als Einwechselspieler, diese Entscheidung ist nicht aufgegangen. Und Yunus Malli? Der hoch gehandelte Umschaltzehner hatte wieder einen seiner weniger wachen Tage.

Die 05er stehen nun vor einer spannenden Woche. Was passiert mit Muto und Malli – Geld für das Festgeldkonto oder gewachsenes Offensivpotenzial in der Mannschaft? Keine einfache Entscheidung. Wie kann Martin Schmidt seinem Team wieder Überzeugung eintrichtern vor dem Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach? Keine einfache Aufgabe.