Rehberg: So kann Mainz 05 gegen Hannover die nächste Stufe zünden

Florian Niederlechner. Foto Sascha Kopp

Die 05er haben ihre erste Enttäuschung (0:1 in der Coface Arena gegen den FC Ingolstadt) beantwortet mit dem ersten Auswärtssieg (2:1 in Gladbach) – und mit Fabian Frei und...

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. Die Sommertransferperiode befindet sich auf den letzten Metern der Zielgeraden. Das tatsächliche Gezerre um Spieler in Verbindung mit nahezu unendlich vielen Gerüchten ist spannend. Die 05er schrauben noch an der Verpflichtung eines physisch präsenten Mittelstürmers, Borussia Dortmund will den Mainzern angeblich Linksverteidiger Joo Ho Park abkaufen, Chinedu Ede ist zu Twente Enschede gewechselt und die Tribünenkandidaten Gonzalo Jara und Niki Zimling dürften sich bei einem vernünftigen Ablöseangebot ebenfalls verändern. Da kann also auch am Bruchweg noch viel passieren bis zur Deadline am kommenden Montag, 18 Uhr. Die Vorbereitungen auf das Heimspiel an diesem Samstag gegen Hannover 96 hat dieser Marktlärm aber nicht gestört.

In jeder Saison gibt es Meilensteine, die Vertrauen in die neue Projektplanung aufbauen. Da geht es um den ersten 3-Punkte-Erfolg, da geht es um den ersten Heimsieg, da geht es um den ersten Auswärtssieg, da geht es um das Meistern komplizierter Spielentwicklungen, da geht es um die mentale und emotionale Verarbeitung erster Misserfolge, da geht es auch um einen positiv zu beurteilenden Integrationsprozess von Neuzugängen. Die 05er haben ihre erste Enttäuschung (0:1 in der Coface Arena gegen den FC Ingolstadt) beantwortet mit dem ersten Auswärtssieg (2:1 in Gladbach) – und mit Fabian Frei und Yoshinori Muto haben zwei Sommerzugänge den Eindruck vermittelt, dass sie dieser Mannschaft Qualität zuführen können. Die nächste Stufe, die nun zu zünden ist: Der erste Heimsieg.

Hannover will wie Ingolstadt in Mainz antreten

Gegen Hannover 96 können sich die 05-Profis Vertrauen erarbeiten in den Ansatz, dass sich mit viel Laufarbeit, aggressiver Balljagd und offensivem Umschaltspiel auch Gäste aushebeln lassen, die ihr Spiel eher auf eine vielbeinige und gut organisierte Defensive, auf Konter und auf gefährliche Standardsituationen auslegen. Dass die Elf von Michael Frontzek in diesem Stil in der Coface Arena antreten wird, das ist nicht sicher, aber zumindest wahrscheinlich. Diese konkrete Ausgangslage ist spannend. Noch spannender als die vielen, in der Mehrzahl virtuellen Stories im Transfergetöse.

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Malen wir ein Bild. Frontzek hat angekündigt, in der Coface Arena ein ähnlich unangenehmer Gegner sein zu wollen wie Ingolstadt in Mainz oder die Mainzer in Mönchengladbach. Die Hannoveraner werden also zunächst einmal eine maximale Laufleistung, harte Zweikämpfe und einen mit engen Abständen arbeitenden Verteidigungsblock anstreben. Diese Festung kann man im Zentrum bespielen, mit Tempo über die Flügel umspielen oder mit hohen Bällen hinter die letzte Linie überspielen. In einem verdichteten Zentrum kann man sich einen Wolf passen, auf den Flügeln fehlt gegen tief verteidigende Gegner oft der Auslaufraum, die langen Bälle durch die Luft dürften gegen Riesen wie Innenverteidiger Marcelo (1,90 Meter) und den defensiven Mittelfeldspieler Salif Sané (1,96 Meter) keine ganz großen Erfolgsaussichten haben.

Konter konsequent abfangen

Bleiben die vielen kurzen, oft unbeachteten Momente, in denen der Ballbesitz wechselt. Dort liegen die Chancen der 05er. Gegenpressing. Ballverlust in der gegnerischen Spielhälfte, der Gegner orientiert sich, sinnt auf Vorwärtsbewegung im Passspiel und in den Laufwegen – und wenn in diesem Augenblick die direkte Rückeroberung der Kugel gelingt, dann kann man den Gegner defensiv weniger gut organisiert erwischen, auf relativ kurzen Wegen zum Strafraum. Ebenso wirkungsvoll: Hannover schaltet schnell um nach Ballgewinnen, auf mehreren Sprintbahnen geht es mit mehreren Leuten mutig und zügig nach vorne – und wenn die 05er diese Konter konsequent abfangen, dann ergeben sich in der direkten Umkehrbewegung offene Räume, dann gibt es auch Tiefe an den Seitenplanken für die Tempobolzer Christian Clemens und Jairo.

Aufmerksam und sauber gestoppte Konter mit aktiver Balleroberung können eine Offensivwaffe sein gegen eher defensiv orientierte Mannschaften. Natürlich werden die Gäste nicht anders denken. Also wird sich diese Partie womöglich entscheiden über einen leidenschaftlichen, energiegeladenen Pressing- und Gegenpressing-Kampf, in dem leichtfertige Ballverluste jederzeit die Gewichte verschieben können.

Niederlechner und/oder Muto

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Martin Schmidt muss entscheiden, welchen Mittelstürmer er braucht für diese Aufgaben. Den bulligen Strafraumspezialisten Florian Niederlechner - oder die schnelle, wendige, technisch geschickte Arbeitsbiene Yoshinori Muto? Das ist eine Frage, die sich eventuell auch beantwortet über die Verteidigung der Hannoveraner Riesen - zu denen auch noch der neue Offensivmann Charlison Benshop (1,91 Meter) zählt - bei Standardbällen. Niederlechner ist mit seiner pyhsischen Präsenz auch ein guter Kopfballspieler im eigenen Strafraum. Muto der in Gladbach ein bemerkenswertes Startelfdebüt gegeben hat, ist eine überall auf dem Feld malochende Umschaltrakete, aber der zehn Zenitmeter kleinere Japaner ist kein Faktor in den Luftkämpfen. Eine dritte Variante: Schmidt entscheidet sich für eine 4-4-2-Grundordnung, eventuell in der Rautenanordnung mit dem Zehner Yunus Malli unterstützt von drei lauf- und kamfstarken Mittelfeldsechsern – und vorne schuftet eine Doppelspitze mit Niederlechner u n d Muto.