Rehberg: Sprinten gegen belgische Riesen

Yunus Malli. Foto: Harald Kaster

Gegen den RSC Anderlecht wird Mainz 05-Coach Martin Schmidt auf den laufintensiven Positionen wohl wieder rotieren. Zudem muss sich die 05-Offensive auf eine robuste und groß...

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. Mit jeweils vier Punkten führen der RSC Anderlecht und die 05er nach zwei Spieltagen die Gruppe C in der Europaliga an. Die beiden Erstplazierten qualifizieren sich für die im K.o.-System ausgetragene Runde der letzten 32 Mannschaften. Die ASSE aus Saint-Étienne werden am dritten Spieltag ihr Konto sehr wahrscheinlich auf fünf Punkte aufstocken mit einem Sieg gegen den FK Qäbälä. Sollten die 05er parallel dazu am Donnerstagabend in der Opel Arena den RSC Anderlecht schlagen, dann bekommt die Tabelle Konturen. Vorteil Mainz 05.

Die größere Europapokalgeschichte hat der RSC Anderlecht geschrieben. Die großen Triumphe liegen 30, 35, 40 Jahre zurück. Doch auch Titel auf dem Briefkopf und die Erinnerungen an legendäre Finalspiele nebst hoch emotionalen Pokalübergaben geben einem Klub ein Selbstverständnis. Der „Königliche Fußballklub“ ist aktuell Spitzenreiter in der belgischen Ersten Liga mit einem Zähler Vorsprung vor dem SV Zulte Waregem. Beim jüngsten 1:0-Heimerfolg gegen den SC Lokeren hat sich das Team von René Weiler schwer getan, lange Zeit auch in Überzahl. Mittelstürmer Lukasz Teodorczyk gelang erst in der 89. Minute der Siegtreffer. Die 05er haben ihren mühsam erkämpften 2:1-Heimsieg gegen den SV Darmstadt 98 im Kreuz. Trainer Martin Schmidt weiß, dass sich seine Mannschaft auf dem internationalen Parkett spielerisch wird steigern müssen.

Robuste und groß gewachsene Abwehrreihe

Der 05-Chefcoach wird auf den laufintensiven Positionen wieder rotieren. Fabian Frei, der erfahrenste Europapokalspieler im Kader, wird auf die Sechserposition zurückkehren. Der zum leidenschaftlichen Zweikämpfer und Ballschlepper mutierte Schweizer ist ein Stratege. Er bekommt es im Zentrum – an der Seite des Athleten Jean-Philippe Gbamin - mit jungen, sehr talentierten Gegenspielern zu tun. Die Belgier Leander Dendoncker (21) und Jouri Tielemans (19) sind laufstark, technisch gut ausgebildet und aggressiv. Dendoncker hat 2015 in der Nationalmannschaft debütiert. Tielemans, der 2013 gegen Olympiakos Piräus als 16-Jähriger sein Champions-League-Debüt gab, ist U21-Nationalspieler. Beim 1:1 in Saint-Étienne schoss Tielemans, der kongolesische Wurzeln hat, seine Elf in Führung.

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Die 05-Offensive muss sich auf eine robuste und groß gewachsene Abwehrreihe einstellen. Rechts verteidigt beim RSC der 1,88 Meter große Serbe Uros Spajic (23), in der Mitte stehen der 1,92 Meter große Senegal-Nationalspieler Serigne Mbodj (26) und der 1,89 Meter große Holländer Bram Nuytuick (26). Linksverteidiger Frank Acheampong (23) erreichte als Nationalspieler von Ghana 2015 das Finale im Afrika-Cup; der Mann ist ein schneller, offensivstarker Außenbahnspieler. Weiler setzt vor dem jungen Torhüter Dary Roef (23), ein Talent aus dem eigenen Nachwuchs, auf einen sicheren, gut organisierten Defensivblock. Die 05er werden die Kugel schnell machen und sie werden mit vielen Sprintläufen arbeiten müssen. Das behagt den belgischen Riesen weniger. St-Étienne und sogar der FK Qäbälä haben diese Schwäche der Belgier durchaus aufgedeckt. Allerdings ohne Konsequenz im Torabschluss.

Arbeit bekommen die 05er mit der Offensivreihe von Anderlecht. Der für die belgische Rekordablöse von acht Millionen Euro aus Bukarest gekommene Spielmacher Nicolae Stanciu (23) ist ein großartiger Kicker. Der nur 1,68 Meter große Nationalspieler, der bei der EM in Frankreich im Eröffnungsspiel gegen Frankreich den Elfmeter zum 1:1 für die Rumänen rausholte (die Partie endete 2:1 für den späteren Finalisten), ist beweglich, technisch geschickt, dribbelstark auf engstem Raum, er kann die Lückenpässe spielen und er wird selbst torgefährlich.

Wenige Schlüsselmomente entscheiden

Rechts wird der verletzte Landsmann Alexandru Cipciu (23) fehlen. Der aktuelle Nationalspieler, der auch große Qualität hat in der Arbeit gegen den Ball, ist verletzt. Das von RB Leipzig gekommene Sturmtalent Massimo Bruno (22), ein Belgier italienischer Abstammung, der in der Anderlechter Nachwuchsabteilung ausgebildet worden ist, stand gegen den SC Lokeren erstmals in der Anfangself. Links sprintet der Algerier Sofiane Hanni (25), der zuvor bei Dynamo Kiew unter Vertrag stand. Und der 1,85 Meter große Mittelstürmer Teodorczyk (25) ist aktueller polnischer Nationalspieler (der in der Startelf seines Landes natürlich keine Chance hat gegen Robert Lewandowski).

Im ersten Heimspiel der 05er gegen Saint-Étienne hat sich gezeigt, dass in diesen Europapokalspielen Spielkontrolle eine große Rolle spielt. Man muss diese längeren Phasen, in denen beide Mannschaft auf Risikominimierung setzen, in denen im Mittelfeld in vielen Zweikämpfen um kleine Raumvorteile gerungen wird, aushalten können. Da braucht es Geduld, gute Nerven, Konzentration und ein präzises Passspiel. Wenige Schlüsselmomente entscheiden. Die relativ junge Mannschaft aus Anderlecht sollte da keine gravierenden Vorteile haben. Zumal die 05er diese engen Situationen ja gewohnt sind aus der Bundesliga. Und Tore schießt die Schmidt-Elf selbst an ihren schwächeren Tagen, siehe das Derby gegen die „Lilien“.