Rehberg: Transfers bieten Mainz 05 die Chance, Talente zu fördern

Die Sommertransferperiode ist rum. Christian Heidel hat finanziell einen überragenden Job gemacht. Sportlich sieht es auch nicht schlecht aus für die 05er. Archivfoto: Sascha Kopp

Die Sommertransferperiode hatte am Montag ihren Schlusstag. Der FSV Mainz 05 konnte einen Transfergewinn von rund 25 Millionen Euro verbuchen. Wie sich die Transfers sportlich...

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. Der Bezahlsender Sky hat den 31. August 2015 „Deadline Day“ genannt. Schlusstag der Sommertransferperiode. Das war gestern. Aufregend war das. Da sind noch mal einige Spieler und viele, viele Millionen verschoben worden. Mit den Millionensummen im Allgemeinen beschäftigen wir uns in einem anderen Blog in dieser Woche. Das ist ein eigenes Thema. Betrachten wir die Veränderungen bei den 05ern. Dieser Blick auf die Personalverschiebungen funktioniert nicht ohne den Blick auf die Millionen. Wirtschaftlich hat der Klub in dieser Verkaufs- und Einkaufsphase eine Entwicklung genommen, die man schlicht und einfach als sensationell bezeichnen muss. Fazit: Nach drei Spieltagen hat der Bundesligist nicht nur sechs Punkte auf dem Konto, sondern auch einen Transfergewinn von rund 25 Millionen Euro verbucht. Das entspricht so ziemlich genau dem Restkredit für die Finanzierung der 2011 bezogenen Coface Arena.

Da hat Christian Heidel einen überragenden Job gemacht. Ob das auch für die sportliche Seite zutrifft, das lässt sich kurzfristig nicht beurteilen. Das ist eine Frage, die sich frühestens Mitte der Rückrunde beantworten lässt, vielleicht sogar erst am Ende der Saison. Was sich diskutieren lässt, das ist der aktuelle Stand. Und da kann man zu der Einschätzung gelangen: Die Entscheidungen des Klubs im Sommerschlussverkauf bergen ein Risiko, aber sie sind nachvollziehbar. Die Rede ist von den beiden Südkoreanern Joo Ho Park und Ja-Cheol Koo.

Park ist eine Bank als Linksverteidiger

Park war als Linksverteidiger und als Mittelfeld-Option eine Bank. Stellungssicher in der Defensive, geschickt im Zweikampf, große Ruhe am Ball, blendende Übersicht, passsicher - auch in Bedrängnis und in engen Räumen. Park verkörpert gehobene Bundesligaqualität. Klar, sonst hätte Thomas Tuchel den Südkoreaner, den er selbst damals für die Mainzer ausgewählt hatte, nicht nach Dortmund gelockt. Wenn ein Spieler nun im Alter von 28 Jahren noch mal diese internationale Chance und diese Gehaltsdimensionen geboten bekommt, dann kann man sich aus sportlichen Gründen quer stellen, aber man muss das nicht tun.

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Keiner weiß, wie sich Park gefühlt hätte am Bruchweg, wäre er zur Vertragstreue gezwungen worden, keiner weiß, welche Auswirkungen das dann auf seine Form gehabt hätte. Auch in dieser Entscheidung hätte also ein Risiko gesteckt. Ein weiterer Aspekt: Mainz 05 muss als Weiterbildungsverein begabten Spielern im In- und Ausland zeigen, dass man in diesem Unternehmen immer die Perspektive hat, bei einer entsprechenden positiven individuellen Entwicklung die Freigabe zu bekommen für einen wirtschaftlich/sportlich besser aufgestellten Mitbewerber. Das ist ein nicht unwesentlicher Teil der Weiterbildungsphilosophie.

Verteidiger und Linksfuß im Team

In diesem Fall wusste Trainer Martin Schmidt, dass er als Alternative mit Pierre Bengtsson einen schwedischen Nationalspieler im Kader hat. Der hat seine Stärken zwar mehr in der dynamischen, geradlinigen Vorwärtsbewegung, aber verteidigen kann der 27-Jährige durchaus auch solide. Mit dem 24 Jahre alten Gaetan Bussmann ist nun noch ein Linksfuß dazu gestoßen. Was der Leistungsträger vom FC Metz kann, das lässt sich erst nach einigen Wettkämpfeinsätzen beurteilen. Umworben war der einstige U19- und U20-Nationalspieler, das berichten französische Zeitungen, von mehreren Klubs in Deutschland und in Europa.

Nach der Verletzung von Fabian Frei wäre Joo Ho Park auch wieder eine sehr gute Option gewesen im defensiven Mittelfeld. Als der Schweizer gegen Hannover 96 nach acht Minuten vom Feld humpelte, da war der Südkoreaner schon verkauft. Nun, man kann sich nicht gegen alles absichern. Danny Latza hat nun die Chance, sich in der Bundesliga zu zeigen und zu etablieren. Und dann gibt es ja auch noch den völlig unterbewerteten Christoph Moritz; der 25-Jährige ist im Kader nach wie vor einer der technisch besten Fußballer, dem nichts fehlt, außer dass er ein wenig aggressiver werden müsste im Zweikampfgetümmel.

Sinnvoll: der Verkauf von Koo

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Der Wechsel von Ja-Cheol Koo zu seinem Ex-Klub FC Augsburg war eine Überraschung. Hier lässt sich kurz und bündig festhalten: Wenn ein Spieler, der mal fünf Millionen Euro Ablöse gekostet hat, als einer der Spitzenverdiener im Kader nur der Backup ist auf der Zehnerposition, dann hat dieser Transfer vom Winter 2014 nicht funktioniert. Von daher macht diese Verkaufsentscheidung Sinn, zumal dann, wenn sich die Chance auftut, diese fünf Millionen komplett wieder zurückzubekommen. Ein Mann mit einem Jahresgehalt von knapp zwei Millionen Euro dauerhaft auf der Ersatzbank, das passt in Mainz nicht. Koo hat an diesem Standort nie zu einer konstanten, seinem Potenzial entsprechenden Form gefunden. Aus welchen Gründen auch immer.

Hinterlässt der erfahrene Koo nun sportlich eine Lücke hinter dem Tempodribbler und Passgeber Yunus Malli? Auch das lässt sich zu diesem Zeitpunkt nicht seriös beurteilen. Der Bulgare Todor Nedelev ist mit seiner Technik ein Talent als Zehner, er wird sukzessive besser, aber Bundesliganiveau hat er noch nicht nachgewiesen. Yoshinori Muto kann mit seiner Schnelligkeit und Wendigkeit auch als Umschaltzehner Defensivreihen verrückt machen. Und in der nicht eben unerfolgreichen Mainzer U23 macht der 23 Jahre alte Philipp Klement das Spiel; der klassische Ballbesitzzehner ist einer der überragenden Techniker und Passgeber in der Dritten Liga.

Talenten die Tür öffnen

Sagen wir es so: In wilden Abstiegskampfzeiten hätte Martin Schmidt wahrscheinlich Magenschmerzen, würde Yunus Malli mal für längere Zeit ausfallen - bewegen sich die 05er in dieser Spielzeit konstant im Tabellenmittelfeld, dann hat der Trainer sicher keine Probleme, Nedelev oder Klement auf die Bundesligabühne zu heben. Der Weggang eines erfahrenen Spielers und der Verzicht auf den sofortigen Einsatz des Einkaufswagens öffnet den Talenten die Tür. Das ist ein Teil der Ausbildungs-Philosophie.

Der neue Mittelstürmer Jhon Cordoba ist zunächst mal eine Ergänzung für die Offensivabteilung. Mit 28 Erstligaeinsätzen (vier Tore) für Espanyol Barcelona und mit 26 Erstligaeinsätzen (vier Tore) für den FC Granada ist der 1,88 Meter große Kolumbianer aus der Primera Division sicher mehr als nur ein Talent. Die Bundesliga ist für den 22-Jährigen allerdings zunächst mal eine neue Welt. Das war aber einst bei dem von Real Madrid II gekommenen jungen Adam Szalai nicht anders. Am Ende haben die 05er mit dem anfänglich ungelenken und technisch limitierten Ungarn gut acht Millionen Euro verdient.