Rehberg: Typische Unruhe beim 1. FC Köln

Der Kölner Trainer Achim Beierlorzer. Foto: dpa

Die 2:3-Blamage im DFB-Pokal beim Viertligisten 1. FC Saarbrücken war ein "Nackenschlag" für den 1. FC Köln. Seitdem steht Trainer Achim Beierlorzer massiv in der Kritik....

Anzeige

. Die Pokal-Sensationen werden seit einigen Jahren weniger. Aber es gibt sie noch. Und wenn das passiert, in einem schon etwas fortgeschritteneren Stadium der Saison in einem Wirkungszusammenhang mit Problemen im Liga-Alltag, dann weiß der Trainer des in der Provinz ausgerutschten Bundesligisten, was auf ihn zukommt. Dann braucht es kein Halloween, um Grusel-Wochen zu erleben.

Seit dem 2:3 des 1. FC Köln beim 1. FC Saarbrücken in der zweiten Runde des DFB-Pokals steht Achim Beierlorzer richtig derb unter Beschuss. Aus bei einem Viertligisten. „Anfängerfehler“ werden dem Kölner Trainer attestiert, seine „Kreditlinie“ werde immer kürzer, ab sofort stehe er mit dem „Rücken zur Wand“ – und im Boulevard werden mögliche Nachfolgekandidaten schon namentlich benannt. Kaum 48 Stunden später verlautbart auch noch der Sportdirektor, dass er seinen im Sommer auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern gedenke. Aus „familiären Gründen“, betonte Armin Veh. Der erfahren genug ist, um zu wissen, dass er für den von ihm verpflichteten Cheftrainer ab sofort kein überzeugender Stützpfeiler mehr sein kann. Wenn es einen ganz schlechten Zeitpunkt gab für diese Verkündung, dann zwei Tage nach dem Pokal-Knockout im Saarland.

War die Rotation ein "Anfängerfehler"

Viele Favoriten in dieser zweiten Pokalrunde sind mit veränderten Startaufstellungen angetreten. Auch Beierlorzer hat rotiert. Er hat verloren. Also war seine Maßnahme, sechs Spieler von der Bank aufzustellen, falsch. „Anfängerfehler“, titelte eine Zeitung, der Trainer hätte auf Stabilität setzen sollen/müssen. Welche Stabilität, könnte man fragen - die Kölner sind in der Bundesliga mit nur zwei Siegen aus neun Spielen Drittletzter. Man könnte auch fragen, ob ein Trainer nach einem 1:3 in Mainz nicht das Gefühl haben darf, mit ausgeruhten Edel-Reservisten wie Anthony Modeste, Jhon Cordoba, Marcel Risse, Dominick Drexler und Jorge Meré einen Viertligisten bezwingen zu können. Alles egal. Beierlorzer wird ab sofort keinen ruhigen Tag mehr erleben in der aufgeregten Medienstadt Köln.

Anzeige

Das funktioniert im Fußball nicht anders als in der Politik. Wenn ein Wirtschafts-Lobbyist wie Friedrich Merz die Arbeit der Regierungskoalition öffentlich als grottenschlecht bezeichnet und die Arbeit seiner Parteiführung als extrem defizitär einstuft, dann geht es ihm nicht um Inhalte. Sondern: Merz will testen, ob sich die an den Pranger gestellten handelnden Personen schon sturmreif schießen lassen. Motiv: Alte Rechnungen begleichen – und mal schauen, wie die eigenen Chancen stehen im Machtgerangel.

Viel Uneinigkeit

Nicht viel anders läuft das ab beim 1. FC Köln. Dort herrscht Uneinigkeit in der Führungsetage. Interne Vorgänge werden - gemäß den Eigeninteressen im Machtstreit - an Medien durchgesteckt. Der Sportdirektor macht sich vom Acker. Journalisten testen aus, ob der Stuhl des Trainers vielleicht schon längst angesägt ist. Und wenn es zur Beurlaubung kommt, dann will jeder Schreiber der Erste gewesen sein, der das angedeutet, hergeleitet oder gar schon gewusst hat. Inhalte? Nicht so wichtig. Leistung und/oder Einstellung der Spieler? Hat der Trainer zu verantworten, ausschließlich, mal wieder.

Beierlorzer bekommt nun medial unter die Nase gerieben, dass ihn nur noch Siege retten können. Das ist der Anfang vom Ende. Das Trainer- und Manager-Karussell beim Geißbock-Klub dreht sich seit Jahren in schwindelerregender Geschwindigkeit. Und trotzdem wundern sich die Verantwortlichen, warum sie - trotz einer nicht unerheblichen Wirtschaftskraft - nicht mehr produzieren als eine zwischen Erster und Zweiter Liga pendelnde Fahrstuhlmannschaft.