Rehberg: Vom Fast-Absteiger zum Champions League-Aspiranten

Pal Dardai. Archivfoto: dpa

Am kommenden Sonntag laufen die 05er im Berliner Olympiastadion zum letzten Spiel der Hinrunde auf. Der Gegner, Hertha BSC, belegt aktuell den dritten Tabellenplatz - eine...

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. Die Zeit rast dahin. Am kommenden Sonntag laufen die 05er im Berliner Olympiastadion auf. Dann ist auch dieses Fußballjahr schon wieder vorbei. Der Gastgeber Hertha BSC thront auf dem dritten Tabellenplatz. Und man kann sich kaum noch daran erinnern, wo die Überraschungsmannschaft dieser Saison eigentlich herkommt. Die Berliner waren am Ende der vergangenen Spielzeit tatsächlich als Viertletzter ins Ziel gekommen, punktgleich mit dem Drittletzten Hamburger SV. Hätte der nur einen Punkt zurückliegende Vorletzte SC Freiburg nicht sein letztes Saisonspiel verloren (1:2 in Hannover), dann hätte die Hertha die beiden nervenaufreibenden Relegationsspiele gegen den Zweitligadritten Karlsruher SC bestreiten müssen. Ein halbes Jahr später bewirbt sich dieses Berliner Abstiegskampfteam um die Teilnahme an der Champions League.

Der gefeierte Trainer heißt Pal Dardai. Der übernahm die Hertha am 5. Februar als Nachfolger des glücklosen Jos Luhukay. Dardai fuhr zwei Tage später mit seiner Elf als Tabellenletzter nach Mainz. Dem Ungar, zuvor U15-Trainer bei der Hertha, gelang bei seinem Bundesligadebüt ein 2:0-Sieg in der Coface Arena. Der erste Sargnagel für den damaligen 05-Chefcoach Kasper Hjulmand, der eine Woche später nach einem 2:4 in Dortmund beurlaubt wurde. Martin Schmidt kam ins Amt.

Pal Dardai ist nicht Pal Csernai

Schmidt reüssierte damals mit einem 3:1-Derbysieg gegen die Frankfurter Eintracht. An jenem 22. Spieltag verlor Dardai seine zweite Erstligapartie mit 1:2 in Wolfsburg. Und in Berlin erschien die Geschichte vom ersten ungarischen Trainer in der Klubhistorie der Hertha. Das war Pal Csernai. Der war mit seinem „Pal-System“ (eine Mischung aus Raum- und Manndeckung) 1980 und 81 Deutscher Meister geworden mit dem ruhmreichen FC Bayern München. Am 13. Spieltag der Saison 1990/91 übernahm der vornehme Mann, der immer einen edlen Seidenschal am Hals trug, das Bundesliga-Schlusslicht Hertha BSC. Nach gerade mal sieben Spielen (nur ein Sieg) flog Csernai wieder raus. Und die Berliner stiegen sang- und klanglos ab - mit Peter Neururer.

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Nicht wenige Menschen in Berlin prophezeiten Pal Dardai im Frühjahr 2015 eine ähnlich kurze Verweildauer wie seinem Landsmann Pal Csernai. Weil Dardai zum einen nebenbei noch als ungarischer Nationaltrainer fungierte, zum anderen unterstellte man dem langjährigen Hertha-Profi ein doch leicht überzogenes Selbstbewusstsein. Das sich äußerte in eher merkwürdigen Reden auf Pressekonferenzen, das Motto lautete häufig: Ich habe alles erlebt, ich weiß alles, ich kann alles.

Beeindruckender Aufschwung

Kurz vor Weihnachten 2015 wissen wir: Der Ungar mag nicht alles können, aber er kann sehr viel. 29 Punkte nach 16 Spieltagen. Neun Siege, zwei Remis und nur fünf Niederlagen. Tabellendritter. Die Hertha hat fünf ihrer bislang sieben Heimspiele gewonnen und nur eines verloren (1:4 gegen Borussia Mönchengladbach). Knapp dem Abstieg entronnen – und nun ein CL-Bewerber. Respekt.

Und dabei hat sich der Kader gar nicht überragend verändert. Substanzielle Verstärkungen waren lediglich der Außenbahnspieler Mitchel Weiser (21), der Jungreservist vom FC Bayern, der wankelmütige Mittelfeldspieler Vladimir Darida (25) vom Absteiger SC Freiburg sowie der nicht minder wankelmütige Mittelstürmer Vedad Ibisevic (31), den beim VfB Stuttgart niemand mehr sehen wollte. Volltreffer. Der schnelle Weiser hat den rechten Flügel belebt. Darida ist mal als Sechser, zuletzt öfter als Zehner der technisch und strategisch begabte Chef im Mittelfeld. Und Ibisevic hat zwar nur in drei Spielen getroffen (sechs Saisontore nach drei Doppeltreffern), aber der bosnische Strafraumstürmer ist der ideale Sturmpartner für den lauffreudigen und wendigen Salomon Kalou (acht Saisontore).

Dardai hat eine Einheit geformt

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Die restlichen Startelfkandidaten sind aus der Vorsaison bekannt: Torhüter Rune Jarstein, die Innenverteidiger Sebastian Langkamp und John Brooks, Linksverteidiger Marvin Plattenhardt, die Mittelfeldmalocher Fabian Lustenberger und Per Skjelbred, der Mittelfeldtechniker Valentin Stocker und der Flügelmann Genki Haraguchi. Alle haben sich gesteigert, alle halten ihre Form. Und Pal Dardai hat diese Auswahl zu einer kämpferisch und willensstark auftretenden Einheit geformt. Die im eigenen Ballbesitz eine erstaunliche Qualität aufgebaut hat. Das war auch am Mittwochabend zu sehen, als die Hertha mit einem 2:0-Sieg beim 1. FC Nürnberg ungefährdet ins Viertelfinale des DFB-Pokals eingezogen ist. Wie sich die 05er gegen die Überraschungsmannschaft dieser Saison behaupten können, das lesen sie im Freitagblog.