Rehberg: Von Brinkmanns buntem Teller zum Transferkarussell

Ist Yunus Malli auf dem Sprung zum BVB? Archivfoto: dpa

Wie haben sich die Bundesliga-Teams in der Winterpause verstärkt? Und ist Fußball vielleicht doch ein "wish concert"? Reinhard Rehberg stellt im Blog vor dem Start der...

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. Jürgen Klopp hat mittlerweile ein paar für den deutschen Fußball sehr wichtige Redewendungen in die englische Sprache übersetzt. „Salt in the soup“ fehlt dem Coach des FC Liverpool, wenn seine Mannschaft mal wieder trotz großer Überlegenheit das Tor nicht getroffen hat. Und wenn das Salz in der Suppe fehlt, wie zuletzt beim ausgesprochen unglücklichen 0:1 gegen Manchester United, dann zeige sich eben, dass Fußball kein „wish concert“ ist. Also kein Wunschkonzert. Oder wie es Ansgar „der letzte Rebell“ Brinkmann ausgedrückt hat: „Fußball ist kein bunter Teller.“ Herrlich. Nehmen wir diese Gedanken der beiden ehemaligen 05-Profis mit in diese letzte Woche vor dem Start in die Bundesliga-Rückrunde.

Was wird sich ändern nach einigen Bewegungen auf dem Transfermarkt? Aktiv geworden sind in erster Linie die Klubs aus der Abstiegsregion. Der Tabellenvorletzte Hannover 96 hat im vergangenen Sommer offensichtlich seine Hausaufgaben nicht gemacht. Denn wer im Winter-Schlussverkauf gleich fünf neue Spieler anheuert, der hat mehr zu bearbeiten gehabt als nur eine Kaderkorrektur. Und Martin Bader deutet an, dass damit noch nicht Schluss sein muss bis Ende Januar. „Wir stehen noch mit vielen Spielern und Beratern in Verbindung“, antwortete der neue Sportdirektor auf die Frage, ob weitere Positionen verstärkt werden müssten. Respekt. Da wird Thomas Schaaf Mühe haben, den Überblick zu behalten. Der neue 96-Chefcoach dürfte nicht umhin kommen, einige der alten und neuen Spieler in seinem Riesenkader an der Trainingsjacke mit plakativen Namensschildern auszustatten.

Szalai von der TSG ausgeliehen

Einen groß gewachsenen Mittelstürmer hatte sich Schaaf gewünscht. Von der TSG Hoffenheim ausgeliehen haben die Hannoveraner Adam Szalai (27). Der ehemalige 05-Torjäger hat seit Monaten kein Wettkampfspiel mehr bestritten. Also verpflichtete Bader auch noch Hugo Almeida, Schaafs einstiger Weggefährte bei Werder Bremen. Almeida, der 31 Jahre alte Portugiese, kickte zuletzt bei Anzhi Makchachkala. Für stramme 1,5 Millionen Ablöse kam auch noch der junge Flügelstürmer Marius Wolf vom abstiegsbedrohten Zweitligisten TSV 1860 München. Und das Mittelfeld verstärken sollen Iver Fossum (19) aus Norwegen sowie Hotaru Yamaguchi (25) vom japanischen Erstligisten Cerezo Osaka. Daraus in einer nur dreiwöchigen Vorbereitungszeit eine harmonische Einheit zu formen, das ist ein spannendes Projekt.

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Der Tabellenviertletzte VfB Stuttgart beließ es bei zwei Winter-Einkäufen. Kevin Großkreutz, der Dortmunder Offensivallrounder, hat als Sommer-Zugang von Galatasaray Istanbul wegen eines Statutenfehlers des Klubs ein halbes Jahr lang nur trainiert. Der deutsche Reserve-Weltmeister von 2014 bringe eine Erfolgsmentalität in die Mannschaft ein, sagt VfB-Kapitän Christian Gentner. Interessant. Und das gelte auch für Artem Kravets, der mit Dynamo Kiew schon Meister und Pokalsieger war. Doch viel gespielt hat der junge ukrainische Nationalspieler in Kiew zuletzt nicht. Auch interessant.

Malli-Wechsel nimmt Formen an

Und dann haben wir noch die Frankfurter Eintracht, die drei neue Spieler präsentiert in dieser Vorbereitung. Der Schalker Leihspieler Kaan Ayhan soll die Defensive verstärken. Marco Fabian aus Mexiko wird zugetraut, der neue Spielmacher zu werden. Und Szabolsz Huszti, der in seinen zwei Phasen bei Hannover 96 nicht überragend konstant, aber auch nicht unerfolgreich war, zuletzt in China (Changchun Yatai) aber schon den Ausklang seiner Karriere geprobt hat, soll das Flügelspiel beleben. Der technisch starke Ungar wird im April 33 Jahre alt. Marco Fabian erlebt mit 26 Jahren seine erste Auslandsstation. Immerhin hat der Mexikaner mit seiner Nationalmannschaft 2012 die Goldmedaille gewonnen bei den Olympischen Spielen in London - nach einem 2:1-Finalsieg gegen Brasilien mit Neymar und Hulk. Auch bei der WM 2014 hatte Fabian drei Einsätze im mexikanischen Team. Internationale Erfahrung hat der technisch begabte, aber nicht sonderlich antrittsschnelle Südamerikaner. Die deutsche Bundesliga ist eine ganz andere Herausforderung.

Der FC Ingolstadt, der 05-Startgegner am kommenden Samstag, hat sich einen neuen Mittelstürmer besorgt. Das behandeln wir im Donnerstagblog.

Und die Mainzer? Der Winterwechsel von Yunus Malli zu Borussia Dortmund nimmt konkrete Formen an. Die 05er werden dann eine zweistellige Millionensumme einstreichen für den türkischen Nationalspieler, der 2011 ablösefrei von Borussia Mönchengladbach II gekommen ist. Ein Riesengeschäft. Würde da eine späte Nachverpflichtung noch Sinn machen? Nur bedingt. Die Anpassungszeit für einen möglichen Malli-Nachfolger wäre kurz bemessen. Yoshinori Muto kann mit seiner Technik, Schnelligkeit, Wendigkeit und Torgefährlichkeit auch als Zehner Wirkung erzielen. Philipp Klement aus der erfolgreichen U23 ist ein fußballerisch sehr begabter Perspektivspielmacher. Und an den Flügeln sind die 05er – auch nach der Verpflichtung von Karim Onisiwo – sehr breit aufgestellt. Auf der Mittelstürmerposition sind Jhon Cordoba und Florian Niederlechner noch steigerungsfähig. Klar, Malli hat in der Hinrunde acht Tore geschossen, das ist bemerkenswert. Aber der Hochbegabte hat auch immer noch seine lethargischen Phasen.

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"Das kann ich kommentarlos nicht beantworten"

Werden sich in der unteren Tabellenhälfte die Gewichte verschieben im Verlauf der Rückrunde? Wir könnten Thorsten Legat zitieren. Der Ex-Profi und heutige Trainer des in die Landesliga abgerutschten FC Remscheid hatte auf die Frage, ob er sich demnächst im Dschungelcamp austoben werde, erklärt: „Das kann ich kommentarlos nicht beantworten. Wenn ich das wüsste, dann wüsste ich mehr.“ Inzwischen dirigiert der Kultrhetoriker aus dem Ruhrpott die RTL-Dschungelauswahl. Und das wollen wir tatsächlich kommentarlos so stehen lassen.