Rehberg: Was ist von den Bundesliga-Aufsteigern zu erwarten?...

19.07.2019, Schweiz, Sion: Fußball: Super League, Schweiz, 1. Spieltag, FC Sion - FC Basel im Tourbillon Stadion: Patrick Luan dos Santos (l) von Sion erzielt das Ausgleichstor zum 1:1. Foto: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Union Berlin, SC Paderborn und der 1. FC Köln sind in die erste Bundesliga aufgestiegen. Wie bereiten sie sich auf die neue Saison vor? Kolumnist Reinhard Rehberg fast zusammen.

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. Wie sind in dieser Saison die drei Bundesliga-Aufsteiger zu bewerten? Über den 1.FC Köln müssen wir nicht groß sprechen. Die Geißböcke sind mit einer soliden Erstligamannschaft aufgestiegen – und dieser Kader ist in diesem Transfersommer noch verstärkt und in der Breite ergänzt worden. Sportdirektor Armin Veh und der neue Trainer Achim Beierlorzer betonen bei jeder sich bietenden Gelegenheit: Mit Abstiegskampf will der Traditionsklub in der Spielzeit 2019/20 nichts zu tun haben, und zwar überhaupt nichts. Das schauen wir uns gelassen an.

Anders stellt sich das dar beim SC Paderborn und bei Union Berlin. Zieht man einen Vergleich, dann springt ins Auge, dass die Strategien der beiden Neulinge kaum unterschiedlicher sein könnten.

Der SC Paderborn hat bereits Erfahrungen in der Bundesliga gesammelt

Die Paderborner haben ein wenig Bundesligaerfahrung. 2014 hatten die Ostwestfalen erstmals in ihrer Klubgeschichte den Sprung in die Eliteklasse geschafft. Das Konzept lautete damals: Vertrauen in die Aufstiegsmannschaft, nicht viel ändern, keine großen Investitionen, die Euphorie in das erste Jahr transportieren und weiterleben und irgendwie überleben. Und sollte das nicht klappen, dann mit einem wirtschaftlichen Gewinn die nächste Zweitligasaison ambitioniert angehen.

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Das hat nicht funktioniert. Sportlich nicht. Finanziell auch nicht. Der SCP hat sich tapfer geschlagen. Doch der Abstieg war nicht zu vermeiden. Wirtschaftlich angeschlagen und sportlich ausgeblutet wurde der Klub in der Folgesaison direkt in die Dritte Liga weitergereicht. Schlechter hätte es nicht laufen können. Einen ähnlichen Absturz mit einer ähnlichen Konzeptionierung hatte zuvor Eintracht Braunschweig erlebt.

Kein bundesligaerfahrener Neuzugang in Paderborn

Von daher ist es sehr mutig, dass die Paderborner nach ihrem zweiten Aufstieg nun erneut darauf beharren: Keine bundesligaerfahrenen Zugänge, Vertrauen in die Aufstiegself, Spielstil beibehalten, kleine Brötchen backen. Konsequent das durchziehen, was im Unterhaus der Erfolgsfaktor war. Teamgeist, Begeisterung, hoher physischer Aufwand, aggressives Pressing, tempogeladener Angriffsfußball.

Von den Zugängen haben Ersatzkeeper Jannik Huth und Linksaußen Gerrit Holtmann in Mainz mal ein wenig an der Bundesliga geschnuppert, Rechtsverteidiger Laurent Jans ist mit dem FC Metz in Frankreich in die Erste Liga aufgestiegen. Die restlichen neuen Spieler rekrutieren sich aus der Dritten Liga, aus der Regionalliga und in einem Fall sogar aus der Oberliga. Philipp Klement, im Vorjahr der beste und torgefährlichste Mittelfeldspieler der Zweiten Liga, ist zum VfB Stuttgart gewechselt. Ersatz? „Das fangen wir auf mit unserem Kader“, sagt Trainer Steffen Baumgart. Punkt.

Union Berlin investiert in Kader

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Union Berlin macht das ganz anders. Der Erstaufsteiger wollte auf Zugänge mit sehr viel Erstliga-Hintergrund nicht verzichten. Für jeden Mannschafsteil hat sich Trainer Urs Fischer einen neuen erfahrenen Leistungsträger besorgt. Für die Innenverteidigung: Neven Subotic (30), Deutscher Meister, DFB-Pokalsieger und Champions-League-Finalist mit Borussia Dortmund. Für das Mittelfeld: Christian Gentner (33), der langjährige Kapitän beim VfB. Für die Angriffsmitte: Anthony Ujah (28), zuvor Torschütze in Köln, Bremen und Mainz. Dazu kommen mit Sheraldo Becker noch ein Rechtsaußen aus der holländischen Ersten Liga (ADO Den Haag) und mit Marcus Ingvartsen ein offensiver Mittelfeldspieler aus der belgischen Ersten Liga (KRC Genk).

„Ich weiß nicht, wo Union das Geld hernimmt für diese Spieler“, meckerte kürzlich Friedhelm Funkel, der beteuert, beim Einkauf mit Fortuna Düsseldorf selbst im zweiten Erstligajahr hintereinander in andere Regalfächer greifen zu müssen. Bekannt ist, dass Union sich schon für die beiden vergangenen Zweitliga-Spielzeiten ein paar Millionen geliehen hat bei der umstrittenen Finanzfirma Quattrex.

Spannend zu beobachten, welche Strategie besser aufgeht: Der extrem bodenständige Ansatz des SC Paderborn – oder der erstaunlich investitionsfreudige Ansatz von Union Berlin?