Rehberg: Wirtschaftlich ist bei Mainz 05 alles im Lot

Yunus Malli. Archivfoto: Harald Kaster

In dieser Winterpause lässt sich konstatieren: Wirtschaftlich betrachtet steht Mainz 05 mit seiner Transferpolitik schon wieder leicht im Plus. Der Klub hat Reserven für den...

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. Auf der jüngsten 05-Mitgliederversammlung im Frühherbst 2016 hatte Finanzchef Christopher Blümlein dem neuen Sportdirektor Rouven Schröder bescheinigt, dass er ein guter Einkäufer sei. Blümlein hatte mit einem Augenzwinkern angefügt: „Ob er auch ein guter Verkäufer ist, das muss sich noch zeigen.“ In dieser Winterpause lässt sich konstatieren: Wirtschaftlich betrachtet steht der Klub - nach den für Mainzer Verhältnisse mutigen Ausgaben im Sommer – mit seiner Transferpolitik schon wieder leicht im Plus.

Im heutigen Profifußballgeschäft muss man mit Zahlen sehr vorsichtig umgehen. Die Bewertung des Transferwesens unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten ist eine komplexe Angelegenheit. Insbesondere die in Vertragsoptionen vereinbarten möglichen späteren Zusatzzahlungen bei Transfers lassen sich nicht exakt kalkulieren. Aber grob überschlagen darf man sagen: Die rund 25 Millionen Euro, die im Sommer für neue Spieler ausgegeben worden sind, sind inzwischen durch Transfereinnahmen kompensiert.

Leichte Plus-Tendenz

Vier Millionen für Julian Baumgartlinger, sechs Mio. für Loris Karius, 2,77 Mio. für Christian Clemens, 12,5 Mio. für Yunus Malli, ein paar Euro aus ablösefreien Kleinverkäufen und Leihgeschäften nebst eingesparten Gehältern (Dani Schahin, Pierre Bengtsson, Henrique Sereno, Maximilian Beister, Todor Nedelev, Florian Niederlechner) – da ergibt sich bereits in diesem Winter eine leichte Plus-Tendenz.

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Beim Bulgaren Nedelev, der als Leihspieler in Plovdiv in dieser Saison mit 18 Einsätzen, acht Toren und Nationalmannschaftsberufungen auf einem guten Weg ist, könnte im kommenden Sommer noch eine nennenswerte Ablöse erzielt werden. „Da gibt es schon Anfragen“, erklärt Rouven Schröder. „Für den Spieler gibt es einen Markt.“ Das gilt auch für Niederlechner, für den der Liga-Konkurrent SC Freiburg eine Kaufoption in Höhe von knapp unter zwei Millionen Euro ziehen kann und wahrscheinlich auch ziehen wird.

Bengtsson spielt eine gute Rolle beim französischen Erstligisten SC Bastia, viel verdienen lässt sich mit dem Schweden aber nicht mehr. Das gilt auch für Beister, der nicht einmal im australischen Melbourne ein Stammspieler ist. Sereno, der inzwischen im indischen Kalkutta kickt, sollte einfach nur runter von der Gehaltsliste. Ebenso wie Schahin, der ablösefrei nach Kerkrade gewechselt ist (und auch dort kaum ein Bein auf den Boden bekommt).

Suche nach Malli-Nachfolger

Wirtschaftlich ist also alles im Lot am Bruchweg. Der Klub hat Reserven für den Kauf eines Malli-Nachfolgers. Trainer Martin Schmidt wünscht sich einen neuen Zehner mit Qualität im offensiven Umschaltspiel und mit Torgefahr. Dieses Profil ist rar gesät auf dem Markt. Und diese leichtfüßigen Techniker sind teuer. Insbesondere in der Winter-Transferperiode. In der ja jeder interessante Spieler vertraglich gebunden ist. Nicht ausgeschlossen, dass Schmidt die anstehende Rückrunde ohne Zugang oder bestenfalls mit einem neuen Entwicklungszehner bestreiten muss.

Die aktuellen Optionen auf der Zehnerposition in Schmidts Lieblingssystem 4-2-3-1 sind (noch) Notlösungen. Aber der Trainer kann auch im flachen 4-4-2 antreten oder mit drei Sechsern im Mittelfeld (plus zwei flexiblen Flügelangreifern und einem Mittelstürmer). Systemumstellungen mangels personeller Alternativen auf bestimmten Positionen sind natürlich nicht ideal für einen Trainer. Aber wenn man weiß, dass die überwiegende Mehrheit an neuen Spielern in Mainz eine längere Anpassungszeit benötigt, dann kann man erahnen, welche überdurchschnittliche Qualität da jetzt gefunden werden müsste (und das zu 05-Konditionen im Bereich Ablöse und Salär), wenn der Anspruch lautet: sofortiger Startelfspieler auf der Zehner-Position.

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Keine wirtschaftlich riskanten Entscheidungen

Wirtschaftlich hoch riskante bis unvernünftige Entscheidungen haben in Mainz keine Tradition. Wir wissen, dass der Klub weiterhin nicht nur in Beine, sondern auch in Steine investieren will. Im Sommer sollen am Bruchweg die Bagger anrollen. Die linke Kopftribüne im alten Stadion (von der Haupttribüne aus betrachtet) soll abgerissen werden. Der aktuelle Trainingsrasen der Bundesligaprofis soll dann vertikal ausgerichtet werden. Daneben ist auf diesem Areal ein weiterer Rasenplatz für den Schmidt-Kader geplant - plus ein dritter Rasen, den die U23 nutzen soll. Dieses Projekt ist angesetzt mit Kosten von zweieinhalb bis drei Millionen Euro. In einem nächsten Planungsschritt könnte dann auf dem Areal der rechten Kopftribüne der Bau eines 05-Geschäftsgebäudes angegangen werden. Kostenpunkt: weitere drei bis vier Millionen Euro.

Wirtschaftliche Seriosität und Solidität im Sportbereich bleiben die Basis für die Schaffung von Werten auf dem Bruchweggelände, das eine Art 05-Campus werden soll. Die Zeit ist günstig für Investitionen: Die Kreditzinsen sind niedrig – und in der kommenden Saison werden die 05er aus dem neuen Fernsehvertrag gut 15 Millionen mehr erzielen als bisher. Einen Investor benötigt dieser Verein in diesem Moment nicht. Nach dem schreien nur Klubs und Fußball-Unternehmen, die in den vergangenen Jahren im Sportbereich (Ablösesummen, Gehälter, aufgeblähte Kader) hemmungslos riskant bis unseriös gearbeitet haben. Die spielen inzwischen in der Zweiten Liga. Oder sie stehen in der Bundesligatabelle nachhaltig hinter den 05ern.

Zum Beispiel der hoch verschuldete Hamburger SV. Der weiter munter einkaufen geht. Mit dem Geld eines steinreichen Gönners. Die Schulden bleiben. Der Neubau des Nachwuchsleistungszentrums musste gestoppt werden. Und im Kader steht mit Halen Halilovic (nur ein Beispiel) ein in Ablöse (zehn Millionen) und Gehalt (angeblich 2,8 Mio. im Jahr) sündhaft teurer Neuzugang, der nahezu keine Chance hat auf Startelfnominierungen. Fehler in dieser Größenordnung können sich die 05er gar nicht erlauben.