Rehberg: Zum Abschied des Bayern-Präsidenten Hoeneß

Herbert Hainer (2.v.l. nach r), neuer Präsident des FC Bayern München überreicht dem scheidenden Präsident Uli Hoeneß seine Auszeichnung zum Ehrenpräsient, während Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender der FC Bayern München AG dabei steht.  Foto: dpa

Wie kein zweiter hat Langzeitmanager und -präsident Uli Hoeneß den FC Bayern geprägt. Doch was kommt danach? Blogger Reinhard Rehberg blickt auf eine Ära zurück und...

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. Überall stand zu lesen: „Er wird der Bundesliga fehlen.“ Wie kann jemand fehlen, der gar nicht weg ist? Geht nicht. Uli Hoeneß mag beim FC Bayern nur noch ein normales Aufsichtsratsmitglied sein. Aber das stört den 67-Jährigen nicht. Der Langzeitmanager und -präsident wird sich noch einige Zeit da einmischen, wo er es für nötig hält. Irgendwann wird der künftige Vorstandschef Oliver Kahn vielleicht mal sagen: Uli, halt den Schnabel, wir kriegen das alleine hin. Doch das kann dauern.

Schauen wir über den Tellerrand. Die Frage, welche Verantwortungsträger der deutsche Profifußball mehr denn je benötigt, lässt sich durchaus festmachen an der Person Uli Hoeneß. Er war ein erfolgreicher Fußballer - Weltmeister, Europameister, Europapokalsieger, Deutscher Meister. Alles erlebt. Höhen und Tiefen. Er hat dem Managerjob in der Bundesliga ein Profil gegeben. Er war ein erfolgreicher Unternehmer in der Wurstbranche. Er hat sich in wirtschaftliche Zusammenhänge eingearbeitet; er diskutiert mit Vorstandsvorsitzenden von DAX-Unternehmen auf Augenhöhe. Er hat eine fundierte Meinung zu gesamtgesellschaftlichen Themen. Und er hat sich immer darum gekümmert, wie es den Menschen geht. Nicht nur „seinen“ Fußballern.

Bei allen Irrungen und Wirrungen in seinem Leben, diese Qualitäten spricht dem Mann, der seine Gefängniszeit wegen Steuerhinterziehung ungebrochen überstanden hat, niemand ab. Seine kritische Haltung zu der utopischen Entwicklung von Ablösesummen und Gehältern im Profigeschäft ist bekannt. Hoeneß hat mal ausgeschlossen, die Bayern könnten 100-Millionen-Tranfers machen. Heute weiß er: Wer ein deutscher und europäischer Branchengigant bleiben will, der wird an diesen Investitionen nicht vorbeikommen. Hoeneß hat sich gefügt. Und die Bayern können sich das leisten. Ohne Kohle von Oligarchen, arabischen Milliardären oder Staatsfonds.

In Gremien bei den Bayern hat Hoeneß nie Leute einziehen lassen, die nicht von irgendetwas viel verstehen, was im Profigeschäft wichtig ist. Sport, Fußball, Wirtschaft, Unternehmertum, Marketing, Politik, internationale Beziehungen – ohne tiefere Kenntnisse und Erfahrungen in mindestens einem dieser Bereiche hat es an der Seite von Hoeneß bei diesem Klub niemand in Amt und Würden geschafft. Kompetenz auf allen Ebenen. Auch deshalb ist der FC Bayern über die Jahrzehnte sportlich und wirtschaftlich stabil oben geblieben.

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Ich erinnere mich noch an mein erstes Interview mit Uli Hoeneß. Der FSV Mainz 05 war im Mai 2004 in die Bundesliga aufgestiegen. Wir arbeiteten in der Sportredaktion an einer Sonderbeilage. Anruf bei seiner Sekretärin in München. „Oh, der Uli hat im Moment überhaupt keine Termine frei.“ Dann hörte man aus dem Hintergrund eine Stimme. „Wer ist dran?“ Die Sekretärin antwortete: „Eine Zeitung aus Mainz.“ Hoeneß rief: „Her damit!“ Das Gespräch dauerte knapp eine Stunde. Hoeneß hat geplaudert. Mit Spaß an der Sache.

Hoeneß hat nicht nur geantwortet. Er hat auch interessiert gefragt. Wie Mainz 05 das geschafft habe, was Jürgen Klopp für ein Typ sei, wie Christian Heidel seine Transfers gestalte und so weiter. Hoeneß hat auch Mut gemacht. „Wir brauchen in der Bundesliga Vereine wie Mainz 05. Keine Angst, ihr könnt das schaffen.“ Ein ähnlich unterhaltsames und menschlich angenehmes Bundesliga-Interview erlebte ich später nur noch mal mit dem damaligen Freiburger Präsidenten Achim Stocker. Und: Von Autorisierung war nie die Rede, die beiden Verantwortungsträger wollten den Text nicht mal gegenlesen. Heute unvorstellbar.