Rehbergs Analyse: Ein Ergebnis mit Hängen und Würgen

Der Mainzer Julian Baumgartlinger klatscht im Spiel aufmunternd in die Hände, während sein Gegner Marvon Bakalorz (l.) zuschaut. Foto: dpa

Mit einem verwandelten Foulelfmeter in der vierten Nachspielminute hat Mainz 05 gegen Paderborn die dritte Startniederlage im dritten Wettbewerb verhindert. Der neue 05-Trainer...

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. Richtig schlau wird man aus der aktuellen Qualität des FSV Mainz 05 nicht. Mit einem verwandelten Foulelfmeter in der vierten Nachspielminute hat die Mannschaft von Kasper Hjulmand die dritte Startniederlage im dritten Wettbewerb verhindert. Der neue 05-Trainer hat ein Ergebnis gebraucht, er hat es geliefert. Mit Hängen und Würgen. Nicht unverdient. Aber gespickt mit vielen Unzulänglichkeiten in allen Mannschaftsteilen, in Defensive und Offensive. Eine verlässliche Bundesligastabilität strahlte diese Leistung beim Erstaufsteiger nicht aus. Zumal stärkere Gegner auf die Mainzer warten.

Aus der Schlussphase dieser umkämpften Partie kann Hjulmands Gemeinschaft Stärke ziehen. Die 05-Elf stand ab Wiederanpfiff schwer unter Druck. Die Ballbesitzkontrolle aus der ersten Halbzeit war weg. Die Struktur zerbröselte, die Passquote sank in den Keller, es regnete Ballverluste in sämtlichen Räumen. Ab der 70. Minute schufteten sich die 05er über den immer stärker werdenden Julian Baumgartlinger zurück ins Geschehen. In der besseren Phase ereignete sich das Gegentor zum 1:2. Kurz vor dem Abpfiff. Dass sich die 05-Profis nach diesem Schock noch drei Ausgleichschancen erarbeiteten, das spricht für den Widerstandsgeist der Mannschaft, für Moral, für Behauptungswillen. Das war gut, das ist ein Fingerzeig: Dieses Team wehrt sich, dieses Team lebt, dieses Team hat eine kollektive Dynamik.

Zu wenig torgefährlich

Auch wenn es langweilig wird, aber wichtige Elemente fehlen nach wie vor, etwa: Pressingattacken für mehr Balleroberungen und schnelle offensive Umschaltaktionen. Nach dem Abpfiff sprach Hjulmand erstmals von einem "neuen Stil" und von einer "neuen Methode". Wenn der neue Stil Dominanz über eigenen Ballbesitz ist, dann gilt es das zu akzeptieren. Die Zweifel bleiben, dass die 05er mit diesem Stilmittel als Hauptwaffe über die Runden kommen. Das sah phasenweise gut aus, geordnet, strukturiert, ruhig, ballsicher, aber Richtung gegnerischen Strafraum wenig zielstrebig und wenig torgefährlich.

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Filip Djuricic ist erst auf dem Weg, ein Bundesligaspieler mit der nötigen Wettkampfhärte zu werden. Der junge Zehner hat viel Talent, er hat gute Bewegungen, eine exzellente Technik, er ist ein guter Dribbler und Kombinationsspieler, er zeigt sich, er saugt Bälle an im Zentrum an, er verteilt geschickt, aber physisch fehlt dem Serben noch einiges. Was sich auswirkt auf sein ausbaufähiges Durchsetzungsvermögen in den offensiven Zweikämpfen. In der Angriffsauflösung fehlt die Tiefe im Spiel. Da braucht es dringend die gesuchten Verstärkungen, Außenstürmer mit Geschwindigkeit, mit Stärken im Tempodribbling und mit Zug zum Tor. Daniel Brosinski in der offensiven Dreierreihe war nicht mehr als eine Notlösung. Ja-Cheol Koo hatte seine guten Szenen in zentraleren Zonen. Shinji Okazaki als Strafraumbrecher und gieriges Abschlussmonster bleibt eine Bank.

Zu viele individuelle Fehler

In der Defensive erlaubt sich die Mannschaft nach wie vor zu viele individuelle Fehler. Die Organisation war besser als noch im Pokalspiel in Chemnitz. Aber einzelne Aussetzer lassen das Gesamtgefüge wackeln. Johannes Geis, dessen Fehlabspiel das 1:1 begünstigte, passiert das eher selten. Dem Chilenen Gonzalo Jara aber mangelt es noch an Fitness, das gilt auch für Linksverteidiger Jo Hoo Park. Stefan Bell war später als Innenverteidiger deutlich sicherer und auch wichtiger für das Team als auf der Rechtsverteidigerposition. Hjulmand ("Wir gehen heute einen kleinen Schritt zurück") hat mit der Bell-Versetzung immerhin ein Signal gesetzt, dass er gewillt ist, die Defensive zu stabilisieren. Die Ideallösung in der Positionsbesetzung war das noch nicht. Eines hat sich gezeigt: Nikolce Noveski ist der Turm im Abwehrzentrum.

Dass die Mainzer nach der Pause für gut 20 Minuten völlig den Zugriff auf den tapferen, aber spielerisch nicht überragend begabten Gegner verloren, sollte in dieser krassen Form nicht passieren. In dieser Phase reagierte die Elf nur noch, das sah passiv aus, teilweise taktisch wild. Dass der Gegner mehr läuft, schneller läuft und aggressiver in die Zweikämpfe geht, das ist schlecht. Die 05er sollten nicht ihre typische Überlebensmaschinerie, die viel mit Physis und Bereitschaft zu tun hat, aufgeben. Das wäre gefährlich. Stärkere Gegner mit höherer individueller Qualität nutzen das aus.