Salvador oder der tiefste Punkt - Deutschland steigt in WM ein

Wenn Cristiano Ronaldo gegen Deutschland so jubeln darf, wird es für die DFB-Elf schwer. Foto: dpa

Jogi sucht den tiefsten Punkt. Auf diesen kurzen Nenner lässt sich die Mission des deutschen Teams bei der Weltmeisterschaft in Brasilien bringen. Die Frage ist: Welchen Punkt...

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. Von Lars Hennemann

Gut, der nächste Gegener ist immer der schwerste. Und eines muss man dem Bundes-Jogi wirklich lassen: Er lässt zumindest nach außen kein Wort der Klage dringen. Obwohl er ja durchaus Grund dazu hätte: Reus verletzt, Schweinsteiger überspielt, Khedira vor allem deshalb dabei, damit sich andere an ihm aufrichten können. Und ob Philipp Lahm die Guardiola-Ansage "Lahm kann alles spielen außer Torwart" wirklich gut bekommen ist - schaun mer mal. Schlussendlich ein einziger echter Stürmer im gesetzten Alter von 36 - Klose als der personifizierte tiefste Punkt?

Nein, das wäre dann wohl doch zu negativ gedacht. Und speziell Klose gegenüber sowieso unfair. Mehr als sich anbieten kann er sich nicht. Und so furchtbar falsch war die Nachnominierung Mustafis für Reus vielleicht nicht. Wenn die Götzes, Müllers und Özils im deutschen Team ihren Job machen und ihn suchen, diesen tiefsten Punkt. Wenn nicht droht der erste Tiefpunkt.

Alle gegen CR7

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Ob Löws Kalkül aufgeht hängt nicht unmaßgeblich davon ab, ob die Portugiesen das zulassen. Cristiano Superstar spielt in der Form seines Lebens, seine Torquote ist wie sein Ego mittlerweile eine Klasse für sich. Allerdings ist das Spiel seines Teams auch arg auf ihn zugeschnitten. In der größten Stärke der Mannschaft von der iberischen Halbinsel könnte also zugleich ihre potenziell größte Schwäche liegen. Was wiederum bedeutet, dass es am Ende auf einen ganz anderen tiefsten Punkt ankommen könnte, nämlich auf den, der irgendwo in der Nähe des deutschen Strafraums liegt. Und ganz ehrlich: Dort beginnen dann meine echten Sorgen. Das Testspiel gegen Kamerun hat gezeigt, wie schnell die Defensivabteilung ins Schwimmen geraten kann. Aber die haben ja jetzt Mustafi...

Am Ende liegt die Wahrheit eh auf dem Platz, und alle taktischen Betrachtungen werden ganz schnell müßig. Der große Philosoph Karl-Heinz Rummenigge hat das einmal so zusammengefasst: "Wenn man über rechts kommt, muss die hintere Mitte links wandern, da es sonst vorn Probleme geben könnte". So ist es, und deshalb dürfte der tiefste Punkt der Erkenntnis in Salvador darin liegen, wie die deutsche Mannschaft so vom Feeling her sich und uns ins Turnier mitnimmt. Ein Offensivfestival dürfte nicht zu erwarten sein, geschweige denn zum Niederknien schöne Turbo-Attacken à la Robben und van Persie. Es dürfte eher auf das schon so oft strapazierte Diktum "über den Kampf zum Spiel" hinaus laufen: Knapper Sieg gegen Portugal, dito gegen Ghana, und dann hoffentlich insgesamt lockerer als 1982 oder 2002.

Es langt - knapp

Immerhin spricht die Statistik für uns. Neun Siege aus 17 Spielen und nur drei Niederlagen, von denen eine allerdings richtig weh getan hat: das 0:3 in Rotterdam bei der EM im Jahr 2000. Aber das ist lange her. Und somit lege ich mich fest: Auch wenn die Iberer Ronaldo haben und die schöneren Trikots (was angesichts des deutschen Leibchens keine Kunst ist), langt es am Ende knapp für uns. Wenn die Abwehr hält. Es scheint, als würde diese WM zur Suche nach einem tiefsten Punkt der typischen Art: Wie gut ist Deutschland immer noch als Turniermannschaft? Es ist ein Turnier! Also auf geht's!

Im nächsten Beitrag widmen wir uns dem Iran.