Tod nach Impfung wirft Fragen auf

aus Coronavirus-Pandemie

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Eine Spritze mit dem Impfstoff wird vorbereitet.  Symbolfoto: Sascha Kopp

Eine 91-Jährige stirbt in Wetzlar nach der Impfung gegen das Coronavirus. Es gibt keinen Hinweis auf einen Zusammenhang - wie sollen Medien darüber berichten?

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WETZLAR. Eine 91 Jahre alte Frau ist am Dienstag in einem Pflegeheim in Wetzlar gestorben – am selben Tag, an dem sie gegen das Coronavirus geimpft wurde. Ob der Tod im Zusammenhang mit der Impfung steht, ist unklar. Das Ergebnis der von der Staatsanwaltschaft angeordneten Obduktion steht noch aus. Nach Angaben des Lahn-Dill-Kreises litt die Frau an „verschiedenen Vorerkrankungen“; nach der Impfung sei ihr Gesundheitszustand stabil gewesen, „einige Zeit später“ am Tag habe er sich aber rapide verschlechtert. Da bisher kein unmittelbarer Zusammenhang zur Impfung erkennbar sei, würden die mobilen Impfungen in den Heimen fortgesetzt, teilte der Kreis mit.

Ob es einen Zusammenhang gibt, ist noch nicht geklärt

Der Tod der Frau wirft Fragen auf – zunächst einmal medizinische. Die Ursache muss geklärt werden. Aber es geht auch um den öffentlichen und journalistischen Umgang mit einer solchen Nachricht. Denn so schlimm diese für die Angehörigen ist, und so kalt und zynisch dies klingen mag: In normalen Zeiten wäre der Tod einer hoch betagten Frau in einem Altenheim kein Fall, über den groß berichtet und diskutiert wird.

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Aber es sind keine normalen Zeiten. Für Impfgegner und „Querdenker“ kann der Wetzlarer Fall als Beleg dafür dienen, dass die Impfungen die eigentliche Gefahr sind, und nicht das Coronavirus. Medien, auch diese Zeitung, stehen nun vor einem Dilemma. Berichten sie nicht darüber, setzen sie sich dem Vorwurf aus, „unliebsame“ Nachrichten zu verschweigen. Berichten sie darüber, liefern sie Impfgegnern möglicherweise Argumente. Der Lahn-Dill-Kreis hat sich dazu entschieden, transparent und sachlich über den Tod der Frau zu informieren, um keinen Stoff für Verschwörungserzählungen zu liefern. Aus den gleichen Erwägungen berichtet auch diese Zeitung offen darüber.

Ebenso haben wir vor Tagen über die bis dato 29 Todesfälle in Norwegen berichtet, die es dort kurz nach Impfungen bei sehr alten und gebrechlichen Menschen gab. Diese Zahl wird von der Gesundheitsbehörde zwar als „im Rahmen der Erwartungen“ und „nicht alarmierend“ eingestuft; die Behörde hat daraufhin aber ihre Empfehlungen geändert. Bei der Impfung sehr alter und todkranker Menschen wird nun ein „sorgfältiges Abwägen von Nutzen und Nachteil“ empfohlen. Die Impfstoff-Entwickler Biontech und Pfizer haben angekündigt, eng mit den Behörden zusammenzuarbeiten, um mögliche Zusammenhänge aufzuklären.

Es ist davon auszugehen, dass es auch in Deutschland noch weitere Todesfälle kurz nach Impfungen geben wird. Weil – und auch das mag nun kalt und zynisch klingen – derzeit vor allem in den Heimen geimpft wird, in denen nun einmal sehr alte, kranke und gebrechliche Menschen leben. Sollten Menschen kurz nach Impfungen sterben, muss also im Zweifelsfall geklärt werden, ob es tatsächlich einen ursächlichen Zusammenhang gibt – oder einen zeitlichen, also zufälligen.