Träumte Merkel von Barbie?

Barbie oder Merkel? Dank eines neuen CDU-Wahlplakats sind beide Welten gar nicht mehr so weit auseinander. Foto: dpa

Gerade vor einer Bundestagswahl denken manche wehmütig an die DDR zurück. Aus den verschiedensten Gründen. Dort wurde manchmal der Bock zum Gärtner gemacht. Aber es gab auch...

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. Der bekannte Spielzeugwarenhändler Toys R us ist pleite. Wir weinen und gehen auf die Seite www.toysrus.de... Aaahhh! Barbiepuppen sind noch da! Die Rettung. Barbie, hergestellt von Mattel, muss das Ding rausreißen. Sie hat alle Voraussetzungen. Wobei wir eines klarstellen: Uns geht sehr zu Herzen, was wir bei Wikipedia lesen: „Von feministischer Seite wurde Barbie regelmäßig kritisiert.“ Völlig zu Recht! Aber das ist jetzt egal, wir müssen alle Opfer bringen. Gut, über manche Vorwürfe kann man diskutieren. Laut Wiki haben Wissenschaftler Barbies Körpermaße auf Menschen umgerechnet und geurteilt, der Unterleib biete nicht genug Platz für alle lebenswichtigen Organe. Na und? Man kann nicht alles haben. Der Bundestag bietet schließlich auch nicht Platz für alle lebenswichtigen Fragen. Zudem habe Barbie in der Grundausstattung, in Menschenrelation, die Maße 99-46-84 gehabt. Ist natürlich übertrieben. 90- 60-90 reicht vollkommen; es gibt sogar Fälle, die man noch differenzierter bewerten muss.

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Inhaltlich vertraut und nicht geistreich fanden wir den Satz: „Da Barbie ursprünglich nur im Badeanzug verkauft wurde, brauchte sie dringend etwas zum Anziehen.“ Tatsächlich? Wir lesen weiter: „Die Spielmöglichkeiten...“ – was immer damit gemeint sein könnte – „...wurden erweitert, als weitere Puppen hinzukamen.“ Böse Zungen behaupten, bei diesen habe es sich vor allem um Daniela Katzenberger gehandelt. Ab 1996 hatte Barbie einen geschlossenen Mund, 2016 kam aber eine Spracherkennung hinzu, „die eine Art Gespräch mit der Puppe ermöglichte.“ Sprechen mit Barbies oder artverwandten Wesen? Vielleicht doch lieber 1996. In den 1990er Jahren habe Barbie mehrmals für das Amt des US-Präsidenten kandidiert. Nun, es ist nicht unrealistisch zu behaupten, dass dieser Trend im Sieg Trumps 2016 kulminierte, nur unter anderen Vorzeichen.

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Seit 1961 hatte Barbie einen festen Freund, Ken. Er habe bis 2000 meistens modelliertes Haar gehabt – auch zunehmend männliche Freunde, wie es heißt, aber ein Coming-out fand nicht statt. Trotzdem trennte sich Barbie 2004 von Ken. 2011, kein Scherz, habe er sie mit großformatigen Plakaten in New York zurückerobern wollen: „Barbie, we may be plastic, but our love is real.“ Es sind wirklich nur die allerbösesten Zungen, die behaupten, die FDP habe kurz überlegt, diesen Satz zu einem ihrer Wahlkampfslogans zu machen.

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Das ist jetzt wahrscheinlich der schwierigste Übergang in der Geschichte der „Woche“. Von Barbie und Ken zu Merkel und Schulz. Die CDU hat, kein Scherz, ein neues Wahlplakat. Es zeigt Angela Merkel als Dreijährige im Garten ihrer Eltern in der DDR. Nur die Harten kommen in den Garten. Die kleine Angela wollte schon damals volle Möhre das Gras wachsen hören. Und: Sie hat etwas in ihren Patschehändchen, was wie ein Heft aussieht. Sie hatte das Heft schon damals in der Hand! Arm- und Handhaltung: prärautal. Bekanntlich wurde die Kanzlerin als Angela Kasner 1954 in Hamburg geboren. Ihre Eltern, der Vater Pfarrer, siedelten noch im selben Jahr in die DDR um, obwohl in Hamburg seinerzeit die Elbphilharmonie noch nicht gebaut und der HSV in der Bundesliga noch nicht ständig in Abstiegsnot war, vor allem deshalb nicht, weil es die Bundesliga noch nicht gab. Wir ahnen aber jetzt, was Angela, spätere Merkel, dazu trieb, zurück in den Westen zu gelangen und gut zu verdienen: sie wollte Barbie. Oder Ken? In letzterem Fall ist die Enttäuschung groß. Stell dir vor, du willst Ken mit dem modellierten Haar und kriegst Schulz.