WM-Analyse: Deutschland - Mehr als ein Bayern-Block

Die deutsche Elf stellt sich auf - bis auf Nummer zwei Marc-André ter-Stegen könnte es die Startelf der WM sein. Foto: dpa

Die Bayern-Profis gehören zu den erfolgreichsten Spielern im deutschen Kader. Sie wissen, wie es sich anfühlt, Titel zu holen. Sie bilden den Kern des WM-Kaders von...

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. Von Björn-Christian Schüßler

Die meisten der deutschen WM-Spieler hat schon einmal ein Sportinternat, eine DFB-Akademie, ein Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) oder eine Fußballschule von innen gesehen. Nicht erst seit Matthias Sammer sich für die Neuordnung des Nachwuchsbereichs im Deutschen Fußball-Bund stark gemacht und NLZ etabliert hat, investiert der deutsche Fußball breit in die Entdeckung und Förderung junger Kicker und Talente.

Nur Müller und Hummels in München ausgebildet

Dabei ist es bemerkenswert, wie viele Nachwuchsspieler Jahr für Jahr aus den Jugendmannschaften der Top-Vereine Bayern München und Borussia Dortmund nicht etwa in den Kader der beiden Bundesligisten, sondern in die Zweite und Dritte Liga abwandern. Oder bei Bundesliga-Konkurrenten den nächsten Schritt ins Profigeschäft machen sollen – immer das Beispiel Philipp Lahm vor Augen, der zwei Jahre beim VfB Stuttgart reifte, um schließlich in München Verantwortung zu übernehmen und ganz groß rauszukommen.

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Bundestrainer Joachim Löw findet seit dem WM-Titel 2014 Gefallen an Blockbildung in seinem 23er-Kader. Sieben Spieler stehen aktuell beim deutschen Rekordmeister Bayern München unter Vertrag, gegen Mexiko standen mit Manuel Neuer, Mats Hummels, Jérôme Boateng, Joshua Kimmich und Thomas Müller gleich fünf davon in der Startelf. Gegen Schweden werden vermutlich auch Niklas Süle und Sebastian Rudy Spielminuten erhalten. Doch einzig Müller und Hummels wurden von den Bayern entdeckt und in Jugendteams gefördert und ausgebildet, einzig Müller schaffte es auf Anhieb nachhaltig in den Profikader. Die anderen: Kaufmasse.

Der Schwaben-Block

Blickt man genauer auf die Vita der WM-Nationalspieler, so ist angesichts der Causa Lahm gar nicht verwunderlich, dass sechs Spieler ihren ersten Profivertrag in und um Stuttgart unterzeichnet haben, der VfB diese Karrieren mit viel Augenmaß und hoher Risikobereitschaft beim Einsatz der jungen Talente angeschoben hat. Löw, der selbst in Baden-Württemberg seine Wurzeln hat, hat also noch einen zweiten Block im Kader: Joshua Kimmich, Marvin Plattenhardt, Sami Khedira, Sebastian Rudy, Mario Gomez und Timo Werner sind made in Schwaben. Nicht umsonst stehen auch weiterhin Toptalente aus der VfB-Schmiede hoch im Kurs – auch in Europa. Jüngst wechselte Nationalkeeper Bernd Leno von Bayer Leverkusen zum FC Arsenal in die englische Premier League. Er wurde beim VfB Stuttgart zu einem Toptalent geformt.

Der Ruhrpott-Block

Auch das Ruhrgebiet mischt beim aktuellen WM-Kader der Deutschen munter mit, auch wenn dieser nicht so offensichtlich ist. Doch immerhin sind sechs Spieler in Löws Obhut in Gelsenkirchen oder im näheren Umkreis geboren. Während Manuel Neuer, Julian Draxler und Mesut Özil direkt in der Knappenschmiede des FC Schalke 04 zu Toptalenten reiften, ging Ilkay Gündogan wie auch Leon Goretzka über den Umweg VfL Bochum den Marsch in die Topteams Europas an. Der einzige Dortmunder im Kader – die BVB-Fans werden mir Formulierung „die Geburtsstadt im Umkreis von Gelsenkirchen“ verzeihen, wagte sich sogar in die Niederungen der Zweiten Liga, zu Rot-Weiß Ahlen (einst LR Ahlen), um zu beweisen, was in ihm steckt. Zählt man den kurz vor dem Turnier aussortierten Leroy Sané dazu, der ebenfalls bei Schalke 04 ausgebildet wurde, so kann man getrost sagen, dass das Ruhrgebiet einen Löwenanteil an einer erfolgreichen Titelverteidigung hätte.

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Dagegen sieht die Fraktion aus der Hauptstadt – Antonio Rüdiger, der ebenfalls beim VfB Stuttgart den Sprung zu den Profis schaffte, und Boateng stammen aus Berlin – schon fast ärmlich aus.