WM-Analyse: Polen - Gescheiterter Milik schlägt zurück

Arkadiusz Milik ist einer der Nutznießer, wenn Robert Lewandowski für die Polen Räume reißt. Doch das klappt nicht immer. Foto: dpa

Bei Bayer Leverkusen und de FC Augsburg konnte sich der hochtalentierte Arkadiusz Milik nicht in Szene setzen. Erst als der Pole nicht im Schatten eines Konkurrenten im Sturm...

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. Von Frederik Voss

Die Geschichte von Arkadiusz Milik ist so eine klassisches Geschichte. So klassisch, dass man das Gefühl hat, sie schon zum 1000. Mal zu hören. So klassisch aber auch, dass man am Ende sagt: Hach, diese Geschichten schreibt halt nur die Fußball.

Es beginnt in Tychy, einer Stadt im Süden Polens, mit rund 130.000 Einwohnern und gefühlt genauso vielen Plattenbauten. Hier kickt „Arek“ mit seinen Kumpels. GKS Tychy spielt heute in einem schicken kleinen Stadion mit 15.000 Zuschauern in der zweiten polnischen Liga. Ende der 90er Jahre und zu Anfang dieses Jahrtausends scheint Tychy jedoch kein Pflaster für Jungs zu bieten, die von einer Karriere als Fußballer träumen.

Dribblings und linker Fuß sind die Stärken

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Slawomir Mogilan erkennt das. Er nimmt Milik und ein paar andere Jungs mit zu Rozwoj Katowice. 20 Kilometer von Tychy entfernt gibt es sowas wie Nachwuchsförderung. Die Mannschaft entwickelt sich unter Mogilan und nicht nur ihm fällt auf, dass dieser Arkadiusz Milik mal ein Großer werden könnte. Areks linker Fuß und der Ball verstehen sich prächtig. Die flinken Dribblings, die ihn heute in Polens Nationalmannschaft und beim SSC Neapel auszeichnen, legt er schon damals an den Tag. Milik bleibt fast elf Jahre in Katowice. Bei seinem Debüt in der vierten Liga im Jahr 2010 trifft er doppelt: Bei Gornik Zabrze spielt er nur kurz in der zweiten Mannschaft, ehe er sich einen Platz in Ekstraklasa-Team in der ersten Liga erarbeitet. 38 Spiele absolviert er in eineinhalb Jahren und schießt dabei 11 Tore. Die Bundesliga klopft an.

Und vor der Tür steht im Winter 2012/2013 Rudi Völler mit allerlei Verheißungen für deutsche Fans und Medien. „Polens vielleicht größtes Talent“ stellt Tante Käthe in der BayArena vor. Miliks Problem war und ist nur, dass es immer jemand Größeres als ihn gab und gibt und das scheint dem bescheiden wirkenden 24-Jährigen durchaus etwas unangenehm zu sein. In Leverkusen war es seinerzeit noch Stefan Kießling, in Polen und eigentlich auch sonst überall ist es Robert Lewandowski. Es mag mal angenehm sein, wenn man im Schatten eines solchen Superstars seine Tore schießen kann. Es dürfte aber eben auch echt unangenehm sein, wenn man immer wieder in den Schatten des Nationalmannschaftskollegen gestellt wird.

In Leverkusen und Augsburg gescheitert

„Vielleicht kam mein Wechsel nach Deutschland zu früh“, sagte Arek später. In Leverkusen funktionierte in sechs Spielen nichts, er landete in der zweiten Mannschaft, wurde anschließend nach Augsburg verliehen, wo es in 18 Spielen auch nur zu zwei Toren reichte. An seinem Status in der Nationalmannschaft änderte das nichts. Nationaltrainer Adam Nawalka hatte Milik schließlich damals schon in Zabrze zum Erstliga-Debüt verholfen und schätzte seinen Jungen nachwievor. Der Stürmer mit dem eiskalten Abschluss zahlte in Toren zurück.

Und das tat er dann auch in den Niederlanden. Der Wechsel zu Ajax Amsterdam fiel Arkadiusz Milik nach eigenem Bekunden im Sommer 2014 leicht. Die Leihe erwies sich als Erfolg für Klub und Spieler. Ajax kaufte Milik später und der traf und traf und traf: 32 Tore in zwei Jahren, darunter wichtige Treffer auch in der Europa League.

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Nach einer erfolgreiche EM 2016 mit Polen wechselte Arek für kolportierte 35 Millionen Euro in die Serie A zum SSC Neapel und auch in Italien zeigte er prompt seine Treffsicherheit. Einzig das Knie machte dem jungen Polen in Neapel immer mal wieder zu schaffen: Schon zweimal riss er sich das Kreuzband. Für die Weltmeisterschaft ist er nun aber bereit. Die Geschichten schreibt halt nur der Fußball.