WM-Helden für Argentinien: Kempes (1978), Maradona (1986),...

Mario Kempes wurde beim ersten WM-Titel Argentiniens in der Heimat auch Torschützenkönig. Archivfoto: dpa

Im Vorfeld des WM-Turniers wurde Argentinien zu den Topfavoriten auf den Titel gehandelt. Und dass, obwohl der letzte Finaleinzug bereits 24 Jahre, der letzte Titel 28 Jahre her...

Anzeige

. Von Peter Becker

Die Asociacón del Fútbol Argentino von 1893 ist der erste Fußballverband in Südamerika und einer der ältesten auf der Welt. Aber das Fußball-verrückte Land machte erst 1978 das erste Mal so richtig auf sich aufmerksam. Im Endspiel wurde die Niederlande mit 3:1 nach Verlängerung besiegt, und WM-Ausrichter Argentinien, das unter anderem den WM-Torschützenkönig Mario Kempes in seinen Reihen hatte, war damit zum ersten Mal Fußballweltmeister. Im achtgrößten Staat der Erde stand alles Kopf und in der Hauptstadt Buenos Aires wurde Tango getanzt.

Den deutschen Fußball-Fans ist die 78er WM wohl eher als "Schmach von Cordoba" im Gedächtnis, als man gegen das Nachbarland Österreich als amtierender Weltmeister mit 2:3 verlor.

1982 kam für Maradona noch zu früh

Anzeige

Vier Jahre später bei der WM in Spanien machte erstmals ein Fußballer von sich reden, der einmal ein ganz besonderer werden sollte: Diego Armando Maradona. Mit noch neun Spielern aus der 78er Weltmeisterelf wurde die Titelverteidigung anvisiert, doch in der Finalrunde setzte es ausgerechnet gegen den ewigen Rivalen Brasilien eine 1:3-Niederlage. Argentinien wurde Gruppenletzter. Zu allem Überfluss sah Maradona nach einem Magentritt gegen Batista auch noch die Rote Karte, da der Brasilianer ihm ständig auf den Füßen stand und er deshalb genervt war.

Durchbruch in Neapel, Winner in Mexiko

Auf Vereinsebene wurde Maradona allerdings nun in Europa bekannt. Sein Wechsel zum FC Barcelona und zwei Jahre später zum SSC Neapel, mit dem er in den 1980er Jahren insgesamt acht Titel gewann, ließen den Argentinier zum Superstar aufsteigen. Den Höhepunkt seiner Karriere bildete aber die WM 1986 in Mexiko. Als Mannschaftskapitän führte er sein Team durch das Turnier, mit der "Hand Gottes" gegen England ins Halbfinale und schließlich auch ins Endspiel gegen Deutschland.

Im Finale wurde Maradona teilweise von zwei Spielern (Lothar Matthäus und Karlheinz Förster) gedeckt. Der kleine Argentinier kam nicht so zur Entfaltung wie im bisherigen Turnier, schaffte aber mehr Räume für seine Mitspieler (vor allem Jorge Valdano und Jorge Burruchaga). Fünf Minuten vor Spielende gab Maradona den entscheidenden Pass auf Burruchaga, der zum 3:2-Siegtreffer vollendete. Argentinien war zum zweiten Mal Weltmeister und hatte diesen Titel zum Großteil Maradona zu verdanken (5 Tore und 5 Torvorlagen), der mit dem "Ballon d'Or" als bester Spieler der WM ausgezeichnet wurde.

Finalrevance in Rom

Anzeige

Erstmals in der Geschichte der Weltmeisterschaften kam es dann 1990 bei der WM in Italien zu einer Finalrevanche. Die ersatzgeschwächte argentinische Mannschaft - vier Spieler waren gesperrt - hatte im ganzen Spiel keine einzige Torchance. Insbesondere Maradona konnte nicht an die Leistungen bei der WM in Mexiko anknüpfen, da er von Guido Buchwald in Manndeckung genommen wurde. Aber da die deutsche Mannschaft ihre Torchancen lange Zeit nicht nutzen konnte, musste ausgerechnet ein Elfmeter die Entscheidung bringen. Dieser wurde aber nicht nach einem klaren Foul an Klaus Augenthaler gepfiffen, sondern nach einer umstrittenen Attacke gegen Rudi Völler, was viele Beobachter als Konzessionsentscheidung auffassten.

Hatte im Viertelfinale noch Lothar Matthäus den entscheidenden Strafstoß verwandelt, so war es diesmal Andreas Brehme, der die Verantwortung übernahm. Es war das erste WM-Finale, das durch einen Elfmeter entschieden wurde.

Im neuen Jahrtausend nur ins Viertelfinale

Der Vize-Weltmeistertitel war vorerst der letzte WM-Erfolg der "Albiceleste", da man bei den nächsten fünf Titelkämpfen nie über das Viertelfinale hinaus kam. Bei der letzten WM 2010 in Südafrika tauchte der Name Maradona wieder auf, diesmal als Trainer der Nationalmannschaft. Und er hatte einen Spieler in seinen Reihen, der beim FC Barcelona schon für Furore gesorgt hatte. Aber auch Lionel Messi konnte das Debakel im Viertelfinale gegen Deutschland nicht verhindern. Mit 0:4 ging man unter, was auch gleichzeitig die Trainerkarriere von Maradona beendete. Die internationale Presse kommentierte die Leistung des deutschen Teams als herausragend. Argentinien wurde gedemütigt.

Jetzt heißt es bei der WM in Brasilien wieder in die Erfolgsspur zurückzukehren, zumal Spieler wie Messi, Mascherano, Di Maria, Higuain, Aguero, Garay und Demichelis in Top-Clubs in Europa immer zu den Besten ihrer Teams zählen. Trainer Alejandro Sabella ist seit knapp drei Jahren im Amt und gewann die Qualifikation zur Weltmeisterschaft mit seinem Team eindrucksvoll. Der vierfache Weltfußballer Lionel Messi ist das Aushängeschild dieser Mannschaft. Durch den Vorteil, auf dem Heimkontinent zu spielen, könnte Argentinien durchaus an bessere Zeiten anknüpfen.

Am nächsten Spieltag widmen wir uns Russland und Südkorea.