WM-Kommentar: Brych kann das besser

Schiedsrichter Dr. Felix Brych (links) kam bislang nur beim Spiel der Serben gegen die Schweiz zum Einsatz. Foto: dpa

In der WM-Vorrunde hatte der Weltverband Fifa ein glückliches Händchen mit der Ansetzung der Schiedsrichter. Selbst Videobeweis unerfahrene Referees hinterließen auf dem...

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. Von Björn-Christian Schüßler

Eine Flut an Gelben Karten, heftige Diskussionen mit dem kolumbianischen Kader nach fast jedem Pfiff, Fehlentscheidungen zu Hauf wie nach dem Kopfstoß von Barrios gegen Henderson, der zwingend Rot für eine Tätlichkeit bedeutet, aber wie in anderen Situationen - zum Beispiel bei Ronaldos Ellbogenschlag - trotz Videobild-Studium nur mit Gelb geahndet wurde. Das WM-Achtelfinale zwischen England und Kolumbien wird nicht nur wegen des historischen Erfolgs der Insel-Fußballer vom Elfmeterpunkt in Erinnerung bleiben.

Schiedsrichter Geiger aus den USA hat versagt. Es war schon seine dritte Partie bei diesem Turnier, die ihm aber schon in der ersten Halbzeit zu entgleiten drohte, und ihn spätestens nach dem Kopfstoß von Barrios völlig überforderte. Wie kann es sein, dass die Fifa diesem Schiedsrichter eine dritte Partie gibt, ein Ausnahmekönner wie der Deutsche Brych aber weiter auf der Tribüne schmoren muss?

Fifa-Argumente klingen hölzern

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Der Kriterien für Schiedsrichter gibt es viele, mit denen der Weltverband Brychs lediglich einfache Nominierung bislang rechtfertigt: Neutral muss er sein, seine Herkunft darf keine direkten oder indirekten Einflüsse auf Partien zulassen, die das eigene Land betreffen. Vorteil Geiger, denn die USA sind in Russland gar nicht dabei. Doch auch das DFB-Team ist inzwischen ausgeschieden. Zudem durften auch der Mexikaner Palazuelos und der Argentinier Pitana im Achtelfinale ran, obwohl deren Nationalteams die K.o.-Runde erreicht hatten.

Da hörte man das Argument, es müssten erst alle nominierten Referees einmal eingesetzt sein, bevor Brych eine zweite Ansetzung bekommt. Fragwürdiges Argument, denn während der Neuseeländer Conger oder der Russe Karasev gegen Ende der Vorrunde erstmals die Pfeife in die Hand nahmen, hatten Exoten wie der Senegalese Diedhiou oder der Iraner Faghani bereits ihre zweite Chance erhalten.

Skandalspiel hängt Brych nach

Also hängt Brych sein Skandal-Duell nach. Serbien hatte sich nach dem späten 1:2 gegen die Schweiz bitterbös gezeigt und dem Deutschen Schiebung und Betrug vorgeworfen. Zudem hatte er den Doppelkopf-Jubel der Schweizer mit kosovarischen Wurzeln, Xhaka und Shaqiri, nicht unterbunden oder zumindest als Politikum geahndet. Brych leistete sich objektiv betrachtet keinen Schnitzer, hatte die emotionalen serbischen Angreifer genauso im Griff wie die immer wieder diskutierenden Schweizer.

Ähnlich souverän wie Brych agierten in Russland bisher auch Ausnahmekönner wie der Niederländer Kuipers, der Usbeke Irmatov, der Slowene Skomina oder der Italiener Rocchi. Doch jeder zweite Einsatz eines Exoten ist für den Deutschen kein Grund zum Lachen. Sikazwe aus Sambia interpretierte einmal den Videobeweis falsch, Shukralla ließ sich genauso wie nun Geiger von den Spielern auf der Nase rumtanzen, auch wenn der Bahrainer sich keinen Patzer leistete.

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Darf Brych jetzt auf höhere Weihen hoffen? Schließlich gilt es in den letzten acht Spielen der WM, Skandale und Fehlentscheidungen zu vermeiden und auf erfahrene Referees zu setzen. Pfeift der Münchner am Ende sogar das Finale? Nach derzeitigem Stand sollte er darauf nicht wetten. Geiger allerdings dürfte nach seiner letzten Leistung die Koffer schonmal packen.