Alarm mit Ansage

Am Warntag heulen bundesweit die Sirenen.  Foto: Axel Schmitz

Wichtiges Training für die Menschen, aber ein Stresstest für die Tiere – wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zum bundesweiten Warntag am Donnerstag zusammengefasst.

Anzeige

DEUTSCHLAND. Achtung, kein Grund zur Panik: Wenn an diesem Donnerstagvormittag in vielen Städten und Dörfern die lauten Alarmsirenen losgehen, hat alles seine Ordnung. Denn es ist ein Alarm mit Ansage: Der bundesweite Warntag soll vor allem die Bevölkerung sensibilisieren. Deshalb werden auch in Hessen und Rheinland-Pfalz neben den heulenden Sirenen die Warn-Apps piepen und Rundfunksender ihr Programm unterbrechen. Den Menschen also soll der Tag viele Erkenntnisse bringen, für viele Tiere aber wird er zum echten Stresstest. Welche Ziele der Warntag hat, warum manche Sirenen in der Region dennoch stumm bleiben, und was Tierschützer sagen: wichtige Fragen und Antworten.

Was passiert am Probealarmtag? An diesem Donnerstag, 10. September, findet um 11 Uhr ein bundesweiter Probealarm statt. Das gibt es zum ersten Mal seit der Wiedervereinigung. Alle vorhandenen Warnmittel sollen getestet werden. Dazu gehören zum Beispiel Warn-Apps, Nachrichten über Radio und Fernsehen, aber auch Sirenen. Um 11.20 Uhr folgt die Entwarnung.

Warum ist der Warntag am 10. September? Im größten Teil von Deutschland ist dann schon wieder Schule, so dass man davon ausgehen kann, möglichst viele Menschen zu erreichen. Der Warntag soll künftig jedes Jahr am zweiten Donnerstag im September stattfinden.

Anzeige

Welchen Sinn hat der Warntag? „Es hat sich gezeigt, dass Menschen in Krisensituationen vor allem auf Bekanntes und bereits Erlerntes zurückgreifen“, sagt Christoph Unger, Präsident des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bonn. Deshalb sei es sinnvoll, so etwas einzuüben. Außerdem gebe es eine zunehmende Zahl von Naturkatastrophen, zum Beispiel die Hitzewellen von 2018 und 2019, Terroranschläge wie in Halle oder Hanau oder aktuell die Corona-Pandemie. Diese Ereignisse hätten gezeigt, dass ein Warnsystem wichtig sei.

Werden überall auch Sirenen heulen? Es werden viele Sirenen heulen, aber welche Warnmittel jeweils genau zum Einsatz kommen, entscheiden die örtlichen Behörden.

Warum heulen manche Sirenen nicht? Unter anderem aus technischen Gründen - nicht mehr alle Sirenenempfänger verfügen über die Möglichkeit, den einheitlichen Warnton sowie die Entwarnung umzusetzen. Die derzeit laufende Umstellung von analoger auf digitale Alarmierungstechnik mache eine schnelle und einheitliche Warnung zum Stichtag unmöglich, teilte etwa die Kreisverwaltung Bad Kreuznach mit. In Rheinland-Pfalz werden die Sirenen neben dem Kreis Kreuznach auch in den Landkreisen Birkenfeld und Rhein-Hunsrück nicht heulen, in Hessen ist zum Beispiel der Schwalm-Eder-Kreis betroffen.

Die Sirenen stammen ja teils noch aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Warum sind sie heute immer noch nötig? Sirenen gelten vor allem nachts als zuverlässiges Warnmittel. Ihr Heulton holt die Menschen aus dem Schlaf, wenn Fernseher, Radio und Handy ausgestellt sind. Der hessische Landesfeuerwehrverband (LFV) hält Sirenen trotz der wachsenden Verbreitung von Katastrophen-Warn-Apps für unverzichtbar. „Wir brauchen die Sirenen“, sagt LFV-Geschäftsführer Harald Popp. Sie seien ein Baustein, um die komplette Bevölkerung im Notfall zu alarmieren. Auch im Alltag würden die Geräte zur Erzeugung von Heultönen noch verwendet: Gerade im ländlichen Raum seien Sirenen mancherorts noch das Signal für Feuerwehr-Einsätze. Und: Noch immer hat nicht jeder ein Smartphone – und folglich auch keine Warn-App.

Sind die Sirenen veraltet oder modern? Laut Popp wurden viele Sirenen nach dem Ende des Kalten Krieges abgebaut, weil man sie für überflüssig gehalten habe. Doch das habe sich geändert. Heute hielten manche Städte wie Kassel Hochleistungssirenen bereit, während andere Kommunen zum Beispiel in Südhessen komplett auf die Geräte verzichten. Auch nach Angaben von Nikolai Zaplatynski, Pressesprecher der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion in Trier, rüsten einige Kommunen im Südwesten wieder auf. In Mannheim und Ludwigshafen etwa gebe es ein eigenes Sirenenkonzept. In Koblenz wurde am Dienstag nach Angaben der Feuerwehr mit der Vorstellung einer ersten modernen Anlage auf einem Schuldach der Startschuss gegeben für zahlreiche geplante Sirenen mit Gesamtkosten von rund 800.000 Euro. Bis wahrscheinlich 2028 sollen sie alle montiert sein. In Kaiserslautern läuft laut Zaplatynski derzeit ein Pilotprojekt, bei dem mittels kleiner Lautsprecher an Straßenlaternen gewarnt werde.

Anzeige

Wenn es doch die Sirenen gibt - wozu braucht man dann noch andere Warnmittel? Sirenen können nur kundtun, dass Gefahr im Verzug ist, aber nicht welche. Über Lautsprecherfahrzeuge kann man die Bevölkerung viel konkreter warnen. Und über Apps wie Katwarn, Hessenwarn oder Nina, die Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes, kommt die Warnung sogar direkt auf das Handy. Und man sieht sofort den Anlass der Warnung.

Wie funktioniert die App Nina? Nina wurde vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) entwickelt und ist mit dem sogenannten Modularen Warnsystem verknüpft. Das ist das satellitengestützte Warnsystem des Bundes, das Warnungen des BBK und lokale Warnungen der Leitstellen verbreitet. Nina empfängt aber auch Wetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes und Hochwasserwarnungen.

Was kann der Grund für einen echten Alarm sein? Das können Brände, Unwetter, Hochwasser, Bombenentschärfungen, Schadstoffaustritte und andere Gefahren sein.

Gibt es eine allgemeine Empfehlung, wie man sich im Ernstfall verhalten soll? Das Bundesamt sagt dazu: „Mit jeder Warnung erhalten Sie in der Regel Informationen zur Gefahr und Empfehlungen, was Sie zu Ihrem Schutz tun können. Generell gilt: Bewahren Sie Ruhe, informieren Sie sich über die Medien und unterrichten Sie gegebenenfalls Ihre Nachbarn.“

Was sagen Tierschützer zu dem Warntag? Bundesweit sollen etwa 15.000 Sirenen testweise aufheulen. Tiere können auf diesen Lärmpegel nervös und verängstigt reagieren, sagt Daniela Schrudde von der Welttierschutzgesellschaft. Eine „furchtauslösende Belastung“ sieht auch die hessische Tierschutzbeauftragte Madeleine Martin: „Die Töne sind sehr laut und anhaltend, Tiere können sie nicht einordnen und verstehen. Insbesondere bei Pferden wäre es denkbar, dass sie panisch werden und von der Weide ausbrechen. Hunde könnten sich verkriechen wollen oder auch ausdauernd bellen und jaulen.“

Was können Tierhalter tun? Wer weiß, dass er ein ohnehin ängstliches und geräuschempfindliches Tier zu Hause hat, sollte für den Zeitraum zwischen 11 und 11.20 Uhr ein paar Vorkehrungen treffen. - für Hundehalter: Sie sollten die Gassirunde mit ihrem Vierbeiner in jedem Fall auf einen früheren oder späteren Zeitraum verschieben. - für Katzenhalter: Katzen, die am Vormittag gerne auf Erkundungstour gehen, bleiben in diesem Zeitraum besser im Haus. - für Pferdehalter: Für den Zeitraum des Sirenengeheuls sind die Tiere im Stall besser als auf der Weide aufgehoben. - für Kleintier- und Vogelhalter: Besitzer können den Tieren die besondere Situation erleichtern, indem sie den Käfig oder das Gehege abdecken und es möglichst in ein ruhiges Zimmer und weit weg vom Fenster stellen.

Grundsätzlich empfiehlt Daniela Schrudde, die Tiere während des Alarms nicht alleine zu lassen. Ein abgedunkeltes und möglich ruhiges Zimmer sorgt für Entspannung, ebenso können Musik oder Fernseher für eine gewohnte und beruhigende Geräuschkulisse sorgen. „Im besten Fall bleiben Tierhalter in der Nähe, um ihre Tiere zu beruhigen und Panikattacken zu verhindern“, sagt auch Tierschutzbeauftragte Martin.