Exklusiv aus der Redaktion: Spannende Themen aus Hessen

Neues aus Hessen.

Abschied von einer Wintersport-Ikone, ein Blick auf 15 Jahre Elterngeld und wenig Interesse an Türkisch als Fremdsprache an Hessens Schulen  – das ist heute wichtig.

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Region. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine führt so manchen in diesen Tagen in ein moralisches Dilemma. Anfang der Woche starben mindestens 89 russische Soldaten beim Beschuss einer Militärunterkunft in Makijiwka im Gebiet Donezk. Doch ist der Tod so vieler Menschen nun eine gute Botschaft – selbst wenn sie aufseiten des Aggressors kämpften? Ich weiß es nicht. Zumindest zeigt Makijiwka, dass die Ukraine noch immer nicht gewillt ist, sich dem russischen Machtanspruch zu unterwerfen. Das einzelne Leben, so scheint es, zählt in Wladimir Putins Feldzug nicht viel. Zumal das Kreml-Regime vor allem Angehörige der ethnischen Minderheiten seines Vielvölkerstaates verheizt. Für die Oberschicht in den russischen Metropolen bleibt der Krieg daher noch immer ein weit entferntes Ereignis. Wer einmal verfolgt hat, wie im russischen Staatsfernsehen der Krieg verklärt und über künftige Eroberungen diskutiert wird, der ahnt, dass Putin noch viele weitere eilig Mobilisierte an die Front schicken wird. Mit allen schrecklichen Folgen für diejenigen, die seine Großmachtträume auf beiden Seiten der Front ausbaden müssen.

TOP 3 DES TAGES

Pfiat di, Rosi! 

Rosi Mittermaier ist im Alter von 72 Jahren gestorben.
Rosi Mittermaier ist im Alter von 72 Jahren gestorben. (© Angelika Warmuth/dpa)
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Gianni Infantino, Präsident des Fußball-Weltverbands Fifa, hat in dieser Woche mal wieder seine Verachtung für jede Form von Anstand zu Protokoll gebracht. Über die Beerdigung des legendären Pelé stolzierte er Selfie-knipsend. So ist er leider allzu oft, der moderne Sportzirkus: um maximale Aufmerksamkeit heischend, ohne jeden Anflug von Selbstreflexion. Wie wohltuend war da stets die Bodenständigkeit einer Rosi Mittermaier. Jüngere werden sie vor allem als sympathische Figur aus der Fernsehwerbung kennen. Oder als Mutter von Ski-Ass Felix Neureuther. Für viele Ältere war sie dagegen ein generationenübergreifendes Vorbild. Als Ski-Rennfahrerin stand sie für Bescheidenheit, soziales Engagement und Integrität. In einer Zeit, in der der große Sport immer mehr zur großen Show verkommen ist, blieb sie frei von Allüren und Skandalen. Bardo Rudolf verabschiedet sich von ihr.

Papas ante portas

Nur wenige Väter nehmen mehr als zwei Monate Elternzeit in Anspruch.
Nur wenige Väter nehmen mehr als zwei Monate Elternzeit in Anspruch. (© Sebastian Gollnow/dpa)

Sei 15 Jahren gibt es bereits das Elterngeld. Wissenschaftler ziehen nun eine gemischte Bilanz: Zwar ist die Erwerbsbeteiligung von Müttern gestiegen, und auch Väter nehmen die Leistung vermehrt in Anspruch. Doch noch immer können sich nur wenige Männer zu mehr als zwei „Vätermonaten“ durchringen. Das Gros an Kinderbetreuung und Hausarbeit bleibt also weiterhin an den Frauen hängen. Elisabeth Saller geht dem Phänomen auf die Spur.

Kein Interesse an Türkisch

Auch in Wiesbaden wird herkunftssprachlicher Unterricht angeboten - die Qualität lässt manchmal zu wünschen übrig.
Auch in Wiesbaden wird herkunftssprachlicher Unterricht angeboten - die Qualität lässt manchmal zu wünschen übrig. (© Archivfoto: dpa)
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Zwei hessische Schulen in Lollar und Kassel haben Türkisch in diesem Schuljahr als zweite Fremdsprache angeboten – doch gerade mal zehn Schüler waren daran interessiert. Damit ist bereits zum zweiten Mal ein solches Pilotprojekt von Misserfolg geprägt. Für die hessischen Ausländerbeiräte ist das ein herber Rückschlag – Kultusminister Alexander Lorz stand dagegen nie überzeugend hinter dem Versuch. Der soll im nächsten Schuljahr dennoch fortgeführt werden. Nele Leubner fasst zusammen.

ZU GUTER LETZT

Wie fürsorglich darf ein Staat sein? Und haben Menschen nicht auch ein Recht darauf, ihre Gesundheit zu ruinieren? Solche Fragen stellten sich in den vergangenen Monaten wohl viele Neuseeländer. Der Inselstaat verbietet künftigen Generationen das Rauchen. Das Parlament in Wellington hat eines der schärfsten Nichtrauchergesetze der Welt beschlossen: Demnach darf an Menschen, die am oder nach dem 1. Januar 2009 geboren wurden, kein Tabak mehr verkauft werden. Und der Nikotinanteil in tabakhaltigen Produkten soll sinken. „Es gibt keinen guten Grund, den Verkauf eines Produkts zu erlauben, das die Hälfte der Menschen, die es nutzen, tötet“, sagt Vize-Gesundheitsministerin Ayesha Verrall und will Milliarden im Gesundheitswesen einsparen. Ob der Plan der Neuseeländer aufgeht und von anderen Nationen aufgegriffen wird, zählt zu den spannenden Fragen der kommenden Jahre. Schließlich will Premierministerin Jacinda Ardern ihr Land als weltweit erstes bis 2025 „rauchfrei“ machen. Doch noch greift jeder zehnte Neuseeländer zum Glimmstängel. Und erste Klagen gegen das Gesetz sind bereits auf dem Weg.