Wölfe werden wieder in der Region heimisch

Ein Wolf steht in seinem Gehege.

In Hessen und Rheinland-Pfalz werden vermehrt Wölfe sesshaft. Und es gibt bereits Nachwuchs, weiterer wird erwartet. Gibt es deshalb auch mehr Risse an Weidetieren?

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Mainz/Wiesbaden. Der Wolf kehrt in die Region zurück: Nachdem die Tiere mehr als ein Jahrhundert ausgerottet waren, sind in den vergangenen zwei Jahren hier sogar Welpen gezeugt worden. So hat es beispielsweise in den hessischen Territorien Rüdesheim und Wildflecken sowie in dem Bereich des Stölzinger Gebirges Nachwuchs gegeben – in Rüdesheim sogar bereits zum zweiten Mal. Auch im rheinland-pfälzischen „Leuscheider Rudel” im nördlichen Westerwald hat es sowohl 2020 und 2021 Nachwuchs gegeben. Es besteht mittlerweile aus bis zu 13 Tieren.

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Und die Tiere sind grenzüberschreitend unterwegs: Annika Ploenes vom Wolfszentrum des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) berichtet, eine Fähe – also eine Wölfin – aus dem 2021-Wurf des Rüdesheimer Rudels sei im vergangenen Sommer im rheinland-pfälzischen Leubsdorf unterwegs gewesen. Die Jungwölfe verlassen meist mit 10 bis 22 Monaten mit der Geschlechtsreife das elterliche Territorium, um in einem eigenen Gebiet sesshaft zu werden und einen Paarungspartner zu finden. Dann beginnt für sie oft eine Wanderung über hunderte Kilometer nach einem eigenen Revier und einem Partner. Auf diese Wanderung hat sich auch ein Nachkomme des Leuscheider Wolfspärchens begeben – er ist mittlerweile im hessischen Wetteraukreis sesshaft.

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Die Bundesländer führen Monitorings durch, um die Wolfspopulation zu dokumentieren. Dazu werden beispielsweise Riss- und Kotspuren ausgewertet sowie Wildkameras genutzt. Das Frankfurter Senckenberg-Institut für Wildtiergenetik sammelt alle genetischen Proben in einer bundesweiten Datenbank – so können einzelne Spuren zugeordnet und sesshafte Tiere identifiziert werden.

Beide Länder gehen davon aus, dass die Wolfspopulation in der Region noch ansteigt und weitere Landesteile dauerhaft besiedelt werden könnten. Denn nicht nur durch Nachwuchs kann die Population wachsen, sondern auch durchziehende Wölfe auf der Suche nach einem Territorium können hier sesshaft werden. Einer Studie des Bundesamts für Naturschutz (BfN) zu bundesweit möglichen Wolfsterritorien zufolge haben beide Bundesländer noch „Raum” für weitere Wolfsterritorien. In anderen Bundesländern allerdings sind der Großteil der für Wölfe geeigneten Lebensräume bereits besetzt – das erhöht den Druck für die Tiere, weiter fort zu wandern und auf andere Länder auszuweichen.   

In Rheinland-Pfalz deutlich mehr Nutztierrisse durch Wölfe als in Hessen

Wölfe sind aber nicht unumstritten, so sorgen sich beispielsweise Weidetierhalter um ihr Vieh. Bedeuten wachsende Populationen auch mehr Risse durch Wölfe? Nicht unbedingt, wie die Zahlen aus Hessen zeigen: Obwohl die Zahl der sesshaften Wölfe und der Nachweise von teils durchziehenden Tieren in den vergangenen Jahren stetig zugenommen hat, ist die Anzahl der bestätigten Nutztierrisse gegenüber früheren Jahren laut HLNUG teils sogar zurückgegangen – zwischen 2019 und 2022 schwanken die Zahlen zwischen 12 und zwei gerissenen Nutztieren jährlich. Im vergangenen Jahr wurden zehn Wolfsübergriffe auf Nutztiere in Hessen nachgewiesen, bei denen insgesamt 17 Tiere getötet wurden.

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Beispielsweise im Oktober acht Schafe im Lahn-Dill-Kreis oder im Mai eine Ziege im Vogelsbergkreis. Deutlich häufiger als Risse an Nutztieren ist von Wölfen gerissenes Rotwild. In Rheinland-Pfalz zeigt sich ein anderes Bild: Dort sind mit Zunahme der Wolfspopulation auch die Nutztierrisse gestiegen. So sind nach Angaben des Umweltministeriums von 2019 bis 2021 die erfassten Risse von 13 auf insgesamt 89 pro Jahr gestiegen. Der Großteil der gerissenen oder verletzten Nutztiere waren Schafe oder Ziegen. Im vergangenen Jahr ist die Zahl aber wiederum gesunken: Bei 44 Übergriffen von Wölfen wurden lediglich noch 51 Nutztiere verletzt oder getötet.