Mainzer Damian Lohr räumt Chefposten bei AfD-Nachwuchs

Der Bundesvorsitzende der Jungen Alternative, Damian Lohr, will sein Amt abgeben. Archivfoto: dpa

Weil er sich von Flügelkämpfen in der „Jungen Alternative“ zerrieben fühlt, will Damian Lohr den Bundesvorsitz der Jungen Alternative abgeben. Aber im Land bleibt er aktiv.

Anzeige

MAINZ. Damian Lohr will nicht mehr länger Bundesvorsitzender der AfD-Nachwuchsorganisation „Junge Alternative“ (JA) sein. Der 26 Jahre alte Landtagsabgeordnete aus Mainz hat dem Bundesvorstand der JA diesen Schritt in einem Brief angekündigt, der dieser Zeitung vorliegt.

Lohr schreibt in dem am Dienstag verschickten Brief, er habe immer einen „Mittelweg“ zwischen den verschiedenen Strömungen in AfD und JA gesucht und dafür geworben, was ihm „eine starke Ablehnung der Ränder“ eingehandelt habe. „Für die einen war ich die Marionette des Verfassungsschutzes und der Liberale, für die anderen habe ich zu wenig Leute herausgeworfen und war der böse Flügler.“

Weil er in den vergangenen Wochen den Eindruck gewonnen habe, dass dieser Ausgleich nicht mehr gefragt sei, werde er sein Amt beim nöchsten Bundeskongress der JA, der je nach Corona-Lage spätestens im Februar 2021 stattfinden soll, zur Verfügung stellen. „In der jetzigen aufgeheizten Situation sind Brückenbauer und ausgleichende Charaktere nicht mehr erwünscht, und das respektiere ich“, schreibt Lohr.

Anzeige

Zugleich erwähnt Lohr auch, dass die Konflikte in der Mutterpartei nicht spurlos an der JA vorübergegangen seien. Im AfD-Bundesvorstand tobt seit Wochen ein offener Machtkampf, insbesondere zwischen dem Bundesvorsitzenden Jörg Meuthen und dem ehemaligen Brandenburger Fraktionschef Andreas Kalbitz.

Lohr will im Landtag bleiben

Letzterer, eng verbandelt mit dem Thüringer AfD-Landtagsfraktionschef Björn Höcke, soll bei seinem Eintritt in die AfD die Mitgliedschaft in einer rechtsextremen Gruppierung verschwiegen haben. Meuthen will Kalbitz deshalb ausschließen, der wehrt sich nun juristisch.

Lohr, der 2016 auf Listenplatz acht im Wahlkreis Mainz in den Landtag einzog, will nach Informationen dieser Zeitung auf jeden Fall im rheinland-pfälzischen Landtag bleiben und sich erneut für einen aussichtsreichen Listenplatz bei der Wahl am 14. März 2021 zur Verfügung stellen. Sein Rücktritt als JA-Bundeschef stehe auch nicht im Zusammenhang mit der Tatsache, dass die Nachwuchsorganisation unlängst vom Bundesverfassungsschutz als „rechtsextremistischer Verdachtsfall“ eingestuft worden ist.

Von Ulrich Gerecke