Kolumne von Wortpiratin Mara Pfeiffer: Ehrenamt als...

aus Mainz 05

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Wer wird der Vorstandsvorsitzende von Mainz 05? Grafik: VRM  Foto:

Warum in Zusammenhang mit Sandro Schwarz das "Aber" im Internet bei Kommentaren zu Mainz 05 gerade sehr beliebt ist. Und warum beim Thema 05-Satzung ein Blick in die Satzung des...

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MAINZ. Sie kennen das sicher: Eigentlich sollte man dieses Internet nach einem verlorenen Spiel für 24 Stunden nicht aufmachen. Der Nerven wegen. Und dann ist man doch neugierig, was sich so tut. Mein Lieblingssatz aktuell ist dieser: „Ich fand Sandro anfangs echt gut, aber...“ Gibt es in zig Variationen. „Anfangs war ich Schwarz’ gegenüber positiv eingestellt, aber...“ „Ich war echt dafür, Sandro eine Chance zu geben, aber...“ Alle gleich herrlich und ganz, ganz wichtig ist natürlich das „aber“ am Ende. Mit dem darauf verwiesen wird, dass man nun, nachdem der Mann schon ein gutes halbes Jahr im Amt ist, natürlich langsam die Geduld verliert. So groß ist die Verzweiflung bei einigen, dass sie sogar Thomas Tuchel fordern, der hier vor nicht allzu langer Zeit beschämender Weise noch ausgepfiffen wurde. Was habe ich gelacht.

Lediglich ein Tor fehlte

Nicht, dass man sich nicht grämen dürfte nach einem Heimspiel, das gegen den verunsicherten BVB gefühlt so unnötig verloren geht. Man stellt sich bei den Temperaturen ja nicht bis kurz vor Mitternacht ins Feld, um die Mannschaft verlieren zu sehen. Dass die einen Plan hatte, zu dessen Vollendung lediglich ein Tor fehlte, war in der ersten Halbzeit gut zu sehen. Leider ist das Tor aber entscheidend und nachdem es auf der anderen Seite fiel, wirkten unsere Buben etwas fahrig. Passiert. Ist aber lediglich ein Rückschlag, und nicht das vorgezogene Saisonende via spontanem Ligaausschluss. Angeblich soll es da noch eine Rückrunde geben!

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Für die hat der Aufsichtsrat der Mainzer den neuen Mann in Sachen Marketing und Finanzen gefunden: Jan Lehmann, bisher beim Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Nielsen Sports und zuvor mehrere Jahre bei der DFL tätig, wird neben Rouven Schröder der zweite Hauptamtliche im 05-Vorstand. Lehmann ist ausgewiesener Marketingexperte, promovierter Wirtschaftswissenschaftler und nicht zu verwechseln mit seinem Namensvetter Jens Lehmann – Letzterer ist als Experte eher streitbar und glänzte zuletzt durch homophobe Einlassungen über seine albtraumigen Duschphantasien mit Thomas Hitzlsperger.

Blick in die VfB-Satzung

Die beiden Spieler spreche ich übrigens deshalb an, weil ich nach einer galanten Überleitung zum VfB Stuttgart gesucht habe, für den sie beide das Trikot überstreiften. Ich wurde nämlich in einer Diskussion um den künftigen Präsidenten unseres geliebten Vereinchens kürzlich mal gefragt, ob ich mir je die Satzung des VfB angeschaut hätte. Jetzt lese ich vorm Einschlafen nur selten die Satzungen anderer Bundesligisten, in diesem Falle aber ist die Lektüre für 05-Fans aktuell sehr zu empfehlen und das Dokument im Internet leicht auffindbar.

Wie bei uns in Mainz nämlich wählt auch bei den Schwaben die Mitgliederversammlung den Präsidenten, dort als Teil eines Präsidiums. Gewählt werden dessen Mitglieder auf Vorschlag des Vereinsbeirats, dem zuvor die Vereinsmitglieder Vorschläge für Kandidaten unterbreiten. Übertragen nach Mainz hieße das, die Vereinsmitglieder schlagen der Wahlkommission Kandidaten vor, deren Votum folgt der Aufsichtsrat und nennt Kandidaten für die tatsächliche Wahl. Das Spannende in Stuttgart ist der §16c, in dem es heißt: „Der Vereinsbeirat entscheidet in allen Fällen, ob die Mitglieder des Präsidiums haupt- oder ehrenamtlich tätig sind.“

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Die Frage, ob ein Präsident ehrenamtlich oder hauptamtlich tätig ist, wird also von Fall zu Fall festgelegt, was das Bewerbungsverfahren für Kandidaten verschiedener Qualifikationen und Hintergrunde öffnet. Dabei verbleibt die Entscheidung darüber, wer dem Verein als Präsident vorsteht, bei den Mitgliedern, mit der Einschränkung, dass natürlich auch mal ein Kandidat aus Satzungsgründen nicht zugelassen wird, was in Mainz ebenfalls passieren kann. Über die Frage der Hauptamtlichkeit des neu zu wählenden Präsidenten ist zuletzt sehr viel diskutiert worden. Warum nicht ein Modell, das eine Einzelfallentscheidung anhand der Qualifikationen zulässt? Noch bleibt ein wenig Zeit für Anträge zur Änderung der aktuellen Satzung...

Mara Pfeiffer ist freiberufliche Journalistin und Autorin. Unter anderem von "111 Gründe, Mainz 05 zu lieben" (mit Christian Karn). Homepage: www.marapfeiffer.de Mara Pfeiffer bei Twitter: Wortpiratin

Von Mara Pfeiffer