Mainz 05: Neuer Vorsitzender soll kein Top-Manager, sondern...

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Detlev Höhne, Aufsichtsratsvorsitzender von Mainz 05, will nicht mehr für das Gremium kandidieren.   Archivfoto: Sascha Kopp

Am 21. Januar 2018 wählen die Mitglieder des 1. FSV Mainz 05 einen neuen Vereins- und Vorstandsvorsitzenden. Aufsichtsratchef Detlev Höhne erklärt nun im Interview, welche...

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MAINZ. Mit der Anstellung des kaufmännischen Vorstandes Dr. Jan Lehmann hat der Aufsichtsrat des 1. FSV Mainz 05 eine Baustelle geschlossen. Bleibt der nach dem Rücktritt von Johannes Kaluza vakante Posten des ehrenamtlichen Vereins- und Vorstandsvorsitzenden. Bis zum 24. Dezember können Bewerber ihre Unterlagen einreichen. Im AZ-Interview erklärt der Aufsichtsratsvorsitzende Detlev Höhne, warum das Kontrollgremium die Satzung nicht ändern möchte und weshalb eine klare Personalentscheidung wichtig wäre.

Herr Höhne, zuletzt ist immer wieder über die Frage diskutiert worden, ob der Vorsitzende nicht besser hauptamtlich statt ehrenamtlich sein sollte. Ist mit einer entsprechenden Satzungsänderung zu rechnen?

Es gibt zwar Anträge in diese Richtung, aber wir als Aufsichtsrat möchten das beschlossene Vereinsmodell beibehalten – und zwar aus zwei Gründen. Zum einen hat sich die Mitgliederversammlung vor wenigen Monaten mit einer übergroßen Mehrheit für dieses Modell des ehrenamtlichen Vorsitzenden entschieden. Und die Mitglieder haben sich vorher im Rahmen von Informationsveranstaltungen auch ausführlich darüber informiert. Nach der Auffassung des Aufsichtsrates ist in den vergangenen Monaten nichts passiert, weshalb wir von dem Modell eines ehrenamtlichen Vorsitzenden abweichen sollten. Zum anderen haben wir durch die Anstellung des kaufmännischen Vorstandes Dr. Jan Lehmann und unseren Sportvorstand Rouven Schröder zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte zwei Vollprofis als Vorstände plus vier Geschäftsführer, die nachgewiesen haben, dass sie ihre Geschäftsbereiche erfolgreich leiten können. Für unseren Verein ist das in Summe hauptamtlich genug. Was unser aber fehlt, ist das Gesicht nach außen. Wir suchen dringend einen Vereinsvorsitzenden und keinen Top-Manager.

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Wenn also alles so bleiben soll: Wie gehen Sie mit den durchaus doch aufgetretenen Rollenkonflikten in den Gremien um?

Wir glauben nach wie vor, dass unsere Satzung das Rollenmodell richtig beschreibt. Der Vorsitzende ist für den ideellen Bereich zuständig und die Hauptamtlichen für das laufende Geschäft. Da das aber nicht explizit in der Satzung steht, hat der Aufsichtsrat entschieden, eine Klarstellung als Satzungsergänzung einzureichen, wonach nur die Hauptamtlichen für das laufende Geschäft zuständig sind.

Ändert das etwas an der pauschalen Aufwandsentschädigung von 3000 Euro pro Monat für das Amt des Vorsitzenden?

Wir haben nach einer ausführlichen Diskussion, auch unter Einbezug von externer Beratung, diese Entschädigung über 3000 Euro beschlossen – und sie soll weiterhin für die kommenden zwölf Monate bestehen bleiben. Wir sind gerne bereit, uns danach mit dem Vereinsvorsitzenden zusammenzusetzen und zu besprechen, ob die Höhe dem tatsächlichen Aufwand gerecht wird.

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Eine Anpassung wäre wohl nur erforderlich, wenn der Vereins- und Vorstandsvorsitzende auch einen operativen Bereich erhalten würde. Ist das der Plan?

Das wollen wir als Aufsichtsrat eindeutig nicht. Natürlich ist er in strategische Fragen einbezogen, Mitglied des Vorstandes, leitet die Sitzungen, aber er ist auf keinen Fall für das operative Geschäft zuständig. Deshalb wird unser Geschäftsverteilungsplan für den Vorsitzenden keinen operativen Bereich vorsehen. Wir glauben, dass wir mit dem Modell der zwei hauptamtlichen Vorstände und vier Geschäftsführern für die Zukunft hervorragend aufgestellt sind.

Bedeutet das nicht, dass dann der Vereinsvorsitzende, wie es Harald Strutz einmal ausgedrückt hat, nur der „Grüß-August“ wäre?

Auf keinen Fall. In unserem Verein stehen in den nächsten Jahren viele strategische Fragen an, zum Beispiel zum Ausbau des Nachwuchsleistungszentrums mit oder ohne Geschäftsstelle, zur Eigentumsfrage der Opel Arena. Bei der Strategie ist der Vorsitzende besonders gefragt, auch bei der Kommunikation mit Mitgliedern und Fans, bei der Verbandsvertretung und vielem mehr, um das Tagesgeschäft kümmern sich diejenigen, die dafür eingestellt und bezahlt werden.

Schon im Sommer ist deutlich geworden, dass es nicht einfach ist, passende Kandidaten für einen ehrenamtlichen Posten mit einem solchen Ausmaß zu finden. Was stimmt Sie zuversichtlich, dass das nun gelingt?

Es gibt in unserem Verein einige Mitglieder, die über Führungserfahrung in komplexen Organisationen verfügen. Das bedeutet beispielsweise, Vertrauen zu den hauptamtlichen Führungskräften aufzubauen. Wenn ich als ehrenamtlicher Vorsitzender eines Vereins glaube, ich müsste jedem Vorgang auf der Geschäftsstelle hinterherrennen, dann funktioniert das nicht.

Wird der Aufsichtsrat sein Vorschlagsrecht wahrnehmen?

Bei uns kann sich jedes Mitglied bewerben oder Vorschläge einreichen, da unterscheiden wir uns deutlich von anderen Vereinen im Profifußball. Der Aufsichtsrat hat ein eigenes Vorschlagsrecht, ob wir das wahrnehmen wollen, haben wir noch nicht entschieden. Aus unserer Sicht bekommen wir nur dann eine Ruhe in den Verein, wenn wir eine möglichst klare Personalentscheidung am 21. Januar bekommen. Wieder eine Entscheidung von 51 zu 49 Prozent bei zwei Kandidaten ist eine Zerreißprobe für den Verein. Das haben wir bei der letzten Entscheidung gesehen. Also kann es nur das Ziel von uns allen sein – Aufsichtsrat und Mitglieder –, die Kraft zu haben, jemanden zu finden, der eine große Mehrheit auf sich vereinen kann.

Wie stehen Sie zu möglichen Bewerbungen von Jürgen Doetz und Frank Röhr, die ihre Kandidatur zumindest nicht ausgeschlossen haben?

Das habe ich nur aus Ihrer Zeitung erfahren. Bisher hat keiner von beiden erklärt, ob er kandidiert. Deshalb kann ich dazu keine Aussage treffen.

Sie sagen selbst, dass die Stärke eines Vorsitzenden immer auch von seiner Rückendeckung abhängt. Wie viele Mitglieder müssen zur Wahl kommen, damit es nicht – wie bei Kaluza – so endet, dass es heißt, die Ultras hätten die Wahl entschieden?

Es wäre schön, wenn noch mehr Mitglieder an der Wahl teilnehmen würden. Wie in allen anderen Vereinen kommen aber in der Regel nur diejenigen, die ein aktives Interesse an der Zukunft haben und diese gestalten wollen. Dass also die aktive Fanszene besonders stark vertreten ist, ist nicht sonderlich überraschend.

Inwiefern muss sich die Wahlkommission in ihrer Prüfung der Bewerber für die Zulassung zur Kandidatur an den Vorstellungen des Aufsichtsrates orientieren?

Die Wahlkommission hat einen eigenen Beurteilungsspielraum, den sie natürlich auch behalten muss. Aber sie richtet sich in ihrer Beurteilung auch nach der Satzung und den Beschlüssen der Mitgliederversammlung und des Aufsichtsrates aus.