Mainz 05: Ultras entscheiden die Wahl des neuen...

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Vorgänger und Nachfolger: Harald Strutz (links) gratuliert dem neuen Vorstandsvorsitzenden Johannes Kaluza.Foto: dpa  Foto: dpa

Als das Ergebnis des zweiten Wahlgangs auf der Leinwand öffentlich wurde, wurde es in der Halle 45 laut. Auf der einen Seite. Kaum hatte sich Johannes Kaluza mit 498 Stimmen...

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MAINZ. Als das Ergebnis des zweiten Wahlgangs auf der Leinwand öffentlich wurde, wurde es in der Halle 45 laut. Auf der einen Seite. Kaum hatte sich Johannes Kaluza mit 498 Stimmen in der Stichwahl gegen Jürgen Doetz (458) durchgesetzt, sprangen die Ultras von ihren Sitzen und stimmten Fangesänge an. Auf den neuen Vorstandsvorsitzenden des 1. FSV Mainz 05. Und auf sich. Spätestens in diesem Moment wurde deutlich: Die Ultras haben die Wahl entschieden. Schon im Vorfeld der außerordentlichen Mitgliederversammlung hatten sie in einer Mail die Unterstützung des 62-jährigen Kaluza eingefordert.

Unter anderem, weil der Unternehmer „viele Entwicklungen im modernen Fußballgeschäft“ ablehne. „Das klare Bekenntnis gegen eine Ausgliederung und der Ausschluss eines Investoreneinstiegs trifft unseren Standpunkt zu 100 Prozent“, schreiben sie in der Mail. Zudem hieß es immer wieder, Kaluza habe den Ultras in Gesprächen Zusagen gemacht. Worauf sich diese Zusagen beziehen sollen, ist allerdings nicht bekannt.

Der unbekannteste der Kandidaten setzt sich durch

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Und so setzte sich der unbekannteste der drei Kandidaten um den Vorstandsvorsitz in zwei Wahlgängen gegen seine Kontrahenten Frank Röhr und Jürgen Doetz durch. Kaluza entschied dabei schon den ersten Wahlgang mit 381 Stimmen vor Doetz (304) und Röhr (295) für sich. Nachdem Röhr als Kandidat mit den wenigsten Stimmen ausgeschieden war, wechselten zwar mehr Röhr-Befürworter in das Lager von Doetz (+154 Stimmen), doch auch Kaluza gewann Röhr-Wähler für sich (+118) und setzte sich am Ende knapp durch.

In seiner Vorstellung hatte der Unternehmer betont, „für Klartext zu stehen“ und sich gegen den „überschäumenden Kommerz der Liga“ stemmen zu wollen. Der Verein Mainz 05 gehöre zu 100 Prozent seinen Mitgliedern. „Deshalb dürfen wir als Mainz 05 nicht länger schweigen und müssen die Vereinskultur retten“, betonte Kaluza, der sich in seinem neuen Ehrenamt als „Hüter der Satzung“ sowie „Vorsitzender eines Vereins und Vorstandsvorsitzender eines Unternehmens“ sieht. Kaluza unterstrich, aufgrund seines beruflichen Hintergrundes die für das Amt notwendige Erfahrung mitzubringen. „Wer Busfahrer werden will, muss auch einen Führerschein haben“, sagte er.

"Aufbruch in eine neue Ära"

Eine klare Aussage vermied Kaluza allerdings in der Diskussion über den Einsatz von Pyrotechnik. Während sich seine beiden Konkurrenten Doetz und Röhr klar gegen den Einsatz von Bengalos in Stadien aussprachen, blieb Kaluza in seinen Ausführungen äußerst vage und endete mit dem dünnen Satz: „Ich habe mir da noch kein abschließendes Bild gemacht.“ Auch auf die Frage, ob er vom ehemaligen 05-Marketingchef Klaus Drach – für viele im Verein noch heute ein rotes Tuch – beraten werde, antwortete Kaluza nicht, sondern verwies lediglich darauf, keinen festen Beraterstab zu haben, sondern beim Golf immer wieder mit Leuten ins Gespräch zu kommen.

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In seiner ersten kurzen Rede als neuer Vorstandsvorsitzender blickte Kaluza nach vorne. „Das ist ein Aufbruch in eine neue Ära“, sagte er.

Für Jürgen Doetz endet hingegen eine Ära. Wie seine langjährigen Vorstandskollegen schied der 72-Jährige aus seinem Vorstandsamt aus, wäre lediglich im Falle einer Wahl zum Vorsitzenden in einer Funktion geblieben. So aber schließt sich für Doetz das Kapitel Mainz 05 nach fast 29 Jahren. Zuvor hatte er noch überzeugend dafür gekämpft, den Verein „mit Herz und Verstand“ in die Zukunft führen zu wollen. Doch die Mitglieder entschieden sich gegen Doetz – und gegen Röhr. Für den 50-Jährigen wäre das Amt „eine Herzensangelegenheit“ gewesen. Nun aber ist Johannes Kaluza der neue Vorstandsvorsitzende des 1. FSV Mainz 05. Sein Versprechen an die Fans: „Ich werde euch zuhören, ich werde euch ernst nehmen.“ Die Reaktionen nach seiner Wahl haben gezeigt, dass vor allem die Ultras darauf zurückkommen werden.