Schwimm-Weltrekordler Marco Koch wechselt nach Frankfurt

Schwimm-Weltrekordler Marco Koch wechselt nach Frankfurt. Archivfoto: Jens Büttner/dpa

Auf dem Weg nach Olympia 2020 wählen Marco Koch und Reva Foos einen neuen Weg. Die beiden Schwimmer verlassen den DSW Darmstadt und trainieren künftig bei der SG Frankfurt.

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DARMSTADT/FRANKFURT. Darmstadt. Marco Koch wählt auf dem Weg nach Tokio einen ganz neuen Weg. Der Schwimm-Weltmeister von 2015 verlässt seinen Heimatverein DSW 1912 Darmstadt und wird künftig bei der SG Frankfurt das Training absolvieren, das ihn zum Erfolg bei den Olympischen Spielen 2020 führen soll. Damit verbunden ist auch der Vereinswechsel seiner Lebensgefährtin Reva Foos, die nach einer starken Europameisterschaft in Glasgow ebenfalls Olympia im Visier hat.

"Wir haben uns für die Entscheidung viel Zeit genommen. Aber wir wollten einen neuen Reiz für die kommenden zwei Jahre setzen, um noch einmal einen draufzusetzen", wird Marco Koch in einer Mitteilung des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) zitiert. "In der Phase vor den deutschen Meisterschaften, in der wir in der gleichen Konstellation gearbeitet haben, haben wir gemerkt, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Jetzt setzen wir diesen fort", erklärt Koch weiter.

In Frankfurt werden beide von Shila Sheth betreut, der hessischen Landestrainerin. Chef-Bundestrainer Henning Lambertz ist für die Trainingsplanung und -steuerung zuständig. Nach dessen Worten erfolgte der Wechsel in enger Absprache. Für die SG Frankfurt betonte Sportdirektor Michael Ulmer: "Uns ist wichtig zu betonen, dass der Wechsel absolut sauber über die Bühne gegangen ist und von unserer Seite keine Abwerbung beider Athleten stattgefunden hat".

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In Darmstadt wurden Koch und Foos von Alexander Kreisel trainiert, der den Wechsel freilich bedauert. "Das ist natürlich schade, aus meiner Sicht, aber auch nachvollziehbar", erklärte der Coach in Bezug auf Koch, der sich nach mehreren Rückschlägen umorientiert habe. "Es musste ein Schritt kommen." Für Foos, die in den vergangenen Jahren eine tolle Entwicklung genommen habe, könne diese Begründung freilich nicht gelten. "Aber das machen sie als Paar." In Frankfurt seien die Möglichkeiten "schon anders und ich hoffe auch, dass sie da erfolgreich sind. Da kann man nur die Daumen Drücken", erklärte der langjährige Coach. Der dem Wechsel auch eine positive Seite abgewinnt. "Das ist für mich eine Chance, mich auch auf andere Leute zu konzentrieren." Denn der DSW habe noch ein paar weitere Eisen im Feuer, wie etwa Toptalent Anna Elendt. "Ich bin ja Vereinstrainer." Und gerade die Arbeit mit dem DSV sei oft sehr aufwendig gewesen.

Auch in der Vereinsführung herrscht keine Begeisterung über die Entscheidung der beiden Leistungsträger und Aushängeschilder. "Es hat mich schon überrascht, als ich davon gehört habe, dass sich ein solcher Wechsel anbahnt", sagt der DSW-Vorsitzende Thomas Kipp: "Natürlich muss jeder Athlet wissen, wie er sich verhält und wo er die besten Perspektiven sieht. Ein bisschen enttäuscht bin ich allerdings davon, dass beide Athleten mit mir nicht darüber gesprochen haben".

Kipp sieht den Verband als treibende Kraft der Veränderung, moniert dabei auch eine "gewisse Überheblichkeit im Verhalten gegenüber dem DSW". Dessen Verdienste seien nicht entsprechend gewürdigt worden. Gerade der Gedanke an die intensive Förderung der Freistil-Spezialistin Reva Foos, die bei der EM in Glasgow Gold mit der Mixed-Staffel gewann, sorge bei ihm für das weinende Auge, sagt Kipp. "Es gibt aber auch ein lachendes Auge. Denn wir haben sehr viel Kraft für beide im Verein eingesetzt, die wir jetzt für die Förderung anderer Talente verwenden können."

Die durch den Umbau des Nordbades erschwerten Trainingsbedingungen sieht Kipp nicht als möglichen Beweggrund und hält die positive Gesamtentwicklung des Vereins entgegen: "Wir haben nach Jahren der Stagnation gerade in dieser Zeit eine positive Mitgliederentwicklung erlebt. Und die Attraktivität des DSW und seinen Möglichkeiten wird auch nicht durch den Weggang zweier Topschwimmer beschnitten."